09. Juni, Etappe von Blaye nach Mortagne-sur-Gironde

Gefahrene Kilometer: 75,93

Ausgeruht und pünktlich um 9.00 brach ich auf. Schwierigkeiten bereitet mir seit Bordeaux allerdings eine Sehnenzerrung am rechten Oberschenkel. Beim Radfahren spüre ich sie kaum, aber beim Laufen und wenn ich mich anziehe und dabei das Bein anheben muss. Mein geplantes Etappenziel sollte heute Barzan sein, so wäre die nächste Etappe nach Marennes wesentlich kürzer. Da die Campingplätze ab Mortagne-sur-Gironde viel zu teuer sind, plante ich ein Biwak, also wildcampen.

Bis Ètauliers verlief die Route auf einem schönen autofreien Radwanderweg durch Weinberge, leichte Steigungen inbegriffen, und kleine Dörfer. Ab Braud-et-Saint-Louis jedoch führte der Radweg entlang einer Straße. In diesem Ort gönnte ich mir eine Pause im Schatten und ein zweites Frühstück. Danach radelte ich weiter. Das Gelände entlang der Gironde wurde zunehmend offener, mit wenig Baumbestand, dafür jeder Menge Äcker und Rinderweiden, durchzogen von unzähligen großen und kleinen Kanälen. Marschwiesen, hier als Marais bezeichnet.

Hinter dem Hafen von Vitrizey tauchten neue Schilder für den Radwanderweg auf. Sie waren gelb mit schwarzer Schrift, was bedeutete, dass die Route nur provisorisch angelegt war. In die Richtung, in die ich eigentlich wollte, fand ich aber keine einzige Markierung )grün auf weißem Grund) mehr. Also folgte ich der neuen Route.

Nach einigen Kilometern erblickte ich die Gironde, den großen Estuaire (Flussmündung – die längste Europas), allerdings rechts von mir. Ich stutzte, denn das braune schlammige Gewässer müsste sich natürlich in Richtung Royan links von mir befinden!

Ich drehte also um, weil ich annahm, dass ich irgendwo ein Schild übersehen hatte. Bis zum Ausgangspunkt, also da, wo ich die übliche Route verlassen hatte, gab es nichts. Keine Weg, keine Straße und erst recht kein Hinweisschild. Nur die zurück nach Vitrizey, wie es auch auf einer Markierung an einem Pfahl gestanden war.

Für solche Fälle greife ich auf Google Maps oder Komoot zurück. Ich gab das Ziel ein und Google zeigte mir die zu fahrenden Strecke. So weit, so gut. Dachte ich. Selbstverständlich kam es anders. Google neigt nämlich dazu, Wege als mit dem Fahrrad passierbar zu markieren, die es absolut nicht sind, erst recht nicht mit viel Gepäck und einem Hänger! Lange Rede, kurzer Sinn: Ich landete dreimal irgendwo auf einem Grasweg mitten in der Pampa. Ja, danke Google. Bis ich eine fahrbare Strecke gefunden hatte, vergingen gut zwei Stunden und der Fahrradtacho verzeichnete fast 8 Kilometer mehr.

09. Juni, Etappe von Blaye nach Mortagne-sur-Gironde

Witzigerweise entdeckte ich dann wieder Schilder, die man aber nur von der anderen Richtung her sah! Die restlichen hatte man scheinbar abmontiert, denn als ich diese Route 2018 befuhr, gab es auch die neuen gelben Schilder noch nicht.

Klar war mir, dass ich es nicht mehr bis Barzan schaffen würde, also peilte ich doch Mortagne-sur-Gironde als Etappenziel an. Durch den immer mehr auffrischenden Wind, der mir mit teilweise 50 kmh entgegen blies, erreichte ich den kleinen Campingplatz vor Mortagne-sur-Gironde mit weiterer Verspätung. Eigentlich hatte der noch gar nicht geöffnet, doch mit Fahrrad und Zelt durfte ich trotzdem dort campieren. Morgen werde ich dann sehen, wie weit ich komme. Hoffentlich mit weniger Wind.

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