Jahresrückblick 2021

Fakten

  • Geschossene Fotos: 2300.
  • Zurückgelegte Kilometer: Etwas über 4000.
  • Technische Ausrüstung: Tourenfahrrad ohne Batterie, 4 Satteltaschen und ein Anhänger. Mobiles Büro mit Laptop, Tablet, Smartphone, Kamera und Zubehör.

Start am 12. Mai

Um es mal vorweg zu sagen: In diesem Jahr ging wirklich fast alles schief, was nur schief laufen konnte! Durch Lieferverzögerungen bestellter Ausrüstung startete ich bereits fast 4 Wochen später, als ursprünglich geplant. Dazu kam dann das beinahe durchgängig schlechte Wetter. Der Sommer fiel heuer auf nur wenige Wochen und die nicht einmal am Stück. Absolutes Novum in der Hauptsaison: Leere Strände und Campingplätze die kaum ausgebucht waren. Zumindest an der Atlantikküste. Der Mittelmeeraum hatte ja erst mit Hitzewellen und Waldbränden, später mit heftigen Stürmen und schweren Überschwemmungen zu kämpfen. Davon blieb ich Gott sei Dank verschont.

Meine ursprünglich geplante Route konnte ich nicht einhalten, weil sich mein Gespann – Fahrrad ( keine Batterie ) plus Anhänger plus mehr als 25 Kilo Gepäck – als zu schwer für die Strecke durch die Pyrenäen erwies. Dazu erwischte mich gleich am ersten Abend ein schweres Gewitter. Gar nicht erst davon zu reden, dass ich mich auch noch grandios verfuhr. Das wechselhafte viel zu kühle und nasse Wetter blieb mir dann auch noch die ganze Woche hold. Ich änderte meine Pläne und fuhr zurück an den Kanal.

Sommer wurde es dann endlich ab der Etappe nach Montech bis nach Saint-Symphorien in den Les Landes vor Bordeaux. Hier stürzte das Wetter für eine Woche wieder komplett ab mit viel Regen, kühlen Temperaturen und heftigen Gewittern. Das bescherte mir eine weitere Woche Pause. Mein anvisierter Zeitplan schwamm buchstäblich davon.

Juni

Die Besichtigung von Bordeaux und der Zitadelle von Blaye waren die Highlights in diesem Monat. Zudem zeigte sich ausnahmsweise auch das Wetter freundlich gesinnt. So sehr, dass die Temperaturen auf den Etappen bis Rochefort stolze 42 Grad erreichten! Wie gut, dass der Atlantik zum Abkühlen immer in Reichweite war.

Juli

Ab La Rochelle war dann wieder Schluß mit lustig. Nach einem heftigen Gewitter erholte sich das Wetter für 2 Wochen lang nicht. Es regnete in Strömen. Ich verbrachte diese Zeit auf einem gemütlichen kleinen Campingplatz bei Marans und nutze die Gelegenheit für die erste Impfung gegen Corona.

Die weiteren Etappen bis nach Nantes waren geprägt von schlechten Wegstrecken, kühlem, teils sonnigen aber windigem Wetter und immer wieder grandiose Ausblicke auf den Atlantik bis zur Loiremündung.

Mit der Ausrüstung hatte ich leider Pech. In Marans brachen bei dem neu gekauften Trekkingzelt die erste beiden Stangen. Ließ sich zwar reparieren, aber ich rechnete bereits damit, dass dieses Zelt nicht die gesamte Radwandertour überstehen würde. Das absolute Worst-Case-Szenario aber, neben Unfall und Krankheit, traf mich hinter Nantes auf einem Campingplatz: Mein gerade mal 3 Monate alter Laptop – Kaufpreis fast 1000 € – verweigerte von einer Minute auf die andere den Dienst. Blackout. Nichts ging mehr. Das setzte eine ganze Kette an Ereignissen in Gang, die ich im Nachhinein nur mit dem Wort Tragikkomödie bezeichnen kann! Die auch dafür verantwortlich war, dass ich in diesem Winter kaum weiß, woher Essen und Unterkunnft herkommen sollen. Mehr dazu könnt ihr auf meinem Blog lesen.

August

Highlights in diesem Monat waren die Sehenswürdigkeit Le Mont-Saint-Michel, Nantes und Rennes. Dazu eine der schönsten Radwanderstrecken Frankreichs an den Kanälen von Redon nach Rennes entlang. Das Wetter spielte mit bis Pont l’Evêque in der Normandie. Dort saß ich dann fast 3 Wochen fest, weil ich auf den Laptop wartete, den ich über Amazon zur Reparatur geschickt hatte.

Ihr ahnt es schon? Ja, er kam nach insgesamt 5 Wochen zurück – 5 Wochen, in denen ich nicht arbeiten konnte – mit demselben Defekt. Aber schön, dass das Reparaturteam wenigstens die Festplatte gelöscht hatte. So waren auch noch alle Dateien weg. Tiefpunkt des Monats.

September

Mein Zeitplan war ohnehin am Arsch, daher änderte ich erneut meine Route, nachdem ich den Laptop ein weiteres Mal eingeschickte hatte, diesmal nicht zur Reparatur, sondern ich wollte den Kaufpreis zurückerstattet haben, damit ich mir vor Ort irgendwo einen Laptop kaufen konnte. Statt wie geplant bis nach Cherbourg und von da aus dann die Atlantikküste bis nach Le Havre zu fahren, radelte ich noch über Avranches bis Donneville – wo ich die zweite Impfung mitnehmen konnte – und von da aus bis Créances. Hier verließ ich die Küste und fuhr auf einem anderen Radwanderweg über Carentan und und Caen nach Honfleur an die Seinemündung.

Das Wetter wechselte sich ab mit Sonne, Wolken und ab und zu Regen. Es blieb fast durchgehend kühl und windig. Nicht ungewöhnlich in der Normandie. Was den Laptop betraf: Der landete fälschlicherweise nicht im Rücksendezentrum, sondern – durch einen Irrtum vom Amazon Support – erneut im Reparaturzentrum. Die wiederum schickten ihn trotz sämtlicher E-Mails von mir und dem Support erneut an den Hersteller zurück. Ein Supergau für mich. Weiterhin keine Möglichkeit zum Arbeiten – ergo Geldverdienen – und auch keine Rückerstattung, was mein Budget rasent schnell aufbrauchte. Nur durch Spenden über meinen Blog war ich überhaupt noch in der Lage, meine Tour fortzusetzen. Diese führte mich entlang der Seine nach Paris bis Melun mit einem Zwischenstopp in Rouen.

Das Highlight in diesem Monat war natürlich Paris, auch wenn ich nur an einem Tag durchfuhr – an der Seine entlang – gab es mir doch genug Zeit, wenigstens  ein paar Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Sogar das Wetter spielte mit und ich knipste Fotos, was die Kamera her gab! Den Besuch von Château de Versailles musste ich leider aus finanziellen Gründen auch in diesem Jahr von der Liste streichen.

Oktober

Zwischen Paris und Melun bekam ich auch mal gute Nachrichten: Amazon erstattete endlich den Kaufpreis des defekten Laptops – nach einer wahren Odyssee an Mails und Telefonaten mit 3 verschiedenen Supportstellen – was es mir ermöglichte, einen neuen Laptop zu kaufen.

Meine Strecke führte mich über Melun an der Seine entlang bis in die Bourgogne nach Nevers. Das Wetter spielte halbwegs mit, es war nachts teilweise schon ganz schön frisch aber tagsüber meist sonnig. Mein Trekkingzelt hatte sich bereits ins Nirwana verabschiedet – vor Paris brachen noch drei weitere Stangen – und ich kaufte in Paris beim Decathlon ein einfaches Notzelt, in der Hoffnung, das Designaufträge hereinkamen und ich mir für den Herbst/Winter dann ein gutes Zelt kaufen konnte. Spoiler: Natürlich lief es anders.

Von Nevers aus ging es an die Saone und an dieser entlang über den Eurovelo 6 bis nach Lyon. Nun war es endgültig Herbst geworden und ich fror so manche Nacht, weil ich nicht für diese Temperaturen ausgerüstet war. Ich radelte weiter über den Radwanderweg Via Rhona über Avignon in den Süden. Viele Campingplätze schlossen jetzt ihre Tore und ich biwakierte immer öfter. Nicht ganz ohne Bedenken, denn ich hatte den Bericht in einer Regionalzeitung über einen ermordeten Radwanderer gelesen. Ein 29jähriger Spanier. Spaziergänger entdeckten ihn morgens in seinem Zelt. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Ich kam genau an der Stelle ( Soyons ) vorbei und ich hatte ursprünglich geplant, ebenfalls dort zu biwakieren.

Das tat ich dann nicht, sondern änderte meine Etappen so, dass ich es auf Campingplätze schaffte, die nich geöffnet hatten. Das bedeutete allerdings lange Tagesetappen bis zu 70 Kilometern und mehr.

Highlights in diesem Monat waren keine Sehenswürdigkeiten – außer die Pont d’Avignon – dafür aber eine sehr schön ausgebaute Via Rhona, die sich 2018 so noch nicht angeboten hatte. Auch Lyon war mittlerweile Radfahrergerecht ausgebaut worden.

November

Von Avignon aus ging es durch die Carmargue ans Mittelmeer. Von warmen Temperaturen war hier leider nicht viel zu spüren. Es blieb kalt – vor allem nachts – und meistens bewölkt und windig. Über Sête und Agde ging es an den Canal du Midi. Ab Béziers wurde es wieder sonniger, es blieb allerdings kühl, und die Natur zeigte sich noch einmal in ihrer ganzen herbstlich-bunten Pracht.

Mein vorläufiges Ziel war erneut der kleine kostenlose Zeltplatz in Sérignac-sur-Garonne, auf dem ich den Winter 2019/20 bereits verbracht hatte. Ich hoffte sehr darauf, dass es auch in diesem Jahr möglich war, denn meine finanziellen Mittel waren beinahe aufgebraucht. Es kamen kaum Designaufträge und Bücher hatte ich den gesamten Sommer über keine veröffentlicht. Zumindest bis Februar dort campen zu könne, würde schon helfen.

Dezember

Ich erreichte den Zeltplatz am 23. November und richtete mich ein. An der Gmeinde meldete ich mich an, schilderte meine Situation und fragte, ob ich bis Februar/März bleiben konnte. Ich bekam eine vorläufige Genehmigung, was ja schon mal ein Erfolg war. Das Wetter schlug einen Tag später um und es wurde fast 2 Wochen lang so richtig ungemütlich mit starkem Wind und Regen oder sonnig aber kalt mit Minustemperaturen. Nicht so lustig, wenn man nur leichte Klamotten und ein Sommerzelt besitzt! Aber immerhin konnte ich die Zeit zum arbeiten nutzen. Zwar blieben Aufträge auch weiterhin aus, doch veröffentlichte ich einige Kurzgeschichte im November und Dezember. Die Tantiemen dafür kommen aber erst Ende Januar und Februar aufs Konto. Dank großzügiger Spenden konnte ich aber neben einem winterfesten Trekkiingzelt noch andere Ausrüstung kaufen. Auf das Zelt warte ich aber noch. Sollte gestern zugestellt werden, kam aber nicht.

Vor Weihnachten kam der Bürgermeister dann zu mir auf den Zeltplatz und teilte mir mit, dass ich hier nicht überwintern dürfte. Die Genehmigung der Gemeinde sei mit ihm nicht abgesprochen worden. Nach den Feiertagen wollte er noch mal vorbeikommen, sich bis dahin um eine Lösung des Problems bemühen. Bis jetzt habe ich ihn nicht mehr gesehen, hoffe aber weiterhin, dass ich hier bleiben kann.

Ausblick auf 2022

Geplant habe ich den Start für die nächste Tour so ab März, je nachdem wie sich die Lage entwickelt, auch im Hinblick auf Corona. Die Infektionszahlen steigen in Frankreich beängstigend schnell an und ich konnte noch keinen Termin für die dritte Impfung ausmachen, solange ich nicht weiß, wie lange ich hier bin.

2022 möchte ich über Nantes die Loire hoch nach Paris, Belgien und die Niederlande entlang der Küste nach Deutschland fahren. Dann von Hamburg aus bis München und über das Dreiländereck wieder nach Frankreich. Mal sehen, was ich von diesen Plänen umsetzen kann.

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