11. April 2022, ein kleiner Rückblick auf die bisherige Tour.

Knapp 1000 Kilometer habe ich jetzt zurückgelegt. Abzüglich der auf Campingplätzen verbrachten Tage ergibt das einen Tagesdurchschnitt von 54 Kilometern. Für viele mag das nach nicht sehr viel klingen, aber meinen Einschränkungen entsprechend – schweres Gepäck, Anhänger und normales Fahrrad ohne elektrische Unterstützung sowie mein Asthma – ist das durchaus respektabel. Die Voraussetzungen für die diesjährige Tour waren alles andere als günstig. Ich hatte nur 3 Monate Zeit – im Winterquartier – um ein finanzielles Polster anzulegen, was mir aber leider nicht gelungen ist. Aufträge aus dem Designbereich sind immer noch zu wenige und Werbung mit Visitenkarten und Flyern unterwegs kann ich mir wegen der Druckkosten noch nicht leisten. Bücher schreiben sich nun mal nicht zwischen Tür und Angel. Sie benötigen Zeit und sehr viel Konzentration.

So habe ich im Winter wegen des Zeitdrucks etwas zu veröffentlichen, mich auf eine Novelle und drei Kurzgeschichten beschränkt. Diese haben nicht so viel Geld verdient, zudem waren es saisonale Geschichten, die auf den Winter zugeschnitten waren. Den ersten Roman veröffentlichte ich in diesem Jahr erst im Februar. Er verkauft sich sehr gut, aber Amazon zahlt Tantiemen immer erst 2 Monate nach dem Monat, in dem das Buch veröffentlicht wurde, aus. Das bedeutet, für diesen Roman kommen die Tantiemen am Ende diesen Monats auf mein Konto. Die Lücke hätten bestenfalls Designaufträge füllen können, aber leider bleiben die derzeit aus.

So startete ich als am 1. März schon mit wenig finanziellen Reserven, was ich auch auf die Qualität der Ausrüstung niederschlägt. Das Zelt, das ich in Bordeaux gekauft habe, ist schlicht Schrott, selbst bei diesem Preis von nur 30 €. Da bietet Decathlon bessere an. Leider kriegt man Trekkingzelte für eine oder zwei Personen frühestens ab Mai in den Sportgeschäften vor Ort. Das war das einzige, welches ich kaufen konnte. Probleme machen auch die Reifen, die ich Anfang März neu aufgezogen hatte. Die hatte ich online bestellt, weil es in der Gegend um mein Winterquartier keine Möglichkeit gegeben hatte, so etwas vor Ort zu kaufen.

Als ich die Reifen bekam, dachte ich mir bereits, dass das Profil dieser Trekkingreifen etwas schwach aussah, hoffte aber, dass sie so zwei Monate halten würden. Am Vorderreifen – der weniger Gewicht trägt – gibt es auch keine Probleme bisher. Der Reifen am Hinterrad aber ist jetzt schon stark abgefahren. So hatte ich gestern gleich zweimal einen Plattfuß, weil schon spitzer Schotter genügt, um den Schlauch zu beschädigen. Ich habe gestern Abend das Antipannenband wieder eingebaut. Hoffentlich hält es.

Witzig ist auch, dass anscheinend einiger meiner Kunden glauben, dass ich die Gestaltung ihrer Buchcover zu teuer anbiete. Dabei deckt ein einzelner Auftrag gerade mal meine Unkosten, und da rechne ich Aufenthalte auf Campingplätzen – quasi als Büros – gar nicht mit ein! Nur die Kosten für Software und Stockfotos. Als ich letzten Herbst meine Preise nach 2 Jahren um 20 € raufgesetzt habe, damit ich nicht draufzahle, verlor ich prompt Kunden. Sang- und klanglos.

Da kriegt man echt Depressionen. Nach dem Pechjahr 2021 – mein drei Monate alter Laptop ging kaputt und es dauerte sage und schreibe 4 Monate, bis ich von Amazon die Rückerstattung bekam – hatte ich gehofft, dass es in diesem Jahr besser läuft. Momentan sieht es leider nicht so aus. Ich fahre morgen in Amboise einen günstigen Campingplatz an, kann noch einmal Vorräte kaufen und das war es dann.

Klar, Durststrecken gibt es immer mal als freischaffende Künstlerin, aber mit Beginn der Pandemie summierte sich das auf – der Löwenanteil an meinem Angebot bezieht sich auf Werbegrafik – und Design, was hauptsächlich die Touristenbranche anspricht – und irgendwie sehe ich da wenig Licht am Ende des Tunnels. Zumindest mit dem Wetter hatte ich bisher Glück. Zwar gab es einige ungemütliche Tage, aber im Vergleich zum letzten Jahr deutlich weniger. 2021 fiel der Sommer in den Regionen, in denen ich unterwegs gewesen war, buchstäblich ins Wasser. Das war auch das erste Mal, dass ich an den Küsten leere Strände und kaum einen Campingplatz gesehen habe, der ausgebucht war. Im Hochsommer wohlgemerkt. Bei schönem Wetter kann ich die Aufenthalte auf Campingplätzen reduzieren und stattdessen wild kampieren. Das spart enorm Geld.

Ich hoffe, ich habe euch mit diesem Text nicht allzu sehr gelangweilt? So zu leben, wie ich es tue, hat natürlich auch Schattenseiten, das wusste ich, als ich 2012 im Oktober mit meiner Araberstute Ameera ausgewandert bin. Bereut habe ich es aber nie auch nur eine Sekunde. Gespannt bin ich aber schon darauf, wie es sein wird, wenn ich Frankreich zum ersten Mal verlasse und andere europäische Länder bereise: Belgien, die Niederlande und meine alte Heimat Deutschland!

Ab Briare an der Loire sind es dann der Eurovelo 3, 5 und 10, die ich dann entlangradele. Ich freue mich schon darauf, neue Routen und Landschaften zu entdecken.

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