19. April 2022, Etappe von Lion-en-Sullias nach Ouzouer-sur-Trézée

Auch heute Morgen war es mit 5 Grad recht frisch, als ich um 9:00 auf die vorläufig letzte Etappe im April startete. Bis Anfang Mai wollte ich auf einem günstigen Campingplatz in Ouzouer-sur-Trézée bleiben. Zum einen hatte ich dann wieder Zeit, an meinem aktuellen Manuskript zu arbeiten, zum anderen würden m 29. April die Tantiemen von meinem letzten Buch aufs Konto kommen, was bedeutete, dass die finanziellen Schwierigkeiten vorerst ein Ende hatten und ich vor allem meine Ausrüstung ergänzen und neu kaufen konnte. Die Sommersachen, die ich 2020 gekauft hatte, fallen nämlich so langsam auseinander.

Das Wetter versprach heute mehr Wolken als Sonne, aber es sollte trocken bleiben. Ich fuhr zurück auf den Radwanderweg, folgte diesem jedoch dann nicht weiter, denn er führte über die Hügelkette nach Saint-Florent. Stattdessen wählte ich die wesentlich kürzere und flachere Route über die Landstraße. Es herrschte wenig Verkehr und ich erreichte Gien um 10:30. Hier überquerte ich die Loire, weil in der Stadt noch Vorräte einkaufen und mein Handy aufladen wollte. Der Campingplatz lag nämlich am Rande eines winzigen Dorfes und außer eine ebenso winzigen Épicerie – eine Art Mini-Supermarkt – und eine Bäckerei gab es dort nichts.

Noch schnell einige Fotos vom Schloss geknipst und weiter ging es. War es bislang flach gewesen, so verlief der Radwanderweg, auf den ich an der Brücke bei Gien wieder traf, nun parallel zur Loire durch die sanft hügelige Landschaft. Sanft, aber Steigung genug für mich. Wie gut, dass ich morgens am Friedhof meine Wasservorräte nochmal hatte auffüllen können! Ab 14:00 kam die Sonne doch noch richtig heraus und es wurde sehr warm.

Bis zur berühmten Brücke von Briare – die Pont du Canal – schlängelte sich der Radweg malerisch hügelauf- und hügelabwärts durch lichte Wälder an Wiesen und Weiden vorbei und überquerte etliche Bäche und Wassergräben. Erst vor der Brücker erreichte er die Loire wieder, von der ich mich heute verabschieden musste. Der Eurovelo 3 – La Scandiberique – führte von hier aus über Paris nach Belgien.

Ich schoss ein paar Fotos von der Brücke und radelte anschließend weiter, durchquerte Briare und gelangte an den Hafen am Kanal, wo ich eine längere Pause einlegte. Tatsächlich nickte ich sogar ab und zu ein. Die letzten Etappen machten sich bei mir bemerkbar. Da kam mir eine längere Auszeit, die ich auch zum Arbeiten nutzen konnte, sehr gelegen. In diesem Monat soll eine Novelle erscheinen und im Mai der 2. Band der Reihe Soulanimals. Ich bin übrigens überrascht davon, dass Amarok sich derart gut verkauft! Fantasy geht allgemein etwas schlechter über den Ladentisch und dieser Roman fällt eher in die Kategorie Sagen und Legenden. Nicht gerade massentauglicher Lesestoff. Gut für mich, denn so wie es gerade aussieht, werde ich das Mediendesign mangels Aufträgen bald aufgeben müssen und mich ganz aufs Schreiben konzentrieren. Seit Beginn der Pandemie kommen die meisten Einnahmen tatsächlich über die Buchverkäufe. Dadurch aber, dass ich im letzten Jahr so ein massives Pech hatte – der kaputte Laptop und eine viermonatige Odyssee durch Amazons Support, bis die Rückerstattung auf dem Konto war und ich einen neuen Laptop kaufen konnte – kam ich im Winterquartier 2021 praktisch komplett blank an. Das Problem ist: Bücher schreiben sich nicht zwischen Tür und Angel. Sie brauchen Zeit, die ich oft nicht habe. Am Ende einer Tagesetappe reicht es meistens nur noch für einen Blogartikel und manchmal einige Zeilen im Manuskript. Will ich wirklich intensiv arbeiten, benötige ich einen längeren Aufenthalt auf einem Campingplatz – mindestens 1 Woche – um produktiv sein zu können. Das kostet wieder Geld. Je nach Preisen kommt da ganz schön was zusammen und essen will ich ja auch noch. Aber zurück zur Etappe:

Vom Hafen aus waren es nur noch 9 Kilometer entlang des Kanals, die leicht und schön zu fahren waren, bevor ich den kleinen Ort mit dem zungenbrecherischen Namen erreichte. Der Campingplatz lag nach hinten heraus am Radwanderweg, der Eingang und die Rezeption jedoch befanden sich an der Straße. Der Empfang war herzlich, ich konnte mir den Platz aussuchen, auf dem ich campieren würde und dank einer Spende über meinen Blog, war ich in der Lage, die erste Woche gleich zu bezahlen. Den Rest dann, bevor ich wieder aufbrach, da ich das genaue Abreisedatum noch nicht kannte. Der 29. April ist ein Freitag und es kann durchaus sein, dass die Tantiemen von Amazon vor dem Wochenende nicht mehr gebucht werden. Es war also gut möglich, dass ich erst am 3. Mai weiterfuhr. Bei einem teureren Campingplatz hätte ich mir das nicht leisten können.

Es ist ruhig hier, auch nur wenig los und in einem großen Pavillon stehen Bänke und Tische, sodass ich einen angenehmen Arbeitsplatz habe. Die einzigen Geräusche gestern zum Einschlafen – und heute früh beim Aufwachen – waren das Rauschen des Wassers in der kleinen Schleuse und Vogelzwitschern. Kein Straßenlärm, keine laute Musik, kein Maschinenlärm …Ich liebe es.

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