02. Mai 2022, Etappe von Melun nach Ivry-sur-Seine

Dass es heute eine lange Etappe werden würde, wusste ich. Auch, dass sie nicht ganz einfach zu fahren sein würde. Aber dass ich – Pausen abgerechnet – fast 11 Stunden unterwegs sein würde, das hatte ich nicht auf dem Schirm! Ich brach um 08:40 auf und erreichte Corbeil-Essonnes punkt 12 Uhr Mittag. Das waren 28 Kilometer, die allerdings – wie ich schon zuvor schrieb – durch das holprige Terrain nur langsam zu bewältigen waren. Bevor ich startete, hatte ich mir den GPX Track der Etappe in Komoot geladen, weil mir vom letzten Jahr her die mangelhafte Ausschilderung noch gut im Gedächtnis verankert war. Da hatte ich mich 3 mal verfahren. Ich rechnete dahingehend also nicht mit bösen Überraschungen. Die hielt dann die Strecke selbst bereit, die ich zum ersten Mal fuhr. 2021 war ich nach dem dritten Irrweg einfach an der Straße entlang geradelt, und wechselte erst kurz vor Corbeil-Essonnes über die Brücke auf die andere Seite der Seine.

Diesmal folgte ich – nach einer Kaffeepause – der richtigen Route, was einige Kilometer lang auch gut funktionierte. Gefährlich wurde es einmal, als der Radweg die stark befahrene Straße aus Corbeil-Essonnes heraus kreuzte. Das war nämlich eine Autobahnzufahrt und der Übergang lag direkt hinter einer Kurve. Ich stand dort fast 5 Minuten, bevor ich endlich rüber konnte. Wie erwartet, war die Ausschilderung der Route so gut wie nicht vorhanden, mit Komoot fand ich aber dennoch meinen Weg. Das ständige Navigieren kostete jedoch Zeit und die Strecke verlief im Zickzack mal durch Parks und Naherholungsgebiete, mal durch Orte und Industriezonen. Der eigentliche Spaß begann aber hinter Grigny, als der Radwanderweg wieder an die Seine führte. Dort traf ich auf eine dieser unsäglichen Barrieren, durch die man sich allenfalls mit einem Fahrrad ohne Gepäck durchschlängeln konnte. Das große Tor hatte zwar einen Griff zum Hochklappen, mit dem man das normalerweise öffnen konnte, der war aber auf der anderen Seite mit einem Vorhängeschloss gesichert.

Ich koppelte den Anhänger ab und schob als erstes mein Fahrrad durch den mittleren Teil der Barriere. Das klappte auch ganz gut. Den Anhänger hätte ich irgendwie durch das linke Teil fädeln müssen, glücklicherweise kam ein anderer Radfahrer daher und half mir, den Anhänger drüber zu heben. Er meinte auf meine Frage hin auch, dass das große Tor normalerweise offen sei. Ich koppelte den Anhänger wieder an und fuhr weiter. Einige Kilometer weiter erwartete mich eine ähnliche Barriere, diesmal jedoch war das große Tor offen. Gott sei Dank. Der Radwanderweg führte nun durch ein Naherholungsgebiet, wo ich noch mal eine halbe Stunde Pause einlegte.

Der Eurovelo 3 sollte dahinter eigentlich über eine Brücke auf die andere Seite der Seine wechseln, doch hier gab es erneut eine Barriere, noch enger diesmal, und zudem steile Treppen. Da war für mich kein Weiterkommen möglich. Ich drehte also um und radelte alles zurück, bis ich eine Straße fand, die durch Vigneux-sur-Seine führte. Von da aus navigierte ich mit Komoot zur nächsten Brücke. Entlang der Route National ging es erst über einen Nebenfluss der Seine und anschließend auf der zweiten Brücke über die Seine nach Ablon-sur-Seine, wo ich wieder auf dem Eurovelo 3 ankam. Mittlerweile war klar, dass ich wesentlich später am Hostel in Ivry-sur-Seine eintreffen würde als geplant. Zumindest ging es jetzt deutlich zügiger voran und Umwege musste ich auch keine mehr fahren.

Mit Komoot navigierte ich vom Radwanderweg die letzten 3 Kilometer zum Hostel in Ivry-sur-Seine und erreichte mein Etappenziel um 09:15. Müde checkte ich ein, duschte kurz und aß etwas. Morgen wird es entspannter, denn nach Versailles ist es nicht so weit. Ich muss zurück an die Seine und an ihr entlang, so wie ich letztes Jahr auch gefahren bin. In Boulogne-Billancourt wechsele ich dann auf den Radweg nach Versailles. Zwischendurch hole ich noch meinen neuen Pass an der deutschen Botschaft ab.

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