06. Mai 2022, Etappe von Versailles nach Gressy

Heute früh taten mir meine Füße immer noch weh, am liebsten hätte ich eine Tag Pause eingelegt, bevor ich auf die nächste Etappe startete, aber dafür war der Campingplatz in Versailles einfach zu teuer. Bis ich alles wieder gepackt und am Fahrrad verstaut hatte, zeigte die Uhr bereits halb elf. Die Strecke heute war eigentlich nicht lang, vom Startpunkt an der Seine bis zum voraussichtlichen Ziel Gressy waren es 47 Kilometer ohne nennenswerte Steigungen. Dazu kam noch die Strecke von Versailles. Ich hatte mich für eine andere Route zurück an die Seine entschieden, die zwar entlang einer Hauptstraße verlief, dafür aber kaum Steigungen aufwies. Sie würde mich nach Sevres führen, weiter oben am Fluss. Zuerst lief auch alles glatt, ich legte die knapp 8 Kilometer zügig zurück, kaufte unterwegs noch Vorräte ein. Als ich aber die Brücke überquert hatte, stellte ich fest, dass es schwierig werden würde, von hier aus auf den Radweg zu gelangen, auf dem ich nach Versailles gefahren war. Es gab keine Abfahrt dorthin, also steuerte ich die nächste Brücke an, die auch als Radweg ausgewiesen war. Nur, dass man am anderen Ende vor eine Treppe stand. Es gab sogar ein Schild, welches darauf hinwies, dass man hier sein Fahrrad tragen müsste. No shit, Sherlock. Vor mich hin fluchend drehte ich daher wieder um und radelte bis zur nächste Brücke. Da endlich gelangte ich zurück auf den Radweg, auf dem ich bis hinter Notre Dame de Paris bleiben würde. Dahinter bog der Eurovelo 3 dann in Richtung Bondy ab. Ich nahm mir noch die Zeit, einige Sehenswürdigkeiten zu fotografieren, an denen ich bislang noch nicht vorbeigekommen war, wie zum Beispiel den Invalidendom und den Eiffelturm. Notre Dame war komplett eingerüstet und mit dem Fahrrad durfte man ohnehin nicht direkt hinfahren – alles war abgesperrt und nur für Fußgänger freigegeben – also ließ ich die Kathedrale aus. Prompt verfuhr ich mich auch noch, geriet versehentlich auf die Strecke nach Corbeil-Essonnes zurück – die Ausschilderung war mal wieder mehr als dürftig – und es kostete mich einiges an Zeit, bis ich wieder auf der richtigen Route unterwegs war. Endlich kam dann auch der Kanal in Sicht, an dem der Radwanderweg bis Claye-Sully entlangführte. Erst noch einige Kilometer an der Straße, danach aber wunderbar ausgebaut und asphaltiert direkt am Kanal. Dass verleitete etliche andere Radfahrer, hier zu rasen wie die Bekloppten, und das obwohl auch genug Passanten mit Kind, Kegel und Hund unterwegs war. Mehrfach musste ich hart abbremsen, besonders da, wo der Radweg unter den zahlreichen Brücken hindurchführte, dabei schmaler wurde. Dazu noch Fußgänger, die in Kette auf dem Radweg laufen, obwohl parallel dazu ein separater ausgebauter Fußweg ist. Und böse gucken, wenn ich klingele, damit sie mich vorbeilassen. Zweimal musste ich absteigen und mich zu Fuß vorbeischieben, weil sie einfach nicht zur Seite gingen. Nett. Die Strecke führte hinter Sevran schön durch einen Wald hindurch, kehrte dann an den Kanal zurück und blieb dort bis zur Brücke, die Gressy und Claye-Souilly trennte. Hinter Gressy gab es – laut meiner Karte – einen Picknickplatz, an dem ich zelten wollte, doch fand ich schon vorher einen geeigneten Platz noch am Kanal. Das war mir sehr recht, denn es war schon spät, die Sonne sank bereits und ich war fix und alle. Paris ist toll, aber eben doch eine Großstadt und das stresst mich eben immer enorm. Ab morgen führt der Radwanderweg an kleinen Straßen entlang durch hügeliges Gelände. Geplantes Etappenziel: Ermenonville.

Ein Gedanke zu „06. Mai 2022, Etappe von Versailles nach Gressy

  1. Vielen Dank für die tollen Fotos und die Beschreibung. Ja, Großstädte kosten Kraft. Und die unfreundlichen Menschenmassen. Ich wünsche weiterhin gute Fahrt und sichere ruhige Nächte. Toller Blog. Lese ich gerne

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