17. Mai 2022, Etappe von Fourmies nach Marpent

Die Pause auf dem Campingplatz in Fourmies habe ich gut genutzt. Wäsche gewaschen, Buch veröffentlicht, noch mal Ausrüstung ergänzt. Gepolsterte kurze Radlerhosen gab es beim Intersport wieder einmal nur für Männer. Ich habe stattdessen einfache Laufshorts gekauft, mal sehen, wie die sich beim Radeln tragen. Sie sind halt sehr kurz am Bein. Auch sonst gab es keinerlei Trekkingausrüstung zu kaufen. Ich hätte noch einen neuen Gaskocher gebraucht – mein alter wird nicht mehr lange halten – einen größeren Topf dazu und noch andere Kleinigkeiten. Mitte Mai sollte doch eigentlich schon Saison für solche Sachen sein. Scheinbar nicht.

In der Nacht schlief ich nicht gut, es war viel zu schwül dafür, aber die angekündigten Gewitter tobten sich woanders aus. Paris bekam eine ordentliche Dosis ab und in der Bretagne kam es zu Überschwemmungen. Hier: kein einziger Tropfen Regen. Zwar war ich um halb sechs in der Früh schon wach, aber leider schlief ich wieder ein, sodass ich den ersten Kaffee mit reichlicher Verspätung um acht Uhr trank. Bis ich dann alles wieder abgebaut, gepackt und am Fahrrad verstaut hatte, war es halb zwölf. Je nachdem, ob der anvisierte Platz etwa 6 Kilometer hinter Maubeuge auch tatsächlich geeignet war, hatte ich 52 Kilometer vor mir. Die anstrengendste Etappe war die vom Campingplatz über Fourmies bis nach Glageon. Da ging es nämlich stetig und teils sehr steil bergauf. Entsprechend kaputt war ich dann auch, als ich die letzte Steigung hinter mich gebracht hatte. Alle paar hundert Meter musste ich pausieren, damit ich wieder Luft bekam. Hinter Glageon wechselte der Radwanderweg von der Straße auf einen ehemaligen Schienenweg und verlief – dankenswerterweise – flacher und vor allem schön schattig. Hier gab es auch genug Picknickplätze zum rasten, wovon ich regen Gebrauch machte. Eilig hatte ich es nicht. Trotz des verspäteten Aufbruchs blieb mir genug Zeit. Es wurde ja erst spät dunkel. Von Liessies aus wurde das Gelände zusehends flacher, bis es in Richtung Maubeuge fast nur noch bergab ging. Für ein paar Fotos bog ich nach solre-le-Chateau ab. Der Kirchturm sieht aus, wie von einem Märchenschloss! In Ferrière-la-Grande gönnte ich mir eine Kaffeepause, fuhr anschließend gemütlich weiter. Bis jetzt war die Strecke wirklich sehr schön zu fahren gewesen und das blieb auch so. Der Radwanderweg führte ein Stück nach Maubeuge hinein, überquerte die Schienen und verlief dann an der La Sambre entlang, einem kleinen Flusslauf, der auf den nächsten Kilometern kanalisiert ist. Auf Höhe von Boussois stellte sich heraus, dass der anvisierte Picknickplatz umgebaut worden war. Die Kommune hatten ihn komplett aufgeschottert. Jetzt konnten dort nur noch Wohnmobile parken. Ich radelte also weiter. Weitere Kilometer legte ich zurück, aber nichts bot sich zum Übernachten an. Erst hinter Marpent fand ich einen Picknickplatz an einem kleinen Park mit Fitnessgeräten. Spuren von Wildschweinen habe ich keine entdecken können, also hoffe ich mal, dass ich heute Nacht keinen ungebetenen Besuch bekomme! Morgen geht es an der Sambre weiter und über die Grenze nach Belgien hinein. Geplant habe ich, bis Charleroi zu fahren und dort zu biwakieren. Donnerstag ist es dann nur noch eine kleinere Etappe bis Namur, wo ich wieder auf einen Campingplatz gehen kann. Für den Tag und Freitag sind schwere Gewitter angekündigt, eventuell bleibe ich also einen Tag da.

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