18. Mai 2022, Etappe von Marpent nach Luttre

Heute war Tag der Reifenpannen! Glücklicherweise nur am rechten Hinterrad des Anhängers. Den ersten Platten entdeckte ich heute früh, als ich nach dem Kaffee alles zusammenpackte. Gestern gab es einige schlechtere Abschnitte mit spitzem Schotter auf der Strecke, da musste es wohl passiert sein. Kein Problem, ich hatte ja einen Schlauch zum Austauschen dabei. Der war zwar auch schon einmal geflickt, aber das stört nicht. Ich radelte um 9:20 also los, suchte mir den Weg zurück zur Brücke, denn der eigentliche Radwanderweg am Fluss entlang war wegen Bauarbeiten gesperrt worden. Die Umleitung führte durch Marpent und Jeumont durch, doch an der Brücke, wo e wieder auf den Radweg gehen sollte, gab es ebenfalls eine große Baustelle. Für Fußgänger und Radfahrer war aber eine schmale Schotterpiste verfügbar. Leider waren in dem Schotter auch Nägel und anderer Baustellenabfall verborgen. Prompt hatte ich, nachdem ich die Brücke passiert hatte, den nächsten Platten. Also Schlauch raus, flicken und den anderen Schlauch gleich mit. Schlauch wieder rein, Reifen aufpumpen und weiter ging es. Bis Merbes-les Château kam ich, dann bemerkte ich, dass der Reifen erneut Luft verlor.

Ein weiteres Mal koppelte ich den Anhänger ab, löste das Rad und untersuchte den Schlauch. Ich hatte schlicht ein Loch übersehen. Ich klebte den nächsten Flicken drauf und fuhr kurz darauf weiter. Diesmal hielt es. Da ich mich bereits in Belgien befand, überprüfte ich, ob sich mein Smartphone per Roaming mit einem Netz verbinden konnte. Fehlanzeige. Komplett tot. Ich befürchtete schon das Schlimmste für die restlichen Etappen durch Belgien, aber Gott sei Dank bekam ich einige Kilometer weiter endlich ein Netz. Sogar in guter Qualität.

Der Radwanderweg ließ sich wunderbar fahren und ich kam zügig voran. Hinter Thuin legte ich eine längere Pause ein, denn es war heiß und schwül und der Radweg bot nur wenig Schatten. Die Landschaft war abwechslungsreich, Rinderweiden dominierten aber. Hinter Landelies änderte sich das. Industrie überwog rechts und links und ab Marchienne-Au-Pont wurde es richtig hässlich. Moderne und verlassene, rostende Industrieanlagen reihten sich am Kanal hintereinander bis hinein nach Charleroi. Teilweise war der Radweg stark verschmutzt mit Scherben, Metallschrott und Müll. Schön zu fahren war das nicht.

In Charleroi suchte ich mir ein ruhiges Café für eine Pause, denn ich lag gut in der Zeit. Café creme in Belgien ist allerdings gewöhnungbedürftig! In Frankreich bedeutet das, dass der Kaffee Milch enthält und mit einer cremige Haube versehen ist. In diesem Café bekam ich einen sehr starken Kaffee mit einer Portion Dosenmilch dazu. Von Creme keine Spur. Nun ja, nicht mein Fall, aber gut zu wissen.

Während ich den Kaffee trank, checkte ich auf meinem Handy die nächsten Etappen. Ich wollte ja bis Namur fahren und von da auf den Eurovelo 5 nach Brüssel wechseln. Mit fast 400 Höhenmetern auf dieser Strecke eine Herausforderung für mich. Zufällig entdeckte ich auf einer Webseite die belgische Radwanderwege auflistete, dass es noch eine andere Möglichkeit gab, nach Brüssel zu fahren: Am alten Kanal Charleroi – Bruxelles entlang. Mir würden zwar dann die Sehenswürdigkeiten in Namur, Waterloo und Wavre entgehen, aber ich hätte eine leichte und kürzere Strecke vor mir. Meine Lunge würde es mir auf jeden Fall danken.

Ich setzte den Plan in die Tat um, suchte mir mit Komoot eine Strecke vom Café zum Kanal und erreichte ihn eine halbe Stunde später. Bis Luttre radelte ich noch und checkte auf dem dortigen Campingplatz ein. Je nachdem, wie sich das Wetter morgen und Freitag entwickelt – es sind heftige Gewitter angekündigt – fahre ich entweder Samstag weiter oder radele morgen noch eine Etappe. Der nächste Campingplatz liegt allerdings erst wieder vor Brüssel.

Von da aus habe ich zwei Möglichkeiten: Den alten Kanal bis Seneffe und entlang des Radwanderweges W4 über Mons nach Roubaix zu fahren, und anschließend auf dem Eurovelo 5 weiter nach Dunkerque, oder – wesentlich kürzer und ich käme schneller an die Küste und auf den Eurovelo 12 – von Brüssel aus weiter am Kanal bis Antwerpen. Das sind nur 58 Kilometer. Wäre auch wesentlich kürzer, um zur Küste zu gelangen. Fahre ich über den W4, bleibe ich bis Samstag hier, denn auf der gesamten Strecke bis Tournai habe ich dann keinen Campingplatz mehr. Die beiden, die Google mir dort listet, haben geschlossen. Die zwei Tage nutze ich dann zum Schreiben.

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