21. Mai 2022, Etappe von Luttre nach Ghlin

Geplant hatte ich heute nur eine entspannte Etappe bis Mons oder etwas weiter, je nachdem, wo sich ein Schlafplatz fand. Daher brach ich auch erst um halb zwölf Uhr auf. So konnten nach dem heftigen Regen gestern Zeltplane und andere Sachen noch abtrocknen, bevor ich sie verpackte. Bis zum Radweg waren es nur ein paar hundert Meter und ab da auch gut zu fahren.

Durch die Gewitter und den Regen hatte es deutlich abgekühlt, um fast 15 Grad. Dazu wehte ein frischer Wind von Nordwest und die Sonne ließ sich kaum blicken. Nichts mit kurzer Hose und T-Shirt heute.

Etwa 14 Kilometer radelte ich am alten Kanal weiter, der nach Brüssel führte und auf dem ich hergekommen war. Ab Seneff dann bog ich auf den Canal du Centre historique ab, dem ich bis Antoing folgen würde, wo er in die Schelde mündet. Das Etappenziel für heute sollte bei oder hinter Mons sein, je nachdem, wo ich einen passenden Zeltplatz fand.

Wirklich interessant an diesen Kanälen sind die Schiffshebewerke. Ja richtig, keine Schleusen mit Toren, sondern eine Art Aufzüge für Schiffe! Einer der imposantesten ist wohl der Ascenseur funiculaire de Strépy-Thieu hinter La Louviere. 75 Meter beträgt hier die Differenz, die die Schiffe hochgehoben oder abgesenkt werden.

Ich schoss einige Fotos und radelte anschließend weiter. Ursprünglich hatte ich geplant, irgendwo noch eine Kaffeepause einzulegen, doch das einzige Café, welches nicht zu weit weg vom Radweg lag – in Le Rœulx – wirkte wenig einladend und ich verwarf meinen Plan. Danach bot sich auch keine Gelegenheit mehr.

Mons erreichte ich gegen halb sechs und begann damit, allmählich Ausschau nach einem geeigneten Schlafplatz zu halten. Der große See fiel schnell durchs Raster. Viel zu offen – da hätte ich gleich einen Leuchtturm installieren können – und auch zu viel Publikumsverkehr. Ich fuhr also weiter, am rechten Ufer des Kanals. Im vergleich zur Sambre oder anderen Flüssen und Kanälen wurden diese hier noch wirtschaftlich genutzt. Es gab viel Industrie an den Ufern im Wechsel mit grünen naturbelasseneren Abschnitten. Immer wieder schipperte ein Frachter, beladen mit Schüttgut oder anderer Fracht, vorbei. Freizeitkapitäne gab es natürlich auch.

9 Kilometer hinter Mons, an einem Industriehafenbecken, entdeckte ich einen Picknickplatz und nahm ihn genauer in Augenschein. Er lag schön sichtgeschützt zu den Parkplätzen und der Straße, die um das Becken herumführte. Da es Samstag war, tat sich hier nichts mehr, das einzige Manko stellte die N 50 dar, die über eine Brücke nur wenige Meter entfernt führte. Da herrschte noch dichter Verkehr und es war entsprechend laut. Bevor ich mich entschied, checkte ich per Google Streetview mögliche Schlafplätze auf den nächsten Kilometern ab, doch da sah es kaum besser aus. Bundesstraßen, Industrie … Die Entscheidung war gefallen. Ich würde hier übernachten und einfach hoffen, dass der Verkehrslärm in der Nacht nachlassen würde. Zwar habe ich solche Ohrenstöpsel, benutze sie aber nur sehr selten, wenn ich wild campiere. Mir ist es dann einfach lieber, ich höre alles und rechtzeitig.

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