25. Mai 2022, Etappe von Escanaffles nach Diksmuide

Fast zwei Tage lang durfte ich die Gastfreundschaft von Annerose und ihrem Mann genießen. Es war schön, mal jemanden persönlich kennenzulernen, den man sonst nur auf Facebook liest. Ein ganz großes Dankeschön nochmal, für eure Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, liebe Annerose. Es war toll bei euch! Die heutige Etappe sollte größtenteils an Kanälen und Flüssen entlang nach Yper führen, je nachdem, wo ich einen Schlafplatz finden würde, auch weiter. Das Wetter spielte halbwegs mit. Regen war nicht angesagt, aber es war windig und kühl. Ich brach um halb zehn Uhr auf, radelte von Escanaffles aus zurück bis Bossuit, wo ich die Brücke überquerte und dem Kanal nach Kortrijk folgte. Zum Teil führte der Radweg an der Straße entlang, war aber dennoch angenehm zu fahren.

Der Wind hatte mittlerweile aufgefrischt, die Böen bliesen mit mehr als 50 km/h, was so richtig unangenehm wurde, als ich von Kortrijk an die Leie nach Menen wechselte, was bedeutete, dass ich ab hier Gegenwind hatte. Bis Wevelgem lief der Radweg teils autofrei direkt an der Leie entlang, später auch an Straßen. In Menen wollte ich mir eigentlich ein Café suchen, um für eine halbe Stunde oder länger aus de kalten Wind herauszukommen und einen Kaffee zu trinken. Fehlanzeige. Ich kam an dutzenden von Bierstuben, Pizzarestaurants und – natürlich – Frittenbuden vorbei. Die einzigen beiden Cafés, die ich entdeckte, boten keinen Parkplatz für mein Gespann an. Erstaunlich auch: Gut ausgebaute Radwege, aber kaum verkehrsberuhigte oder autofreie Zonen. Ein Gebäude zu fotografieren ohne Blechlawine davor war fast unmöglich. Sehr schade, denn die Architektur von historischen Gebäuden und ganzen Häuserzeilen hier ist wunderschön und sehenswert.

Was meinen Zeitplan durcheinanderbrachte, waren allerdings die vielen Baustellen und Umleitungen, die auch die Radwege betrafen. Schlussendlich kostete es mich eine Stunde, um aus Menen heraus und auf die Radroute nach Ypern zu gelangen. Ich hätte noch bis Wervik fahren müssen, um eine andere, schönere Strecke zu bekommen, aber das schenkte ich mir. Immerhin musste ich nach Ypern auch noch nach einem Schlafplatz am Kanal suchen. Daher radelte ich den Radweg entlang der N 8 entlang. Von Menen aus waren das 14 Kilometer, die eigentlich – da weitestgehend flach – keine riesige Entfernung darstellte, wenn da nicht immer noch der heftige Wind gewesen wäre. Der hatte nämlich erneut zugelegt und die seitlich kommenden Böen schoben mich entweder fast vom Radweg oder bremsten von vorne, sodass ich dreimal absteigen musste und das Gespann schob. Was mir noch auffiel: Es gibt hier unglaublich viele Soldatenfriedhöfe. Alle naselang sah ich auf der Strecke Schilder, die auf diese Plätze hinwiesen. An einem Friedhof fuhr ich auch direkt vorbei. Als ich in Ypern endlich ankam, war ich heilfroh und hoffte, dass die Route entlang des Kanals in Richtung Diksmuide leichter zu fahren war. Ypern selbst war beeindruckend. Ganz sicher eine der schönsten Städte, die ich auf meinen bisherigen Touren gesehen habe! Was für eine fantastische Architektur! Leider spielten weder Wetter – kalt, windig, stark bewölkt und gelegentliche Schauer – noch Zeit dabei mit, ein ausführliches Sightseeing zu machen. Es blieb bei einigen Fotos im Vorbeifahren. Diese Stadt ist jedenfalls schon mal auf meiner „muss ich unbedingt nochmal herkommen Liste“ eingetragen! Am Kanal entlang gelangte ich aus Ypern heraus recht schnell wieder ins Grüne. Meine Hoffnung, ebenso schnell einen geeigneten Schlafplatz – vor allem windgeschützt! – zu finden, zerschlug sich allerdings schnell. Es gab am Radweg nur schmale Grasstreifen rechts und links, bestanden mit meterhohem Gras und Unkraut. Die einzigen potenziellen Plätze, an denen ich vorbeikam, hatten sich Angler für die Nacht bereits gesichert. Auch abseits des Kanals bot sich nichts an. Äcker, Wiesen und Rinderweiden – einmal sah ich eine Herde Alpakas und Lamas! – vieles davon eingezäunt. Gelegentlich mal ein Bauernhof. Ich radelte also Kilometer um Kilometer weiter. Fündig wurde ich endlich hinter einer Brücke, an der ein winziger Hafen lag. Dort gab es auch einen großen Picknickplatz und hinter einem kleinen Häuschen konnte ich mein Zelt windgeschützt aufbauen. Morgen folge ich dem Kanal über Diksmuide bis nach Nieuwpoort und wechsele dort auf den Nordseeküstenradweg, dem Eurovelo 12. Der Wetterbericht für die Küste ist leider nicht sehr ermutigend: Wind, sehr kühl – kaum 14 Grad – und auch immer wieder mal Regen. Vielleicht finde ich auf den nächsten Etappen einen günstigen Campingplatz und bleibe ein paar Tage.

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