26. Mai 2022, Etappe von Diksmuide nach Blankenberge

Die Nacht war ungestört geblieben und ausgeruht und nach einem Kaffee brach ich um halb neun Uhr zur die nächsten Etappe auf. Die führte mich die nächsten 11 Kilometer an den Hafen von Diksmuide. Der Radweg war zwar sehr schön ausgebaut, beschildert und gut zu befahren, doch war er leider auch für motorisierte Fahrzeuge freigegeben. Ein Landwirt kam mir mit einem monströs großen Traktor samt Anhänger entgegen, dessen Reifen kaum Platz auf dem Weg hatten, geschweige denn ich mit meinem Gespann. Ich quetschte mich förmlich auf den schmalen Grastreifen und halb ins Gebüsch, damit der Landwirt vorbeifahren konnte. Die Reifen seines Traktors rollten dabei nur knapp an meinen Füßen vorbei! Auch sonst herrschte reger Verkehr, vor allem Rennradler sausten einzeln oder in Gruppen an mir vorbei, oder kamen mir entgegen, als gäbe es kein Morgen mehr. Ein Unterschied von Frankreich zu Belgien: In Frankreich grüßen sich Radfahrer. In Belgien kaum. Gelegentlich kommt mal ein freundliches Nicken, aber das wars auch schon. Diksmuide war deutlich größer als ich es mir vorgestellt hatte und der Hafen wunderschön. Sehenswert natürlich auch das Friedenstor.

Weiter ging es dann – mit teils kräftigem Gegenwind – nach Nieuwpoort. Weil heute ein Feiertag war, hatte das Touristenbüro leider geschlossen. Ich musste mich also vorerst für den Küstenradweg auf die Ausschilderung verlassen, denn auch GPX Tracks konnte ich für Komoot nirgends finden zum Herunterladen. Ich nahm mir etwas Zeit und fotografierte die wunderschöne Kirche und einige Häuser. Danach suchte ich den Eurovelo 12, fand ein Hinweisschild am Hafenbecken und folgte diesem – in die falsche Richtung, war ja klar! Den Fehler bemerkte ich erst, als ich am Ende der Yser, wo sie ins Meer mündet, sah, dass ich auf der Route in Richtung Dünkirchen unterwegs war. Also radelte ich alles zurück bis zum Hafenbecken, suchte und fand dann auch den Wegweiser in die richtige Richtung.

Hatte ich bis dahin noch Gegenwind, konnte ich jetzt ganz entspannt radeln, denn der Wind kam ab hier von hinten und schob ein bisschen mit. Bis Middelkerke lief der Radweg an der N 38 entlang, bog dann ab und da war es: Das Meer. Die Nordsee. Bis Ostende und weiter fuhr ich auf der gut ausgebauten Uferpromenade, die auch als Radweg gekennzeichnet war, weiter. Da ein Feiertag war und schönes Wetter – bis auf den frischen Wind – tummelten sich allerdings Massen an Ausflüglern und Touristen an den Stränden und der Uferpromenade und drängten sich auf den Terrassen der Cafés, Bars, Restaurants und Bierstuben. Streckenweise ging es nur zu Fuß weiter, wenn ich niemanden überfahren wollte. Es gab hier auch Verleihgeschäfte für kleine Kettcars, Quads und alle möglichen pedal- oder elektrisch betriebene Fahrzeuge für Kinder, die mit den Dingern kreuz und quer über die Uferpromenade fuhren. Mehrfach konnte ich nur knapp ausweichen, zweimal wäre mir ein Kind fast in den Anhänger gefahren. Möchte nicht wissen, wie das hier in der Hochsaison ist! Gerade Ostende war schlimm, da bin ich fast die gesamte Strecke gelaufen. Davon abgesehen, war die Strecke toll zu fahren, bestens ausgeschildert und der Blick auf das Meer und die Strände – noch recht leer – wirklich schön. Hinter Ostende radelte ich dann weiter, hoffte, heute nicht allzu spät einen Schlafplatz zu finden. Küstenregionen sind, was wild campen betrifft, ja immer schwieriger. Links hatte ich das Meer und rechts – oder links, je nachdem – die N 38. Und praktisch jeder verfügbare Quadratzentimeter war mit Hotelburgen verbaut. Campingplätze gab es natürlich auch. Sie reihten sich aneinander wie Perlen auf einer Kette. Nur wenige von ihnen boten aber auch Zeltplätze an, die schon jetzt sehr teuer waren. In der Hauptsaison steigen die Preise ja dann noch mal saftig an. Also kein Unterschied zu Frankreich. Bis Blankenberge bot sich absolut keine Möglichkeit für eine Übernachtung. Hinter der Stadt bog ich versehentlich – ich hatte wohl ein Hinweisschild übersehen – auf eine anderen Radweg nach Seebrügge ab, der durch einen wenig frequentierten Grüngürtel lief und fand tatsächlich nach kurzer Zeit einen geeigneten Platz für mein Zelt und müden Knochen. Nicht optimal, weil der Lärm der N 38 zwar gedämpft aber immer noch gut hörbar war, aber wind- und sichtgeschützt. Für morgen werde ich meine Route wohl ändern müssen. Der Eurovelo 12 führt weiter an der Küste entlang und ich müsste einige Male mit Fähren übersetzen, für die ich das Geld jetzt nicht habe. Ich fahre morgen erst nach Brügge, schau mir die Stadt an und hoffe, dass ich in einem Touristenbüro Kartenmaterial bekomme. Dann schaue ich mal, dass ich schöne Radwege nach Antwerpen finde und radele von da aus zurück an die Küste.

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