01. Juni 2022, Etappe von Gent nach Antwerpen

Ich hatte meinen Aufenthalt auf dem Camping in Genf ja um einen Tag verlängert, weil ich wegen Virenbefalls meinen Laptop komplett neu aufsetzen musste und das Einrichten und Neuinstallieren aller Programme nur mit WiFi und viel Zeit möglich war. Glücklicherweise hatte ich erst einen Tag zuvor alle Dateien extern und in der Cloud gesichert, sodass ich keinen Datenverlust zu beklagen hatte. Auch meine diversen Konten sind geschützt gewesen, nur mein alter Account auf Facebook wurde gehackt.

Um 10 Uhr brach ich also heute Morgen auf mit Ziel Antwerpen. Etwa 7 Kilometer radelte ich vom Campingplatz zum Radwanderweg, der durch Gent verläuft. Anschließend ging es an der Schelde entlang und wieder ins Grüne. Der Radweg führte über einen Deich, war gut asphaltiert und ausgeschildert. Ich hatte die Route mit Komoot dennoch auch noch einmal mit einer GPX Datei für die Offlinenavigation gespeichert. (Das Datenguthaben meiner Telefonkarte ist verbraucht, da die 30 GB nur innerhalb Frankreichs gelten. Für Europa habe ich 10 und die sind weg. Erst am 7. Juni wird die Karte nach Abbuchung des Tarifs wieder zurückgesetzt). In Gent war leider weder in Buchläden noch im Touristenbüro Kartenmaterial für die Radwanderwege der Region zu bekommen.

Der Radweg wand sich durch die wunderschöne Landschaft, die, obwohl flach, sehr abwechslungsreich war. Kleine malerische Orte mit wunderschönen Backsteinhäusern- und Kirchen, Wiesen und Weiden, auf denen Rinder und vor allem Pferde grasten. Gelegentlich sah ich auch wieder Alpakas. Schafe weideten die Wiesen am Deich ab. Das Wetter spielte auch einigermaßen mit, es war zwar recht frisch und windig, aber es blieb vorerst trocken. Sonne und Wolken wechselten sich ab.

Gegen Mittag entdeckte ich ein Bistro und Café direkt am Radweg gelegen vor dem Örtchen Wichelen. Ich gönnte mir ein zweites Frühstück, hielt die Pause aber kurz, denn es lagen noch etliche Kilometer vor mir. Der Radweg kurvte derart im Zickzack durch die Landschaft, blieb nicht immer an der Schelde, dass die Strecke deutlich länger werden würde, als ich gedacht hatte. Doch noch lag ich gut in der Zeit und radelte gestärkt weiter.  Seit ich Gent verlassen hatte, kamen mir auch nur noch selten andere Radfahrer, geschweige denn Radwanderer entgegen. Das fad ich merkwürdig, denn immerhin führen gleich drei bekannte und viel beworbene Routen hier entlang: Die Kunststedenroute, die Scheldenroute und die Vlaandernroute. Mein Gespann wird daher auch oft interessiert beäugt und gelegentlich werde ich gefragt, was ich für eine Tour mache.

Apropos Sprache: nach zehn Jahren Frankreich bin ich so daran gewöhnt, Französisch zu sprechen, dass ich Schwierigkeiten habe in Flandern auf Englisch umzuschalten. Vom Niederländischen oder Flämischen verstehe ich kein einziges Wort. Im wallonischen Teil von Belgien wird ja Französisch gesprochen, da gab es keine Probleme. Mittlerweile frage ich jetzt immer vorher, in welcher Sprache – meistens Englisch – die Verständigung erfolgen soll. (Dass ich französischen Kaffee vermisse, muss ich wohl nicht extra erwähnen, oder? Die Belgier können vielleicht Schokolade, aber Kaffee? Nope).

Der Radweg wechselte auf der Strecke nach Antwerpen mehrmals die Seite, was bedeutete, ich dass ich dreimal mit der Fähre übersetzen musste. Die sind – wie die an der Seine – kostenlos und fahren alle 30 Minuten. Natürlich war mein Timing grandios, sprich: ich traf immer dann an der Fähre ein, wenn sie gerade auf der andere Seite war! Das hieß jedes Mal eine Wartezeit von 15 bis 30 Minuten, was meinen Zeitplan ganz schön durcheinanderbrachte. Zwei weitere Male wechselte ich per Brücke über die Schelde.

Ab Mariakerke bekam ich auch noch kräftigen Gegenwind zu spüren, was die letzten immerhin noch 23 Kilometer zu fahrenden anstrengender werden ließ. Zumal der Radweg hier noch mehr durch die Landschaft kurvte. Zwei Mal konnte ich über einen anderen Radweg abkürzen, dennoch rannte mir die Zeit allmählich davon. Die Rezeption des Campingplatzes schloss um acht Uhr abends. Ich trat in die Pedale und erreichte die Stadt Antwerpen um viertel nach Sieben. Der Campingplatz lag – natürlich – ganz oben, dort, wo die Schelde ins Hafenbecken und später ins Meer mündete. Dem Radweg folgte ich jetzt nicht mehr, denn der führte durch die Altstadt auf der anderen Seite der Schelde weiter. Ich fragte mich zum Campingplatz durch und erreichte ihn um zehn vor Acht. Reichlich geschafft checkte ich ein, mit der Option, eventuell einen Tag zu bleiben. Ich brauche Karten, muss dringend einkaufen und natürlich will ich auch Antwerpen besichtigen. Die Übernachtung hier kostet 12 Euro ohne Strom, was günstig ist. Die nächste große Stadt auf meiner Tour ist Rotterdam.

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