14. Juli 2022, Etappe von Kollmar nach Brunsbüttel

Mit dem Sommer wird das in diesem Jahr wohl nichts mehr, jedenfalls nicht auf der Route, auf der ich unterwegs bin. Kühl, windig, immer wieder mal Regenschauer und wenig Sonne. Ich hatte bislang erst einen einzigen Tag mit 29 Grad, das war auf der Etappe von Aurich nach Grafschaft. Die Strände sind mehr oder weniger leer, ins Wasser geht kaum jemand, weil zu kalt, während andere Regionen in Deutschland unter der Hitze stöhnen. Schon krass, diese Differenz! Ich brauche sicher keine 35 Grad und Dauerhitze, aber wenigstens mal ab und an Badewetter.

Nicht nur das Wetter beeinflusst meine weitere Tour, ich hänge auch mit meinen Manuskripten weit hinter den ursprünglich geplanten Veröffentlichungsterminen hinterher. Daher habe ich mich gestern für eine Planänderung entschieden. Dänemark ist gestrichen. Ich hatte etwa 2 Wochen dafür vorgesehen, um durch Dänemark von der Nordsee an die Ostsee zu wechseln, aber ich benötige einfach mehr und längere Aufenthalte, um Schreibzeit zu haben. Hätte ich schon ein gutes E-Bike, könnte ich mir mehr Zeit lassen und würde im Winter nach Andalusien radeln. Das steht schon lange auf meiner Wunschliste, aber tja, über Narbonne, Perpignan und Barcelona ist es schlicht zu gebirgig für mein Gespann.

Wo ich in diesem Jahr in Frankreich überwintere hängt zum einen davon ab, wieviel Geld ich im Sommer verdiene, und da das Mediendesign immer noch komplett am Boden liegt, muss ich eben unter Zeitdruck Bücher schreiben und veröffentlichen, was ich hasse. Derzeit bin ich in zwei Gruppen auf FB aktiv, in denen es um Housesitting geht. Ich hoffe, da ergibt sich etwas Passendes. Mal sehen.

Die heutige Etappe umfasste 46 Kilometer, einschließlich Umwege zu einem Supermarkt, denn in Kollmar gab es rein gar nichts, wo ich hätte einkaufen können. Bis Glücksstadt war mir die Sonne noch hold, danach zogen Wollen auf und der Wind legte deutlich zu. Gegenwind natürlich. Der Radwanderweg verlief größtenteils zwischen Elbe und Deich, es gab jede Menge Tore, die ich durchqueren musste, denn überall weideten Schafe. Die sich auch von meinem Gespann nicht stören ließen und seelenruhig liegen blieben, wenn ich vorbeiradelte. Vermutlich waren die Tiere an Radtouristen gewöhnt.

Es ging an dem alten – und extrem hässlichen! – Kernkraftwerk Brokdorf vorbei, an vielen Leuchttürmen und bis nach Sankt-Margarethen, wo ich in einem kleinen Café Schutz vor dem kräftigen Regenguss suchte, der gerade herunterkam. Außer mir hatten auch noch andere Radwanderer diese Idee und das Café war in kurzer Zeit gerappelt voll. Nach der Pause fuhr ich zurück zum Deich und hatte doch tatsächlich seit Belgien wieder mal eine Reifenpanne. Glücklicherweise am Anhänger, nicht am Fahrrad. Das Loch im Schlauch war schnell gefunden – verursacht vermutlich durch etwas Spitzes wie einen Nagel oder Dorn – und geflickt dann ging es weiter.

Bis zur Kanalfähre in Brunsbüttel waren es nur noch 8 Kilometer, die ich auch noch hinter mich brachte. Die Überfahrt kostete nichts und ich radelte die letzten 4 Kilometer vom anderen Ufer bis zum Campingplatz. Dieser war sehr klein, sauber und gepflegt. Rezeption gab es keine. Die Dame, die den Platz betreute, kam immer abends um 18:30 zum Abkassieren. Wer später eintraf durfte die Nacht gratis zelten. Es gibt eine kleinen Aufenthaltsraum, das Mobilfunknetz ist hier besser als in Kollmar – wenngleich auch noch nicht atemberaubend schnell – daher werde ich wohl hier nochmals 2 oder 3 Tage verbringen und arbeiten. Zum nächsten Supermarkt oder Bäcker ist es auch nicht weit.

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