30. Juli 2022, Etappe von Ivendorf nach Schönberg

Ziemlich müde startete ich um halb zehn Uhr auf die Etappe. Wie gut, dass ich heute nur knapp 38 Kilometer zu bewältigen hatte! Den größeren Teil des Tages wollte ich in Lübeck verbringen. Mir die Stadt anschauen, eventuell in einem netten Café etwas arbeiten. Der Radweg war gut ausgeschildert und führte hauptsächlich durch Industrie- und Gewerbegebiet. Ich hatte die Wahl zwischen zwei Varianten. Die eine – kürzere – führte per Bus-Shuttle durch den Trave-Tunnel und über die Herreninsel nach Lübeck rein. Mit dem Anhänger nicht machbar. Daher nahm ich die längere und nicht so schöne Strecke. Sie führte hinter dem LUV-Einkaufszentrum an den Bahngeleisen entlang bis zum Museumshafen und dem Burgtor. Von hier aus ging es in die Altstadt hinein, die proppenvoll mit Passanten, Touristen – und grölenden Fußballfans war. Offenbar gab es auch irgendwo Ausschreitungen, denn die Polizei fuhr mit etlichen Mannschaftswagen und einem Wasserwerfer Richtung Stadion. Praktischerweise kann man die Altstadt Lübecks in einem Rundgang entlang der Trave erkunden kann. Fotomotive fand ich genug und auch das Wetter spielte mit. Nervig war bloß der dichte Autoverkehr. Es käme nicht nur der Lebensqualität und Sicherheit zugute, wenn Autos aus der Stadt verbannt werden würden. Touristen würden sich ebenfalls wohler fühlen und vermutlich auch länger verweilen, was wiederum ein Gewinn für die jeweilige Stadt wäre, aber so weit denken die meisten Kommunalpolitiker nicht. Schade. Auffällig auch der Mangel an Bäumen und Grünanlagen. So empfand ich es jedenfalls. In Frankreich gibt es seit Jahren diesbezüglich einen Wettbewerb, was dazu geführt hat, dass viele große und kleine Städte mehr Grünanlagen einplanen und anlegen. Ville Fleurie. Anhand er der Anzahl der Blumen auf den Ortsschildern – ähnlich einer Sternebewertung – kann man sehen, wie weit das Vorhaben gediehen ist. Die diversen Kirchtürme, deren Spitzen ich fast von jedem Platz aus sehen konnte, dienten mir als Wegweiser für den Rundgang. Bis zum prachtvollen Dom und auf einer anderen Route zurück zum Hafen lief ich gemütlich, fotografierte viel – und wurde fotografiert! Scheinbar fällt trotz vieler anderer Radwanderer mein Gespann doch auf. Eine größere Pause machte ich erst, als ich die Stadt wieder verließ. Ich fand eine kleine Bäckerei, deren Café beinahe leer war und gönnte mir dort einen großen Cappuccino, bevor ich die nächsten 22 Kilometer in Angriff nahm. Der Radweg führte entlang von Straßen durch leicht hügeliges Gelände mit vielen Weizenfeldern. In Petersberg legte ich erneut eine Pause ein, weil es mittlerweile richtig warm geworden war und ich sogar meinen Sonnenschutz auffrischen musste. Eine kleine Gewitterwolke zog vorbei, ohne abzuregnen. Weiter ging es dann und ich traf um 19:00 am Ziel ein. Nora empfing mich sehr freundlich und ich durfte heute Nacht in einem Gästezimmer schlafen. Dusche, Strom … herrlich. Tut auch mal gut. Zudem brauche ich morgen früh weniger Zeit, meine Sachen zu packen.

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