01.  August 2022, Etappe von Mointenden nach Salzhaff

Ich bin jetzt auf den Tag 5 Monate unterwegs! Wow, mir kommt das noch gar nicht so lang vor. Die Zeit ist nur so verflogen, aber es gab ja auch viel zu sehen und erleben. Wie lange ich noch radele, hängt natürlich davon ab, wann und wo ich ein bezahlbares Winterquartier finde. Bis jetzt ist da noch nichts in Sicht. Ich schätze aber, dass ich auf jeden Fall bis November noch unterwegs bin. Heute frühstückte ich noch mit meiner Gastgeberin und brach um zehn Uhr auf. Es nieselte so vor sich hin, wie schon die gesamte Nacht, aber es war warm dabei. Bis Wismar fuhr ich auf dem Elbe-Ostseeradweg, der, obwohl er an Bahngeleisen entlangführte, ganz schön hügelig war. Wismar selbst präsentierte sich regentrüb, aber dennoch gab es einige hübsche Fotomotive. Wegen des Wetters saßen die Gäste natürlich in den Innenräumen der Cafés, Bistros und Restaurants, was es mir erschwerte, einen halbwegs ruhigen Platz zu finden.

Ich drehte gerade die zweite Runde durch die Altstadt – es hatte mittlerweile aufgehört zu regnen – hockte mich auf eine Bank und suchte mit Google Maps nach geöffneten Cafés etwas außerhalb. Nach einigen Sekunden bemerkte ich, dass mich ein Mann anstarrte. Ich musterte ihn kurz, dachte mir nichts dabei und wandte mich wieder meinem Handy zu. Plötzlich trat der Typ auf mich zu, zückte ein Kärtchen und sagte: „Security. Wie lange haben Sie vor, hier sitzen zu bleiben?“

Verblüfft musterte ich ihn erneut. Er trug einen schwarzen Jogginganzug von Adidas, Weiße Sneaker und ein Basecap. Ich schätzte ihn auf etwa dreißig Jahre. „Das sind öffentliche Bänke, da kann ich solange sitzen bleiben, wie ich möchte.“

„Sie blockieren mit Ihrem Fahrrad den Platz. Das könnte teuer werden.“ Kurzer Blick rundum. Nahezu menschenleer der Marktplatz und mein Fahrrad stand keineswegs im Weg. Da war mehr als genug Platz und mir kam der Typ reichlich dubios vor. Was ich ihm auch sagte. „Security? Im Jogginganzug wie so ne Couchpotato? Wollen Sie mich verarschen? Und den Ausweis könnte sich jeder selbst am Computer ausdrucken!“ Ich hob das Handy an. „Aber um ganz sicher zu gehen, werde ich jetzt die Polizei anrufen und mich erkundigen, ob hier ein Sicherheitsdienst kontrolliert, einverstanden?“

Er guckte mich finster an, drehte sich um und hatte es mit einem Mal sehr eilig, wegzukommen. Die Polizei rief ich zwar nicht an, ging aber zum nahegelegenen Rathaus und meldete den Vorfall. Fazit: es gab keine Security auf dem Marktplatz. Vermutlich dachte sich der Typ, er könnte eine ahnungslose Touristin abzocken. Tja, dumm gelaufen für ihn. Derweil machte ich mich auf den Weg zum Hafen, dort gab es ebenfalls einige Cafés und ich konnte von da aus direkt auf den Eurovelo 10 fahren.

Weit war es bis zum Campingplatz am Salzhaff nicht aber ich war von den letzten beiden Etappen noch geschafft und wollte heute entspannter ans Ziel kommen. Und kaum, dass ich aus dem Cafe in Richtung Radweg startete, kam die Sonne heraus, frischer Wind vertrieb auch die letzten grauen Wolken. Super. Zwei Stunden früher und ich hätte viel schönere Fotos machen können! Dafür war es aber jetzt zu spät, daher trat ich lieber in die Pedale. Was sich recht schnell als eine gute Entscheidung entpuppte, denn erstens bekam ich ordentlich Gegenwind und zweitens war die Strecke erneut ganz schön hügelig. Und immer noch eintönig, denn die Landschaft zeigte auch hier einen Getreideacker neben dem anderen. Nur gelegentlich erhaschte ich einen Blick auf das Meer. Mit mehreren Pausen wegen der Steigungen erreichte ich den Campingplatz um 17:00. Der noch teurer als auf der Webseite ausgewiesen war. 16 Öcken für die Nacht plus 10 Euro Pfand für eine elektronische Karte für alles, was man auf dem Platz benutzte: Duschen, Waschmaschine, Kochplatten etc. wurden nach Verbrauch belastet. 5 Euro Guthaben waren bereits aufgebucht. Das Pfand bekam man bei Abreise zurück, das restliche Guthaben auf der Karte wird dann wohl auch ausbezahlt. Immerhin gibt es einen Aufenthaltsraum und kostenloses – wenn auch störanfälliges – Wlan. Was gut ist, denn das Mobilfunknetz hier ist wieder einmal faktisch tot. Morgen soll es weiter gehen zu einem Campingplatz an der Küste, der nur 10 Euro pro Nacht kostet. Wenn dort noch ein Platz frei ist, werde ich zwei oder drei Tage Pause machen.

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