31. Juli 2022, Etappe von Schönberg nach Mointenden

Dass ich die Nacht zuvor kaum geschlafen hatte, merkte ich heute früh deutlich. Ich wachte erst um halb sieben auf und war immer noch müde. Freundlicherweise hatten meine Gastgeber mir einen Kaffee im Thermobecher vor die Tür gestellt, den ich mit Genuss trank, bevor ich meine Sachen packte. Bis ich dann aufbrach wurde es doch noch zehn Uhr denn Nora und ich unterhielten uns noch eine Weile. Tja, und kaum war ich einige hundert Meter gefahren, hörte ich ein lautes Zischen. Ahnungsvoll bremste ich und guckte nach hinten. Jupp, ein Platten am Anhänger. Der dritte in den letzten Tagen. Ich parkte an einer ruhigen Stelle, koppelte den Anhänger ab und untersuchte den Reifen. Ein gut 2 cm langer Dorn hatte sich dort hineingebohrt. Das Loch war schnell gefunden, geflickt und zehn Minuten später konnte ich endlich weiterfahren. Mit Komoot hatte ich mir eine Strecke zusammengestellt, von der ich hoffte dass ich nicht allzu viele Steigungen bewältigen musste. Etliche Kilometer kürzer als der eigentliche Radweg war sie auch. Bei den schon jetzt sehr warmen Temperaturen, an die ich mich erst gewöhnen musste, wollte ich die Etappe so entspannt wie möglich fahren. Tja, aber ersten kommt es anders und zweitens als man denkt. Ich verpasste eine Abzweigung, merkte das aber erst einige Kilometer später und beschloss, dann doch dem ausgeschilderten Radweg weiter zu folgen. So schlimm würde es mit den Steigungen schon nicht werden. Dachte ich. Ich wurde schnell eines Besseren belehrt! Noch dazu war die gesamte Landschaft furchtbar eintönig. Weizenfelder, soweit der Blick reichte. Nur aufgelockert durch Hecken und kleine Baumgruppen. Viel geregnet hatte es hier in der letzten Zeit wohl auch nicht, denn der Boden war total ausgetrocknet und auf den Feldern, auf denen die Mähdrescher fuhren, hingen riesige Staubwolken in der Luft. So oft es möglich war, legte ich eine Pause im Schatten ein und trank viel Wasser. Dabei schien die Sonne kaum, der Himmel zeigte sich mit Schleierwolken und eher dunstig grau, denn strahlend blau. Ich kam fast 2 Stunden später in Grevensmühlen an, wo ich in einem Café länger Rast machte. Es war klimatisiert, was mich bewog, mich lieber in den Gastraum zu setzen, als auf die Terrasse. Ursprünglich hatte ich geplant, die Pause zum Schreiben zu nutzen, aber durch die Verspätung blieb ich nur eine dreiviertel Stunde und brach dann erneut auf. Der Radweg führte wieder mit großen Schleifen und Kehren durch die hügelige Landschaft, das wollte ich mir ersparen und stellte eine neue Route mit Komoot zusammen. Diesmal verfuhr ich mich nicht und da diese Strecke näher an der Küste verlief, musste ich mich nicht mehr so über steile oder lange Anstiege quälen. Ich kam recht zügig voran, wenn es auch nicht so schön zu fahren war. Hinter Grevensmühlen endete der Radweg nämlich und es ging direkt an der Schnellstraße entlang bis Gressow. Da es Sonntag war, herrschte allerdings wenig Verkehr und Lkws fuhren nicht. Vor Gressow entdeckte ich einen kleinen Imbiss mit Picknickplatz, bog kurzentschlossen ab und gönnte mir eine Portion Pommes mit Cola und als Dessert ein Eis. Danach fühlte ich mich wieder halbwegs wie ein Mensch und nicht wie ein Stück durchgeschwitztes kaputtes Etwas! Das ich heute Abend noch irgendetwas arbeiten würde, war wohl unwahrscheinlich. Müde in den Schlafsack krabbeln, mehr ging sicher nicht mehr. Das bedeutete: Auch der Juli würde für den Winter kein Geld bringen. Allmählich sah es nicht so rosig aus, musste ich zugeben. Dass ich im vergangenen Winter auf dem Gratis-Zeltplatz bleiben durfte, war eine Ausnahme gewesen. Housesitting oder Wohnen gegen Job waren die anderen Möglichkeiten, doch da hatte ich ebenfalls noch nichts gefunden.

Die letzten knapp 7 Kilometer schaffte ich auch noch und kam um kurz vor sieben Uhr am Ziel in Mointenden an. Die Familie, bei der ich im Garten zelten durfte, hatte heute eine große Feier, weswegen der Zugang zu Toilette und Dusche leider für mich gesperrt war. Dusche wäre schon toll gewesen nach der anstrengenden Etappe, aber auch so bekam ich einen schönen Schlafplatz geboten. Trinkwasser stand zur Verfügung. Nachteil: Funkloch. Kein Netz. Also gar nicht. Den Reideblog musste ich dann eben morgen unterwegs irgendwo aktualisieren und auch den Campingplatz – 1nitetent-Plätze gab es bis Rostock keine – morgen anrufen, wenn ich in Wismar war. Bis Rostock dürften es für mich zwei Etappen sein und ich hoffte, dass ich einen noch nicht ausgebuchten – und bezahlbaren! – Campingplatz finden würde.

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