02. bis 05. August 2022, Etappe von Salzhaff nach Wittenbeck

Bis zum nächsten Campingplatz waren es nur 32 Kilometer, die auf der ersten Hälfte noch viele Anstiege aufwies, dann aber flacher wurde, je näher ich der Küste kam. Interessant – und so noch an keiner Küste gesehen – sind die Getreidefelder, die teilweise bis an den Meeressaum reichen. Das bisschen Regen bisher benetzte aber kaum die völlig ausgetrockneten Böden! Was dazu führte, dass der Funkenschlag bei Dreschen den einen oder anderen Acker in Brand setzte. Gleich zweimal fuhr ich an solchen Feldern vorbei, von denen riesige Rauchsäulen aufstiegen. Die Brände konnten aber immer schnell gelöscht werden.

Durch Kühlungsborn durch – eine typische touristisch geprägte Küstenstadt – ging es weiter auf dem Ostküstenradweg in Richtung Rostock. Der Campingplatz lag etwa 3 Kilometer hinter Kühlungsborn. Ich checkte ein und fand noch einen Platz im Schatten, weil ich recht früh eingetroffen war. Nachdem ich mein Zelt aufgebaut hatte, erkundete ich den kleinen Platz, der eher für Wohnmobile geeignet war, denn für Radwanderer. Stromsäulen gab es nur an diesen Stellplätzen und die waren natürlich alle komplett belegt. Die Duschen – jeweils 2 für Herren und Damen – waren gratis, befanden sich aber in einem Container und man konnte sie nicht abschließen. Die Duschkabinen besaßen nur einen Vorhang. Kam man also aus der Dusche, bot man den restlichen Gästen auch gleich noch einen kostenlosen Strip!

Man kann sich auch vorstellen, dass gerade mal vier Duschen für geschätzt mehr als 100 Gäste ein bisschen wenig sind. Zudem wurden sie nur morgens gereinigt und desinfiziert. Spätestens nachmittags präsentierten sie sich schmuddelig. Die Toiletten waren sauberer.

Zwar gab es Steckdosen an den Waschbecken bei den Duschen, aber es war garantiert nicht ratsam, Geräte dort zum Aufladen zu lassen. Zum einen wegen der Feuchtigkeit und dem Spritzwasser und zum anderen wegen der Diebstahlgefahr. Ich fragte bei einigen Gästen mit Wohnmobilen nach, ob ich bei ihnen meinen Laptop und das Handy einmal am Tag aufladen dürfte, fand auch ein Paar aus Berlin, die aber nur bis Samstag blieben. Die zweite Möglichkeit: Morgens in die Stadt fahren und in einem Café zu frühstücken, das auch Steckdosen am Tisch hatte. Kostet aber auch jedes Mal so um die 5 Öcken für Kaffee, denn ich sitze ja dann immer etwa 2 Stunden da. Dadurch wird der Aufenthalt auf dem Campingplatz deutlich teurer als gedacht.

Das nächste Problem war meine neue MasterCard, die an die Postadresse in Frankreich geschickt wurde. Eine Bekannte, die dort wohnt, nahm sie in Empfang und sollte sie mir per Express schicken. So weit so gut, ich gab ihr die Adresse und sie versprach mir, das so schnell wie möglich zu erledigen. Ich konnte ja noch begrenzt Bargeld mit der alten Karte abholen, bevor sie auslief, aber das Geld würde nicht über einen längeren Zeitraum reichen. Nicht bei den Preisen hier.

Tja, was soll ich sagen … natürlich ging es schief. Meine Bekannte spricht, obwohl sie schon seit über 20 Jahren in diesem Land lebt, kaum Französisch. Scheinbar hat sie es beim Postamt nicht hingekriegt, den Brief per Express abzuschicken. Stattdessen ist er jetzt als normaler Brief unterwegs, was erfahrungsgemäß bis zu einer Woche dauern kann. Und um das Ganze noch zu toppen, hat sie sich die Quittung mit der Nachverfolgungsnummer nicht geben lassen.

Bedeutet, dass ich jetzt auf dem Campingplatz festsitze, mein schmales Budget dadurch verbraucht wird und keine Ahnung habe, wo meine neue MasterCard gerade steckt. Mit Pech kommt der Brief irgendwann Mitte nächster Woche oder später an und mit noch mehr Pech geht er verloren. Ohne Karte komme ich an kein Geld mehr heran! Ich schwanke seit gestern zwischen Lachen und Weinen, ehrlich.

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