15. August 2022, Etappe von Schwaan nach Marienhof

Der Osten hat das Potenzial, mich als Radreisende zu verlieren. In den letzten Tagen habe ich immer wieder Gespräche geführt oder mit angehört, in dem über Radtouristen geschimpft wird. „Die wollen wir hier nicht haben.“, hieß es da, oder auch: „Die blockieren die ganzen Straßen.“ Solche Aussagen kamen sowohl von Gästen auf Campingplätzen als auch dem Betreiber von beispielsweise dem Campingplatz Steilküste, auf dem ich 10 Tage gewesen war, selbst! Schon als ich eingecheckt hatte, fiel mir seine Unfreundlichkeit auf. Tja, das Geld von uns nehmt ihr aber trotzdem gern, was?

Als ich um 10:00 vom Campingplatz Schwaan aus startete, fuhr ich nicht die kürzeste Etappe zum heutigen Ziel, einem 1nitetent-Platz in Marienhof, einige Kilometer vor Krakow, weil es zum einen keine weite Strecke war und zum anderen der Besitzer erst ab 19:00 zu Hause sein würde. Ich konnte mir für die heutige Etappe also viel Zeit nehmen. Für die Strecke nach Güstrow wählte ich daher den Warnowtalradrundweg aus. Der entpuppte sich nach einigen Kilometern allerdings als Enttäuschung, da er kaum ausgebaut war. Der größere Teil führte ungesichert an der Landstraße entlang, die sich kurvig durchs hügelige Gelände wand. Die Landschaft setzte weiterhin sich aus – mittlerweile extrem trockenen und staubigen – Äckern und ab und an etwas Wald auf den Hügelkämmen zusammen.

Einige wenige Abschnitte des Radweges waren ausgebaut, endeten aber zweimal vor engen Barrieren und einmal vor einer Treppe! Nur mit viel Mühe bekam ich Fahrrad und Anhänger – getrennt – auf dem Seitenstreifen, der mit losem Geröll bedeckt war, da hoch. Ein Radfahrer, den ich oben auf dem angrenzenden Parkplatz traf, meinte auf meine Frage hin, dass der Radweg zwar weiter ausgebaut werden soll – mit EU-Geldern – sich aber einige Kommunalpolitiker und auch Landwirte – der ansässigen Orte und Gemeinden dagegen sperren.

Güstrow erreichte ich um 12:30, ziemlich abgekämpft, verschwitzt und von oben bis unten mit Staub bedeckt. In einem Café legte ich eine Pause ein und nutzte die Toilette, um mich etwas frisch zu machen. Sollten die Kaffeepreise noch weiter steigen, werden solche Pausen für mich seltener werden. Normaler Filterkaffee, kleine Tasse, kostet bereits fast 3 Euro! Frisch gebrühter Kaffee oder Cappuccino fast 4 Euro oder mehr! Auch Gebäck ist deutlich teurer geworden und es steht zu befürchten, dass es im Herbst und Winter noch drastischere Preissteigerungen geben wird. Im Supermarkt geht es noch, wenn man auf günstige Marken ausweicht. Vegane Produkte sind aber leider immer noch wesentlich teurer als entsprechende tierische Produkte.

Nach der Kaffeepause bummelte ich gemütlich durch Grüstow, fand sogar einen Fahrradladen, in dem ich neue Pedale kaufen konnte. 17 Euro, aber anmontieren hätte mich 3 Tage Wartezeit und 25 Euro zusätzlich gekostet. Mir ist ja alles aus dem Gesicht gefallen. Zwar hatte ich einen passenden Schraubschlüssel parat, aber die Schrauben saßen so fest, dass ich sie nicht lösen konnte. Als ich um Hilfe bat – nur das Lösen der Schrauben! – wurde ich unfreundlich abgewiesen. Ich sprühte die Schrauben mit WD-40 ein und hoffte, dass ich sie spätestens auf dem Campingplatz Jabel, den ich morgen anfahren wollte, lösen und die neuen Pedale anschrauben konnte.

Bis zu meinem heutigen Nachtquartier radelte ich gemütlich mit vielen Anstiegen und Pausen, erreichte es nur wenige Minuten, nachdem mich der Anbieter per WhatsApp benachrichtigt hatte, dass er nun zu Hause wäre. Heiko half mir dann auch beim Abschrauben der Pedale – die Schrauben sperrten sich immer noch dagegen, trotz WD-40 – und ich baute rasch mein Zelt auf, weil das nächste Gewitter drohte. Leider zog es ohne einen Tropfen Regen weiter. Ich durfte im Haus duschen – eine wahre Wohltat nach dieser staubigen Etappe! – und packte mich ziemlich früh in den Schlafsack. Um noch zu arbeiten, war ich definitiv zu müde. Die morgige Etappe steht noch nicht fest. Ich muss erst einige Campingplätze anrufen, ob noch Platz ist. Entweder fahre ich an den Müritz-See oder an den Plauer See, dir restlichen Campingplätze sind zu teuer.

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