05. September 2022, Etappe von Zehrsen nach Börry

Mein erster Versuch mit Wildcampen in Deutschland bescherte mir eine wunderbar ruhige Nacht und – glücklicherweise – keinen Ärger. Um kurz vor neun Uhr brach ich wieder auf, nahm aber eine andere Route zurück zum Weserradweg als die, auf der ich hergekommen war. Sie war nicht nur flacher, ich kürzte auch noch ein ganzes Eckchen ab. Nicht, dass ich heute viele Kilometer vor mir hatte – gesamt nur etwa 28 – aber ich war noch platt von den teils heftigen Steigungen bei 28 Grad von gestern. Heute wollte ich es entspannt halten.

Warm wurde es auch heute schnell, dazu wehte ein kräftiger trockener Wind aus Süd-Ost. In Fischbeck füllte ich an einer öffentlichen Toilette meine Wasserflaschen auf, denn viel trinken war definitiv angesagt. Da ich bei den 1nitetents nicht immer sicher auch Trinkwasser habe, ist es besser, vorzusorgen. Die Stadt Hameln erreichte ich gegen 11 Uhr. Obwohl es Montag war, tummelten sich bereits jede Menge Touristen und Passanten in der Altstadt. Ich suchte mir als erstes einen Parkplatz für mein Gespann und begab mich anschließend auf Erkundungstour.

Nach gut einer Stunde gelangte ich an meinen Ausgangspunkt zurück mit etlichen Fotos im Gepäck. Wunderschöne Fachwerkbauten und eine interessante Geschichte – das ist Hameln. Leider fand heute wohl keine der überall beworbenen Aufführungen über den Rattenfänger statt, oder ich war zur falschen Zeit hier. Nun suchte ich per Google Maps eine Bäckerei oder ein Café, in dem ich auch Zugang zu einer Steckdose – als Sahnehäubchen vielleicht auch noch freies WLAN – aber da hatte ich Pech. Die Cafés in der Altstadt waren völlig überlaufen, die fielen schon mal aus. Ich staune eigentlich, wie viele Menschen sich noch Kaffee zum Preis von 4 Euro oder mehr noch leisten können!

Zwar war ich durch ein kleines Gewerbegebiet gekommen, doch dort hatte ich nur eine Bäckerei entdeckt, ohne Sitzgelegenheiten. Der Mac Donald lag mir zu weit draußen und nicht in meiner Reiserichtung. Ich verzichtete daher auf einen Kaffee ohne meine bevorzugten Extras und radelte weiter. Die Route führte mich an der Weser entlang – größtenteils – und nach Emmerthal. Dort gab es einen Edeka mit integriertem Café. Ich nahm den Umweg von gut einem Kilometer in Kauf, fuhr über die Brücke auf die andere Seite der Weser.

Tatsächlich fand ich einen Platz mit Steckdose, bestellte einen Kaffee und packte den Laptop aus. Ich war ja noch früh dran und bis zum Nachtquartier betrug die Strecke nur noch knapp 6 Kilometer. Laut Beschreibung bekam ich dort Trinkwasser und Zugang – tagsüber – zur Toilette, aber keinen Strom.

Tja, die Enttäuschung war dann groß, als ich feststellen musste, dass die Steckdose taub war: sie lieferte keinen Strom. Da hatte ich also 2,60 Euro zum Fenster rausgeworfen. Frustriert trank ich den Kaffee aus, packte mein Zeug wieder ein und machte mich auf den Weg, die letzten Kilometer für heute.

Börry erreichte ich um 17:30. Arno begrüßte mich freundlich und zeigte mir den Garten, wo ich mein Zelt aufstellen konnte. Er macht häufig Touren mit dem Fahrrad in dieser Region und wir plauderten ein wenig über unsere Erlebnisse. Dass jemand so lebte – also mit Fahrrad und Zelt und ohne festen Wohnsitz – fand er faszinierend.

Duschen konnte ich hier zwar nicht, aber es gab eine Toilette und ein Waschbecken mit warmem Wasser, an dem ich mich etwas frisch machen konnte. In der Garage – die auch über Nacht offenblieb – konnte ich meine Geräte aufladen. Arno wollte sich zudem für mich bei einem Freund erkundigen, ob ich morgen Nacht auf dessen Grundstück zelten könnte. Den nächsten 1nitetent habe ich erst wieder in Höxter. Noch spielt das Wetter mit, aber für Donnerstag ist Starkregen vorhergesagt worden und ab nächste Woche Dienstag soll es einige Tage lang durchregnen. Der Boden braucht es dringend. Ich? Nicht so sehr. Normalerweise würde ich mir für diese Periode einen günstigen Campingplatz suchen und die Zeit zum schreiben nutzen, aber weder sind die Zeltplätze auf meiner Route günstig, noch kann ich sie mir leisten, selbst wenn sie es wären.

Problematisch wird es auch auf der Strecke Kassel-Fulda und auf dem Fulda-Radweg selbst. Kein einziger 1nitetent dort. Über Land kann ich nicht fahren, weil ich auf dieser Strecke zwar genug Unterkünfte hätte, aber Höhenmeter mit bis zu 800. Das kann ich komplett knicken, bei 400 Höhenmetern ist Schluss. Da spielt meine Lunge nicht mehr mit. Und glaubt mir, Sauerstoffmangel bei jeder physischen Anstrengung ist echt nicht lustig.

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