13. und 14. September, Rotenburg an der Fulda

Vom Nachtquartier bis nach Rotenburg an der Fulda waren es gerade mal 10 Kilometer, daher bummelte ich morgens etwas und wartete, bis die Zeltplane etwas abgetrocknet war, bevor ich zusammenpackte und aufbrach. Mein erstes ziel in Rotenburg war eine Bäckerei, in der ich Kaffee trank und auch an Strom kam, um meine Geräte aufzuladen. Es gab einen Campingplatz hier, doch da eine erwartete Überweisung noch nicht auf meinem Konto eingetroffen war, richtete ich mich auch für die heutige Nacht auf wildes Campen ein. Ich besichtigte in Ruhe Rotenburg, nachdem die Wolken sich teilweise verzogen und der Sonne Platz gemacht hatten. Traf der Wetterbericht zu, würde das schöne Wetter leider nicht mehr lange anhalten. Es sollte in der Nacht anfangen zu regnen und den gesamten morgigen Tag sogar richtig schütten. Natürlich wäre ich da lieber auf einem Campingplatz, aber das musste ich einfach abwarten.

Gegen 15 Uhr radelte ich aus der Stadt raus und folgte dem Radwanderweg bis zum Campingplatz, schaute ihn mir kurz an und fuhr dann weiter. Ich wollte mir im Umkreis von etwa 10 Kilometern einen passenden Schlafplatz suchen, falls die Überweisung sich verzögern würde.

Ich klapperte alle vielversprechenden Stellen ab, fand aber erst um 19 Uhr einen geeigneten Platz: Neben dem Tennisplatz. Da mein Konto weiterhin gähnend leer war, fragte ich einen der Spieler, ob ich dort für die Nacht zelten durfte. Er bejahte und ich baute alles auf. Die kleine Wiese wurde von großen Buchen und Eichen überschattet. Sie würden mir morgen auch etwas Schutz vor dem angekündigten Regen bieten.

In der Nacht ging es los, und was da an Wasser herunterkam, war beachtlich. Ich hoffte dass es in den Morgenstunden vielleicht etwas nachlassen würde, damit ich meine Sachen halbwegs trocken packen konnte, aber stattdessen rauschte es noch heftiger vom Himmel. Petrus hatte offenbar sämtliche Schleusen geöffnet. Obwohl ich zügig alles zusammenpackte, wurde doch einiges Nass, was ich nicht schnell genug in Taschen und Anhänger bekam. Das Innenzelt baute ich, so gut es ging, zuerst ab, doch ganz vermeiden ließ es sich nicht, dass Teile nass wurden. Und so wie es aussah, würde das heute den ganzen Tag so weiter regnen!

Ich trug seit Mai zum ersten Mal wieder Regenjacke- und Hose. Eigentlich war es zu warm dafür, aber wie eine ertränkte Ratte wollte ich auch nicht im Café aufschlagen. Mit meinen letzten Euros kaufte ich einen Kaffee und ein trockenes Brötchen – sowas wie süße Teilchen oder Kuchen kann man sich bei den hohen Preisen eh nicht mehr leisten! – und suchte mir denselben Tisch, den ich gestern schon hatte. Er stand hinter einer mobilen Trennwand und es gab eine Steckdose in Reichweite. Viel los war nicht, daher hoffte ich dass mich niemand rauswarf, weil ich hier mehr als eine Stunde mit nur einem Kaffee saß. Ebenso hoffte ich, dass das Geld heute noch eintraf, denn bei diesem Wetter wild campen, nachdem eh schon alles nass war? Nicht wirklich.

Bis 14:30 arbeitete ich an meinem aktuellen Manuskript – niemand störte mich – und dann machte mein Handy endlich Ping und ich bekam die Nachricht von der Bank-App, dass das erwartete Geld endlich aufgebucht war. Der Regen hatte zwar nicht aufgehört, rauschte aber nicht mehr ganz so dicht vom Himmel. Ich packte meinen Laptop ein und legte auf dem Weg zum Campingplatz noch einen kurzen Stopp beim Aldi ein, um meine Vorräte zu ergänzen. Viel hatte ich nämlich nicht mehr in meinen Satteltaschen.

Um 15 Uhr checkte ich ein, buchte zwei Nächte, damit meine Sachen morgen eine Chance bekamen, abzutrocknen. Ein Tag Pause würde mir auch guttun und ich konnte die Zeit zum Schreiben nutzen. Die nächsten 3 oder sogar 4 Etappen – je nachdem, wie zügig ich vorwärtskam – gab es weder Campingplätze noch 1nitetent auf der Strecke. Und die Wettervorhersage klingt auch für die kommenden Tage nicht gerade ermutigend. Samstag und Sonntag soll es wieder viel regnen und die Temperaturen schaffen es tagsüber gerade noch so auf 13 Grad! Ohne warmen Schlafsack und in dem dünnen Zelt wird das sicher kein Vergnügen werden.

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