17. bis 20. September 2022, Etappe von Kohlhausen über Schlitz, Kauz nach Gelnhausen.

Der Herbst machte sich deutlich bemerkbar, denn in den frühen Morgenstunden sanken zum ersten Mal auf unter 9 Grad. Ich brauchte zum Schlafsack die Decke dazu und wärmere Sachen. Ein Winterschlafsack wäre jetzt schon willkommen, ist aber derzeit finanziell nicht drin. Ich brach recht früh, um halb neun Uhr, auf und radelte zurück zum R 1 weiter nach Fulda. Der einzige Campingplatz auf dieser Strecke lag in Schlitz und den wollte ich heute auch anfahren, denn der Wetterbericht sah für Sonntag immer noch übel aus und rund um Fulda gab es weder einen Campingplatz noch einen 1nitetent.

Die Strecke war schön zu fahren und bot auch schöne Ausblicke in die hügelige Landschaft, bescherte mir aber auch etliche Steigungen, die für mein Asthma eine echte Herausforderung darstellten. Das würde bis Schlüchtern auch so bleiben, erst ab da würde ich die Hügel allmählich hinter mich lassen. Das Wetter spielte April mit kurzen, aber kräftigen Schauern, Sonne und frischem Wind.

Um auf den Campingplatz zu gelangen, musste ich den Fuldaradweg verlassen und auf den R 13 abbiegen und entlang der Schlitz weiterradeln. Kurz hatte ich überlegt, auf diesem Radweg weiterzufahren, weil er kürzer war und ebenfalls nach Hanau führte, doch als ich mit Komoot die Route plante, sah ich, dass ich auf dem ersten Viertel bis zu 780 Höhenmeter zu bewältigen hätte. Damit war diese Strecke vom Tisch.

Als ich auf dem Campingplatz ankam, erwartete mich allerdings eine schlechte Nachricht: Der Platz war bereits geschlossen, was auf der Webseite aber nicht kommuniziert wurde. Der Platzwart rief bei der Gemeinde an und ich bekam dann doch noch die Erlaubnis 2 Nächte zu bleiben. Er händigte mir einen Schlüssel für die Duschen aus und bat mich, diesen am Montagmorgen in den Briefkasten zu werfen.

Abends wurde es dann noch laut, weil die Mannschaft eine Abschiedsparty schmiss, die bis um halb zwei Uhr in der Nacht lief. Sonntag mittags war ich dann allein auf dem Platz. Strom hatte ich an den Waschbecken, Trinkwasser gab es auf dem Platz, das alles sollte erst am Montag abgestellt werden. Und es goss und goss wie aus Kübeln, beinahe 30 Stunden am Stück! Als ich am Montag zusammenpackte, regnete es immer noch, aber nicht mehr so stark. Spaß machte es dennoch nicht, denn natürlich zieht die Feuchtigkeit auch irgendwann ins Zeltinnere und in Kleidung, Schlafsack, Decken etc. Nun, mir wurde bis Fulda schon warm, denn hallo: Steigungen.

Fuldas Altstadt konnte ich nicht so richtig würdigen, weil es immer wieder regnete und es machte dann einfach keinen Spaß mehr auf Fotojagd zu gehen. Lieber suchte ich mir ein Café, wo ich auch nochmal Handy und Powerbank aufladen konnte, denn die Powerbank hatte sich über Nacht nicht aufgeladen, weil ich das falsche Kabel verwendet hatte. Der Mac Donald lag zu weit weg und aus meiner Richtung, doch im Nachhinein hätte ich ihn doch anfahren sollen. Zum einen waren die Cafés komplett voll – Hallo Corona! – und Steckdosen fand ich nirgendwo. Zum anderen verlangten die ernsthaft für einen stinknormalen Filterkaffee 4,50 Euro!

Statt erst um 15 Uhr fuhr ich daher um 14 Uhr aus Fulda raus und zurück auf den Radweg. Ich hoffte, unterwegs einen Platz zum Wildcampen zu finden, aber der Radweg führte beinahe nur an Straßen entlang. Die wenigen Rastplätze, an denen ich vorüberkam, waren ungeeignet. Zu dicht an der Straße, zu sichtbar. Und kaum Wettergeschützt.

Etwa 3 Kilometer hinter Flieden, in Kauz, traf ich eine ältere Dame an, die mit ihrem Hund Gassi ging. Ich hielt neben ihr an, grüßte freundlich und fragte sie, ob sie vielleicht einen Platz kannte, an dem ich übernachten konnte.

Sie musterte mich und mein Gespann. „Natürlich, Sie können bei uns im Garten zelten, kein Problem.“ Zack, Übernachtung gesichert! Da war ich sehr froh, denn es wurde ja auch immer früher dunkel und das Licht an meinem Fahrrad ist noch nicht repariert. Sie zeigte mir, wo ich mein Zelt aufbauen konnte, und wir unterhielten uns noch eine Weile. Neben dem Garten gab es eine große Schafweide und meine Gastgeberein warnte mich schon mal vorsorglich, dass die Tiere gelegentlich ausbüchsten.

Tatsächlich hörte ich am nächsten Morgen gegen sieben Uhr aufgeregtes Blöken und guckte nach draußen. Da standen etwa 12 Schafe auf dem Grundstück und beäugten interessiert mein Zelt. Damit die Tiere nicht auf die Straße laufen konnten – es gab keinen Zaun – zog ich mich rasch an und trieb sie vorsichtig in Richtung der Weide. Der Besitzer der Schafe hatte wohl auch schon gemerkt, dass diese unterwegs waren und lief eilig herbei. Zusammen bekamen wie die Schafe wieder auf die Weide und da ich nun schon mal draußen und angezogen war, packte ich meine Sachen zusammen und fuhr um 08:00 los. Da stellte sich allerdings schnell als keine so gute Entscheidung heraus, weil der nächste Mac Donald, bei dem ich frühstücken und meine Geräte aufladen wollte, erst um 09:00 öffnete und ich ihn um 08:15 erreichte. Eine dreiviertelte Stunde wollte ich bei dem kühlen Wetter nicht warten und radelte daher weiter. Ich hoffte, in Schlüchtern ein Café zu finden, doch auch hier wurde ich enttäuscht. Der Stadtkern wurde saniert und überall gab es Sperren und Baustellen. An zwei Bäckereien kam ich zwar vorbei, doch nur eine bot auch Sitzplätze und die waren alle belegt. Also weiter.

Schöne Motive fand ich in der Stadt der Gebrüder Grimm: Steinach an der Straße. Da es gerade auch sonnig war, gelangen mir einige Fotos für meinen Blog. Interessant fand ich einige Meter Straßenpflaster, das ausgestellt wurde. Es stammte von der alten Straße von Frankfurt nach Leipzig und Junge, diese Straßen waren ja richtige Knochenbrecher gewesen! Die armen Ochsen und Pferde, die darauf schwere Lasten und Kutschen ziehen mussten!

Mein Ziel für heute sollte ein 1nitetent in Gelnhausen sein, da der in Wächtersbach selbst unterwegs war. Leider gab der Akku von meinem Handy jetzt endgültig den Geist auf, die Powerbank war ebenfalls leer und weit und breit keine Steckdose. Ich versuchte mein Glück noch einmal in Bad Soden, aber auch da: Nada. Teurer Kaffee, kein Strom. Erst in einem Café am Bahnhof von Gelnhausen konnte ich endlich an eine Steckdose. Da war es allerdings schon 16:30 und ich befürchtete, dass das zu kurzfristig war. Normalerweise kontaktiere ich die betreffenden Anbieter immer einen Tag vorher. Ich erreichte auch nur die Tochter, die mir versprach, dass ihre Mutter mich zurückrufen würde. Eine Stunde verstrich, es wurde immer später und ich machte mir Sorgen, dass ich – wenn das mit dem Schlafplatz hier nicht mehr klappte – vor Einbruch der Dunkelheit am Radweg etwas finden würde. Ich rief die Nummer erneut an, doch nur die Mailbox ging ran.

Ich entschied mich dafür, lieber jetzt zu fahren und brach auf. Doch kaum, dass ich zurück auf dem Radweg war, hielt ein Mann auf seinem Fahrrad neben mir an und fragte mich, ob ich die Radwanderin wäre, die den 1nitetent-Platz angerufen hätte. Ich bejahte erstaunt und er lachte und sagte: „Sie haben mit meiner Tochter telefoniert. Ich zeige Ihnen den weg, okay? Meine Frau hat hier Handy zu Hause liegen lassen und konnte sie deswegen nicht mehr zurückrufen.“

Erleichtert folgte ich ihm zu dem Haus, wo ich meine Wasserflaschen auffüllen und mich etwas frisch machen konnte, denn der Zeltplatz lag oberhalb des Ortes und war eigentlich nur ein verwilderter Obstgarten. Es ging einen guten Kilometer bergauf, dann in das Grundstück hinein. Platz fand ich für mein Zelt unter einem Baum, mein Gespann ließ ich vorne am Eingang stehen, da nur ein Fußweg zum Zeltplatz führte. Zu schmal und zugewachsen für den Anhänger. Für eine Nacht aber vollkommen ausreichend und ich hatte ja alles, was ich benötigte. Meine freundlichen Gastgeber nahmen meine Powerbank mit, damit die über Nacht aufladen konnte und versprachen, sie so zu deponieren, dass ich sie am nächsten Morgen abholen konnte, da sie selbst schon um sieben Uhr wegmussten.

Die nächsten Etappen sollte zumindest das Wetter besser werden, dafür aber in den Nächten deutlich kälter. Der Radweg würde mich weiter über Hanau, Frankfurt am Main und Mainz an den Rhein führen. Ein kurzer Check ergab, dass ich in Hanau und Frankfurt möglicherweise mit 1nitetent übernachten konnte, danach aber gab es den nächsten erst in Worms wieder. Die Campingplätze waren definitiv zu teuer – einmal 14 und einmal 18 Euro für eine Nacht mit Zelt. Da werde ich mir auch Plätze unterwegs suchen müssen.

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