23. September 2022, Etappe von Riedstadt nach Worms

Heute früh konnte ich seit Langem mal wieder mein Zelt trocken zusammenpacken. Kein Hochnebel, kein Regen und so kalt wie gestern war es auch nicht mehr. Die Etappe heute würde Gott sei Dank etwas kürzer werden. Bis Worms waren es über Gernsheim und Rosengarten etwa 42 Kilometer und das auf fast ganz flacher Strecke. Die Route führte heute – bis auf Gernsheim – beinahe ausschließlich am Deich und Rheinufer entlang. In Gernsheim musste ich wegen Baustellen einige Umwege fahren. Ich traf noch andere Radwanderer, die aber in der Gegenrichtung unterwegs waren.

Von Rosengarten aus konnte ich über den Radweg auf die Brücke und den Rhein überqueren. Dabei boten die Skyline von Worms und das große Brückentor einen tollen Anblick. Zuerst suchte ich mir in der Innenstadt einen Hotspot, damit ich zum einen die Route zum Nachtquartier mit Komoot planen und abspeichern, und zum anderen meinem Gastgeber die Uhrzeit mitteilen konnte, zu der ich eintreffen würde. Weit war es aus dem Zentrum heraus nicht, nur 2,5 Kilometer.

Zeit genug, dass ich mir die Stadt Worms etwas ansehen konnte. Um halb fünf fuhr ich weiter, hinaus in eine Schrebergartenanlage. Den betreffenden Garten fad ich auch sofort und parkte dort ein. Mein Gastgeber schaute eine halbe Stunde später noch schnell vorbei, zeigte mir, wo ich Trinkwasser und ein Gästebuch fand. Toilette, Dusche oder Strom hatte ich heute nicht. Ich würde dann morgen zum Mac Donalds fahren, bevor ich über die Brücke zurück auf den Radweg radelte. Etwas außerhalb von Mannheim hatte ich ebenfalls ein 1nitetent gefunden, bis Karlsruhe – 2 Etappen – leider noch nicht und ab Sonntag soll das Wetter deutlich schlechter werden mit viel Regen und kälteren Temperaturen. Hurra.

Meine ursprüngliche Planung, über die Dreiländerbrücke in Weil am Rhein nach Frankreich zu fahren, habe ich verworfen. Ich spare mir mindestens eine Tagesetappe, wenn ich bei Kehl nach Straßburg fahre und den Eurovelo 15 auf der französischen Seite nehme. Der trifft dann nämlich auf den Eurovelo 6.

Die Gesamtsituation ist mittlerweile mehr als heikel. In so einer Bredouille war ich nicht mehr, seit meine Ameera starb. Meine Sim-Karten sind deaktiviert und nun auch meine Webseiten, weil ich die Rechnung des Hosters nicht zahlen konnte. Alles kleine Beträge, aber selbst die bringe ich nicht auf. Was an Geld durch Spenden reingekommen ist, reicht gerade so zum Leben. Sprich: Übernachten mit 1nitetent sofern verfügbar, wild campen und Essen, sowie Orte, an denen ich meine Geräte aufladen kann – wie Cafés oder das große gelbe M – was natürlich auch Geld kostet, und Jesus, für eine Tasse Kaffee zahlt man mittlerweile überall horrende Summen!

Zwar kommen am 29. wie immer die Tantiemen von Amazon aufs Konto, aber das sind keine 200 Euro. Wenn ich die ausstehenden Rechnungen bezahlt und das Fahrrad habe reparieren lassen – Licht – bleiben maximal noch 80 Euro übrig für den gesamten Oktober. Selbst bei allersparsamsten Leben reicht das kaum bis Mitte des Monats, geschweige denn, dass ich Winterausrüstung kaufen kann. Campingplätze – auch günstige – fallen ganz weg. Um ehrlich zu sein, habe ich nicht den leistesten Schimmer, wie ich diesen Monat überstehen soll.

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