26. September 2022, Etappe von Germersheim nach Klieningen

Es regnete noch die halbe Nacht durch und als ich morgens nach dem Kaffee zusammenpackte und das Zelt abbaute, waren alle Sachen klamm und feucht. Einschließlich der Schuhe. Es gibt kaum etwas Widerlicheres als in nasse Schuhe schlüpfen zu müssen! Ich war froh darüber, dass ich heute eine kurze Etappe und ein Nachtquartier hatte, denn echt jetzt, bei diesem nasskalten Wetter macht Radwandern keinen Spaß mehr.

Übernachten würde ich wieder bei einem 1nitent-Anbieter in Klieningen, einem Vorort von Karlsruhe. Da ich gestern wieder mehr Kilometer gefahren war, musste ich heute nur mit etwa 35 Kilometern rechnen. Die Strecke führte am Rhein entlang und nach Wörth am Rhein. Von da aus wollte ich nach einer längeren Pause – ich konnte nur in der Zeit zwischen halb sechs und sechs Uhr mein Quartier beziehen – über die Rheinbrücke nach Klieningen weiterfahren.

Die Sonne zeigte sich nur kurz, denn kaum, dass ich aufgebrochen war, fing es erneut an zu regnen. Dazu kam heute aber noch ein kalter Wind gegen die Fahrtrichtung. Hurra. Ab Jockgrim war die Hauptroute wegen Baumfällarbeiten gesperrt, die Umleitung nach Wörth am Rhein verlief über die Hochwasserroute, was etwa 4 Kilometer mehr bedeutete. Geplant hatte ich, erst einmal ein Café aufzusuchen – möglichst mit Steckdosen und WLAN ausgestattet – um mich aufzuwärmen, das Frühstück nachzuholen und ein wenig am Laptop zu arbeiten, denn sonst wäre ich viel zu früh dran gewesen.

Wörth am Rhein erreichte ich gegen 12 Uhr – und war ziemlich enttäuscht. Es war nur ein winziger Ort, umgeben von einer stetig wachsenden Neubausiedlung und einem großen Gewerbegebiet, die obligatorischen Baustellen nicht zu vergessen. Keine Spur von einem romantischen historischen Städtchen, das ich mir vorgestellt hatte! Im Ort selbst gab es kaum Geschäfte, die wenigen, die ich sah, hatten geschlossen. Klar. Montagmittag. Tote Hose.

Unterwegs traf ich eine ältere Dame aus Karlsruhe, die ebenfalls auf der Suche nach einem Café war und wir taten uns zusammen. Christa war mit dem Zug hierhergekommen und wollte sich bloß ein bisschen umsehen. Sie lud mich auf einen Kaffee ein, nachdem wir eine Bäckerei mit angeschlossenem Café in der Nähe einiger Supermärkte gefunden hatten. Strom gab es an einigen Tischen auch, WLAN leider nicht. Christa und plauderten ein Weilchen, dann verabschiedete sie sich, weil sie nach Karlsruhe zurückfahren wollte.

Ich blieb noch eine weitere Stunde sitzen, bevor ich mich ebenfalls wieder auf die Socken machte. In der Nähe eines Bistros bekam ich WLAN – und die Nachricht von meiner Bank, dass Geld eingetroffen war. Die Tantiemen von Tolino Media. Nicht riesig viel, aber ausreichend, dass ich über Google Maps einen günstigen Campingplatz suchte und in Lauterbourg fand. Die nächsten drei Tage sollten nämlich ähnlich nasskalt werden wie gestern und heute. Die meisten Campingplätze am Eurovelo – in Frankreich wie in Deutschland – hatten schon geschlossen. Lauterbourg lag zwar nicht direkt auf meiner Route, aber ein großer Umweg war es auch nicht. Ich musste morgen nur zurück über die Brücke und von da aus waren es nur noch 18 Kilometer. Zwei oder drei Tage Pause klangen in meinen Ohren wie das Paradies!

Ich fuhr die letzten Kilometer nach Klieningen und traf pünktlich um halb sechs am Ziel ein. Mein Gastgeber Johannes zeigte mir alles und bot mir an, dass ich heute in der Garage schlafen könnte, wenn ich wollte. Ich wollte. Da drin war es trocken, warm, es gab eine Toilette, Dusche, Trinkwasser und Strom. Perfekt. Oft sind es eben doch die kleinen Dinge, die den großen Unterschied machen.

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