28. und 30. September 2022, Etappe von Lauterbourg über Gambsheim nach Plobsheim

Über Nacht regnete es nochmals, doch in der Frühe zeigte sich der Himmel blank und blau. Dennoch trocknete kaum etwas, weil es einfach zu kalt war. Ich brach um 10:00 auf, meine heutige Route sollte entweder bis Roppenheim oder Gambsheim gehen, je nachdem, ob der Campingplatz hinter Roppenheim noch geöffnet hatte. Auf der Webseite hatte ich diesbezüglich keine Infos gefunden. Da für morgen wieder viel Regen gemeldet wurde, plante ich einen Tag Aufenthalt ein.

Die Strecke lief bis hinter Selz wieder am Rhein entlang beziehungsweise durch die Auwiesen- und Wälder. Danach ging es stetig an der Hauptstraße weiter bis Roppenheim. Der hier von mir anvisierte Campingplatz hatte bereits geschlossen. Vor mir lagen also noch weitere 32 Kilometer. Gegenwind hatte ich heute keinen, daher kam ich zügig voran. Vor Gambsheim führte der Eurovelo noch einmal von der Straße weg und in einem großen Bogen parallel zum Rhein um den Ort herum und an seinem anderen Ende wieder hoch.

Hier bog ich vom Radweg ab und fuhr die restlichen 2 Kilometer bis zum Campingplatz, der an einem großen Badesee lag. Der war natürlich bereits geschlossen, nur für Angler gab es noch Zutritt. An der Rezeption bezahlte ich für zwei Nächte und konnte mir – als einzige Radwanderin – meinen Platz selbst aussuchen. Auch Wohnmobil-Touristen waren nur noch wenige hier, der Platz würde am 30. September geschlossen werden.

Ich baute mein Zelt neben den Sanitäranlagen auf, so hatte ich es nicht weit bis zur nächsten Steckdose. Waschmaschine und Trockner gab es hier leider nicht, das würde ich entweder am nächsten Campingplatz oder in einem Waschsalon erledigen müssen. Hier war es ruhig, wenn man auch die Geräuschkulisse der nahen Autobahn hören konnte. Morgen wollte ich Straßburg besichtigen bei hoffentlich passablem Wetter. Da die Campingplätze auf der weiteren Route alle geschlossen sind, werde ich mir – der Eurovelo 15 führt an einem Kanal entlang – wohl unterwegs einen Platz zum Wildcampen suchen.

Der angekündigte Regen blieb fast ganz aus, aber ein Tag Pause hatte dennoch gutgetan. Zudem hatte ich ihn dazu genutzt, meine Satteltaschen auszuräumen, unnötige oder kaputte Sachen auszusortieren. Auch die Kleidung inspizierte ich, entsorgte, was löchrig oder fadenscheinig war oder schlicht zu dünn, um im Herbst oder Winter noch praktisch zu sein. Den großen roten Seesack hatte ich ja bereits früher entsorgt. Bis auf Schlafsack und Decke befand sich jetzt alles im blauen Seesack, der nun auf dem Gepäckträger befestigt war. Schlafsack und decke hingegen kamen nun in den Anhänger, wasserdicht in eine große Tüte verpackt, den leider hielt die Plane des Anhängers Dauerregen nicht mehr stand. Um einige Kilo leichter, brach ich um halb zehn Uhr auf. Bis Straßburg waren es 21 Kilometer, die ich zügig zurücklegte.

Das Wetter zeigte sich von seiner herbstlich schönen Seite, was die Stadt Straßburg hübsch in Szene setzte, als ich sie um 2 Stunden später erreichte. Die Ausschilderung war etwas verwirrend, sodass ich einmal im Kreis fuhr, bevor ich in der Stadtmitte ankam. Freitagnachmittag, Sonnenschein … und schon war alles los, was nicht angebunden war. Offenbar gab es auch irgendein Jugendtreffen oder sowas, denn ich sah große und kleine Gruppen von jungen Menschen – Studenten – die Bistros und Cafés stürmten. Mein ursprüngliches Vorhaben, vor der Besichtigung einen Kaffee zu trinken, verwarf ich schnell wieder. So wie die Leute sich hier in die Gaststuben und Bäckereien quetschten … gruselig. An Corona denkt da sicher niemand mehr, obwohl die Infektionszahlen in Frankreich Anlass zur Sorge geben.

Weil es so voll in der Stadt war, kürzte ich meine Runde ab und machte, dass ich wieder auf den Radweg kam. Das alles war mir einfach zu stressig. Zuviel Mensch. Am Canal du Rhone au Rhin führte der Eurovelo 15 weiter in Richtung Basel. In Plobsheim stattete ich einem Supermarkt noch rasch einen Besuch ab, um meine Vorräte zu ergänzen und radelte dann zurück zum Eurovelo, wo ich eine nette ältere Dame antraf, der mein Gespann auffiel und wir kamen ins Gespräch. Long Story short: Sie lud mich ein, bei ihr im Haus zu übernachten. Das lag im Zentrum von Plobsheim, wohin wir einige Minuten brauchten. Christine hatte mit ihrem vor zwei Jahren verstorbenen Mann selbst viele Radwanderungen gemacht und wir erzählten uns gegenseitig unsere Erfahrungen beim gemeinsamen Abendessen. Ich durfte auch noch duschen und übernachtete im Gästezimmer. Morgen und Sonntag soll es wieder viel regnen und mir wird zumindest morgen nichts erspart bleiben, denn der nächste geöffnete – und günstige – Campingplatz liegt erst bei Selestat. Das sind gute 40 Kilometer. Noch weiter – 56 Kilometer – gibt es einen bei Neuf-Brisach, aber die zusätzlichen Kilometer fahre ich nur, wenn es nicht zu schlimm regnet. Sonntag werde ich dann wohl erneut einen Tag Pause einlegen.

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