04. Oktober 2022, Etappe von Sélestat nach Rumersheim-le-Haut

Der Morgen zeigte sich kalt – 5 Grad – und mit hartnäckigem Hochnebel, sodass ich den Start heute noch etwas verschob. Mein Ziel stand ohnehin noch nicht fest, da es einfach sein würde, an der geplanten Strecke einen Platz zum Wildcampen zu finden. Ab Biesheim würde es fast nur an der Straße entlangführen.

Um viertel vor 12 brach ich schließlich auf, nachdem die Sonne mit ihren Strahlen den Hochnebel vertrieb. Die ersten 12 Kilometer radelte ich einen Radweg entlang einer Schnellstraße bis Marckoldsheim, wo ich wieder auf den Eurovelo 15 traf. Danach ging es am Canal du Rhone au Rhin weiter. Die Sonne zauberte aus dem Kanal ein verwunschenes Herbstmärchen, dass ich beinahe allein hier unterwegs war, tat ein Übriges dazu. Leider dauerte dieses Vergnügen nur so lange, bis ich Biesheim erreichte. Hier bog der Eurovelo nämlich vom Kanal ab und führte von nun an über Straßen.

In einer Bäckerei mit kleinem Café legte ich eine halbstündige Pause ein. Kurz nach mir betrat ein älteres deutsches Paar das Café. Die beiden sprachen kein Französisch, nur einige Brocken Englisch. Die Bäckereiverkäuferin sprach nur Französisch und die Versuche des Paares, zwei Kaffee, davon einen mit Milch, und zwei Quiche zu bestellen, grenzten an eine Loriot Komödie! Bevor alle drei Beteiligten verzweifelten, fragte ich, ob es ihnen recht wäre, wenn ich schnell übersetzen würde.

Es war ihnen recht und einige Minuten später saß das Paar, nachdem sie sich bei mir bedankt hatten, glücklich mit ihrem Kaffee und der Quiche am Nebentisch. Ihnen war mein Gespann, das vor dem Café geparkt war, schon aufgefallen und wir plauderten ein wenig, bevor ich wieder weiterfuhr.

Über Neuf-Brisach ging es weiter. Die Landschaft bestand ab hier ausschließlich aus Maisfeldern. Riesige Maisfelder, die gerade abgeerntet wurden. Überall führen große Traktoren und Erntemaschinen, teils benutzten sie auch den Radweg, was manchmal dazu führte, dass ich mit meinem Fahrrad kaum Platz zum Ausweichen hatte, wenn mir so ein Monstrum entgegenkam! Nicht so schön. Es würde zudem echt schwierig werden, einen Schlafplatz zu finden. Mais-Monokultur und sonst nur Straßen. Viel Zeit dafür blieb auch nicht, denn es wird im Oktober schon früh dunkel. Ich fuhr durch Fessenheim durch über Rumersheim-le-Haut und fragte einige Passanten, die aber ratlos waren und mir nicht weiterhelfen konnten. An einem Imbissstand neben einer Sporthalle bekam ich dann endlich eine positive Antwort. Hinter der Halle und dem Fußballplatz befand sich ein Bouleplatz und daneben ein Picknickplatz. Sichtgeschützt. Perfekt. Da es kommunales Terrain war, durfte ich dort diese Nacht zelten. Und weil ich heute 20 Kilometer mehr gefahren bin als geplant, sind es morgen bis zum Camping in Mülhausen nur 25 Kilometer.

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