07. Oktober 2022, Etappe von Montbéliard nach Clerval

Ich hatte in der vergangenen Nacht kaum ein Auge zugetan wegen des Lärms, der von der Autobahn herüberdrang. Dazu kamen noch die zahlreichen Lichter, die auch nachts auf dem Firmengelände brannten, hinter dem ich mein notdürftiges Lager aufgeschlagen hatte. Kurzum: Ich fühlte mich heute früh wie neunzig, nicht wie die 58 Jahre, die ich eigentlich alt war. Auf den Kaffee verzichtete ich schweren Herzens, weil ich hier aufbrechen wollte, bevor es richtig hell wurde. Es waren ja ohnehin nur noch 3 Kilometer bis in die Innenstadt von Montbéliard und irgendein Café würde bestimmt schon offen haben.

Um viertel vor sieben war ich wieder startklar und radelte weiter am Kanal entlang, bis zu einer Brücke. Und da entdeckte ich einen Platz, der sich wesentlich besser zum Biwakieren geeignet hätte, als der, den ich mir gewählt hatte, aber hinterher ist man immer schlauer, oder? Mit dem Sonnenaufgang traf ich am Château Montbéliard ein, schoss einige Fotos und machte mich dann auf den Weg in die Fußgängerzone, wo es laut Google Maps zwei Cafés gab, die bereits geöffnet hatten. Das erste war trotz der frühen Stunde schon ziemlich voll, also nahm ich das zweite, das einige Meter weiter lag.

Ich bestellte ausnahmsweise keinen Milchkaffe wie sonst, sondern einen starken, bitteren pechschwarzen Kaffee, den ich mit zwei Stücken Zucker süßte. Was ich jetzt brauchte, war ein richtiger Wachmacher und dieser Kaffee erfüllte den Zweck vollkommen. Dazu aß ich ein Croissant, damit der Magen nicht ganz leer blieb. Ausgiebiger frühstücken wollte ich im Gewerbegebiet im Flunch, einer Schnellrestaurantkette, die es nur in großen Supermärkten gibt.

Da Zelt war schnell abgeholt und dann gönnte ich mir erst einmal ein großes Frühstück, bevor ich die restlichen 39 Kilometer für heute unter die Reifen nehmen wollte. Das Wetter versprach, sehr schön zu werden, deutlich mehr Sonne als gestern und auch wärmer. Der Radweg führte auch heute wieder am Kanal entlang. Die Landschaft veränderte sich. Das Elsass wurde von der Bourgogne abgelöst mit ihren steilen Hügelketten, vielen Wäldern und Rinderweiden. Die Laubbäume zeigten sich in gelben, grünen und manchmal auch roten Farben. Der goldene Oktober machte seinem Namen alle Ehre.

In L’Isle-sur-le-Doubs wechselte der Eurovelo 6 an den Fluss, doch ich fuhr zuerst zu einem Supermarkt, um noch einmal Vorräte aufzustocken. In Clerval gab es nämlich nur einen Mini-Supermarkt, der zu teuer war, als dass ich dort mehr als nur das Nötigste einkaufen wollte. Von hier aus waren es nur noch schlappe 15 Klometer bis zum Ziel. Ich erreichte den malerisch am Fluss Doubs gelegenen kleinen Campingplatz um viertel vor vier. Die Dame, die den Platz managte und abkassierte kam erst um halb sechs wieder, aber ich konnte mein Zelt schon aufbauen. Es war zwar auch für 2 Personen gedacht, bot aber, im Gegensatz zu meinem bisherigen, bei weitem nicht so viel Raum. Vorzelt gab es auch keines, das übernahm dann das Tarp.

Bleiben wollte ich hier bis zum 21. Oktober, also 2 Wochen. Der – mögliche – Winterplatz befand sich in Belleville-sur-Loire, das waren noch über 400 Kilometer zu fahren. Da wollte ich nicht zu spät für aufbrechen, zudem haben bis Ende Oktober noch ein paar andere Campingplätze auf der Route geöffnet. 2 Wochen Pause sind trotzdem schon mal toll und ich werde die Zeit nutzen, an meinen Manuskripten zu arbeiten.

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