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Tourvorbereitungen für 2022

Ab dem 1. oder 2. März – je nach Wetter – geht es also wieder los. Zuerst nach Bordeaux, denn ich brauche einen neuen Personalausweis, da meiner im Juni diesen Jahres abläuft. Das Nomadenleben bringt auch Schwierigkeiten mit sich und eine davon ist ein Personalausweis ohne festen Wohnsitz beantragen zu können. Zuständig ist in diesem Fall das Deutsche Konsulat in Bordeaux. Da der Campingplatz dort erst ab April wieder Radwanderer aufnimmt, bleibt mir nichts Anderes übrig als in einem Hotel einzuchecken. Das günstigste, welches ich finden konnte, nimmt 18 € pro Nacht und liegt nur 3,5 Kilometer vom Konsulat entfernt. Dazu kommen noch die Kosten für den Ausweis selbst. Glücklicherweise haben sich meine Bücher, die ich im November und Dezember veröffentlicht habe, gut verkauft, sodass ich das finanziell stemmen kann. Ich muss allerdings auch noch einige Dinge reparieren lassen beziehungsweise kaufen.

Am Hinterrad meines Fahrrades sind 4 Speichen gebrochen. Da weiß ich noch nicht, ob eine Reparatur noch möglich ist oder ich ein neues Hinterrad kaufen muss, was nicht unbedingt billig wird. Fehlen tut auch noch ein neues Zelt. So ein richtig gutes für Expeditionen und 4 Jahreszeitentauglich fängt erst so bei 400 € an. Das kann ich diesen Frühling auf keinen Fall finanzieren. Daher wird es wohl noch mal ein einfaches Zelt sein, dazu ein Sonnensegel als zusätzlichen Wind-und Wetterschutz. Immerhin hat das 28 € Zelt, das ich im September beim Decathlon in Paris als Notzelt gekauft habe, mehr ausgehalten als das wesentlich teurere Trekkingzelt.

Die Route der diesjährigen Tour steht im Groben fest. Es geht von Bordeaux aus wieder bis La Rochelle, aber über die Mündung der Gironde mit der großen Fähre. Das spart einige Kilometer. Von La Rochelle aus werde ich einen neuen Radwaderweg ausprobieren. Er verläuft über Niort, an die Loire und bis Anger. Die Stadt möchte ich mir mal anschauen. Danach geht es zurück an die Loire und über Orleans nach Briare, wo ich auf den Eurovelo 3 nach Paris wechsele. Das ist die Strecke, die ich 2021 in die Gegenrichtung geradelt bin. Von Paris aus – vielleicht, ganz vielleicht ist diesmal ein Besuch von Chateau Versailles möglich – geht es auf dem Eurovelo 3 bis nach Namur in Belgien. Von da aus dann an die Küste, in die Niederlande und nach Amsterdam. Entlang der Küste möchte ich über Bremerhaven nach Hamburg fahren. Diese Stadt steht auch schon seit langem auf der Wunschliste.

Da ich wegen dem Gewicht meines Gespannes, einem Fahrrad ohne Batterie und meines Asthmas geländemäßig eingeschränkt bin, suche ich mir von Hamburg aus einen Radweg zurück an den Rhein. Möglicherweise nehme ich auch den Elberadwanderweg. Geplant ist, die Flussradwanderwege soweit wie möglich gen Süden zu nehmen. Elbe, Rhein, Main, Main-Donaukanal etc. Die Sommermonate geht es also durch meine alte Heimat Deutschland. Im September möchte ich über das Dreiländereck zurück nach Frankreich und in den Süden fahren.

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Die schönsten Fotos aus 2021!

In dieser Galerie findet ihr die Fotos, die für mich die schönsten aus dem Jahr 2021 sind. Was sind eure Favoriten? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Die schönsten Fotos aus 2021
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22. Mai 2022, Etappe von Ghlin nach Tournai

Okay, die Wahl des Schlafplatzes gestern war doch nicht so gut gewesen und das Problem war nicht die Bundesstraße, die nahebei über die Brücke führte! Nein, ab halb elf kam ich in den Genuss einer rollenden Disko, sprich: Einige Halbstarke hatten sich irgendwo in der Nähe versammelt und die Stereoanlage im Auto voll aufgedreht. Normalerweise benutze ich keine Ohrstöpsel, wenn ich wild campiere, aber in diesem Fall habe ich eine Ausnahme gemacht. Zwar drang der infernalische Krach, bestehend aus Presslufthammerschlagzeug- und Bässen – was daran Musik sein soll, habe ich nie verstanden – nur noch gedämpft an meine geplagten Ohren, dennoch döste ich nur, dabei das Kampfmesser immer in Griffweite. Gewöhnlich ist bei solchen Freiluftpartys nämlich auch immer eine Menge Alkohol im Spiel und ich hatte keine Lust auf irgendwelchen Besuch in meinem Zelt! Der Spaß ging bis drei Uhr morgens, dann rauschte die Bande endlich ab und Ruhe kehrte ein. Das Einzige, was die restliche Nachtruhe später noch zweimal störte, waren Blaulicht und Sirenen von Polizeistreifen. Dennoch war ich in der früh todmüde und auch der Kaffee schaffte es nicht, diesen Zustand zu ändern. Um 08:45 brach ich schließlich auf und hoffte, dass ich auf der Etappe irgendwo noch ein Café finden würde, wo ich eine Koffeinpause machen konnte. Während ich so radelte und allmählich munter wurde – der heutige Tag versprach bestes Wetter – betrachtete ich mir die Strecke genauer, weil ich wissen wollte, ob ich gestern besser noch weiter gefahren wäre. Tatsächlich hätte ich 16 Kilometer noch zusätzlich einplanen müssen, um einen angenehmeren Schlafplatz zu finden: Ein Picknickplatz an einer Schleuse. Das wäre schon sehr spät geworden. Ich legte dort eine längere Pause ein, nachdem alle bisherigen über Google Maps gefundenen Cafés geschlossen hatten.

Das nächste wäre erst wieder in Antoing. Weit bis Tournai ist das dann nicht mehr. Wahrscheinlich durchquere ich die Stadt noch und suche mir dahinter am Fluss einen Schlafplatz. Das hätte den Vorteil, dass ich morgen nur eine sehr kurze Etappe bis Escanaffles habe. Der Wetterbericht sagt für Montag immer noch konstant schlechtes Wetter voraus. Die Strecke war bis hinter Peruwelz wunderbar zu fahren und im Gegensatz zu gestern, gab es weniger Industrie, dafür mehr grüne Landschaft und malerische Orte entlang des Kanals. Nur auf 2 km hatte ich dann Pech. Die Asphaltdecke des Radweges endete plötzlich und ich musste mich mit meinem Gespann über eine wahre Abenteuerpiste, übersät mit großen Steinen, Wurzeln, bestehend aus blanker Erde – durch den Regen die Tage zuvor schön matschig und zäh wie Treibsand – und einem so breiten und großen Schlammloch, dass ich mich nicht mehr drumherum mogeln konnte. Es war ein Kampf, das schwere Gespann dadurch zu manövrieren und danach sahen mein armes Fahrrad, der Anhänger und meine Schuhe auch entsprechend aus! Am Ende dieser Strecke befand sich eine Sperre plus Warnschild. Prima, diese Sperre, oder auch nur ein Hinweisschild, hätte ich aus der Gegenrichtung ebenfalls gebraucht.

Von hier aus war der Radweg wieder asphaltiert und ich radelte weiter nach Antoing. Auffällig war, dass am gesamten Radweg entlang Bäume, Zweige und Äste lagen. Scheinbar hatte das Unwetter am Freitag in dieser Region deutlich härter zugeschlagen und erhebliche Schäden angerichtet. Glücklicherweise gab es keine Bäume mehr, die quer auf dem Weg lagen. Nach einigen Kilometern endeten diese Schäden. An der Schleuse vor Antoing bog ich ab, überquerte den Kanal und fuhr zum Café, welches auch geöffnet hatte. Eigentlich wollte ich dort länger bleiben und die Zeit zum Arbeiten nutzen, weil ein neuer Designauftrag hereingekommen ist, aber leider gab es keine Steckdose, die hätte nutzen

können. Kleinere Arbeiten kann ich mit Photoshop auch im Akkubetrieb erledigen, jedoch nicht einen kompletten Auftrag. Zudem lief dort die Übertragung eines Autorennens, zuverlässig geeignet, jegliche Kreativität und meine Nerven zu töten! Hinter Antoing wechselte der Radweg an die Schelde und hier waren die Schäden an den Bäumen wesentlich stärker. Gleich drei lagen in Abständen von einigen hundert Metern quer über dem Weg, ließen sich aber glücklicherweise auch mit Anhänger umrunden. An den Rändern türmten sich auf einer Strecke von vielleicht vier Kilometern abgerissene Äste und Zweige. Darunter einige respektable Witwenmacher.

Bis Tournai gab es keine Überraschungen mehr. Am Four à Chaux, einem kleinen öffentlichen Park, hätte ich gut übernachten können, aber da war es rappelvoll und ich wollte nicht so lange warten, bis die Leute nach Hause gingen, damit ich mein Zelt aufbauen konnte. Es war ohnehin noch recht früh, gerade mal halb fünf, also fuhr ich weiter. In Tournai war bei dem schönen Wetter auch alles los, was nicht angebunden war. Ich wechselte daher auf den Gehweg und schob mein Fahrrad. So hatte ich genug Muße, einige Fotos zu machen. Das letzte Stück der Etappe ging dann noch bis kurz vor Pecq, nachdem ich auf der Strecke einfach keinen passenden Zeltplatz gefunden habe. An einem kleinen See entdeckte ich einen Picknickplatz und beschloss, dass ich hier übernachten würde. Zum morgigen Ziel in Escanaffles sind es dann nur noch 15 Kilometer. Die sollte ich schaffen, bevor es richtig nass wird.

21. Mai 2022, Etappe von Luttre nach Ghlin

Geplant hatte ich heute nur eine entspannte Etappe bis Mons oder etwas weiter, je nachdem, wo sich ein Schlafplatz fand. Daher brach ich auch erst um halb zwölf Uhr auf. So konnten nach dem heftigen Regen gestern Zeltplane und andere Sachen noch abtrocknen, bevor ich sie verpackte. Bis zum Radweg waren es nur ein paar hundert Meter und ab da auch gut zu fahren.

Durch die Gewitter und den Regen hatte es deutlich abgekühlt, um fast 15 Grad. Dazu wehte ein frischer Wind von Nordwest und die Sonne ließ sich kaum blicken. Nichts mit kurzer Hose und T-Shirt heute.

Etwa 14 Kilometer radelte ich am alten Kanal weiter, der nach Brüssel führte und auf dem ich hergekommen war. Ab Seneff dann bog ich auf den Canal du Centre historique ab, dem ich bis Antoing folgen würde, wo er in die Schelde mündet. Das Etappenziel für heute sollte bei oder hinter Mons sein, je nachdem, wo ich einen passenden Zeltplatz fand.

Wirklich interessant an diesen Kanälen sind die Schiffshebewerke. Ja richtig, keine Schleusen mit Toren, sondern eine Art Aufzüge für Schiffe! Einer der imposantesten ist wohl der Ascenseur funiculaire de Strépy-Thieu hinter La Louviere. 75 Meter beträgt hier die Differenz, die die Schiffe hochgehoben oder abgesenkt werden.

Ich schoss einige Fotos und radelte anschließend weiter. Ursprünglich hatte ich geplant, irgendwo noch eine Kaffeepause einzulegen, doch das einzige Café, welches nicht zu weit weg vom Radweg lag – in Le Rœulx – wirkte wenig einladend und ich verwarf meinen Plan. Danach bot sich auch keine Gelegenheit mehr.

Mons erreichte ich gegen halb sechs und begann damit, allmählich Ausschau nach einem geeigneten Schlafplatz zu halten. Der große See fiel schnell durchs Raster. Viel zu offen – da hätte ich gleich einen Leuchtturm installieren können – und auch zu viel Publikumsverkehr. Ich fuhr also weiter, am rechten Ufer des Kanals. Im vergleich zur Sambre oder anderen Flüssen und Kanälen wurden diese hier noch wirtschaftlich genutzt. Es gab viel Industrie an den Ufern im Wechsel mit grünen naturbelasseneren Abschnitten. Immer wieder schipperte ein Frachter, beladen mit Schüttgut oder anderer Fracht, vorbei. Freizeitkapitäne gab es natürlich auch.

9 Kilometer hinter Mons, an einem Industriehafenbecken, entdeckte ich einen Picknickplatz und nahm ihn genauer in Augenschein. Er lag schön sichtgeschützt zu den Parkplätzen und der Straße, die um das Becken herumführte. Da es Samstag war, tat sich hier nichts mehr, das einzige Manko stellte die N 50 dar, die über eine Brücke nur wenige Meter entfernt führte. Da herrschte noch dichter Verkehr und es war entsprechend laut. Bevor ich mich entschied, checkte ich per Google Streetview mögliche Schlafplätze auf den nächsten Kilometern ab, doch da sah es kaum besser aus. Bundesstraßen, Industrie … Die Entscheidung war gefallen. Ich würde hier übernachten und einfach hoffen, dass der Verkehrslärm in der Nacht nachlassen würde. Zwar habe ich solche Ohrenstöpsel, benutze sie aber nur sehr selten, wenn ich wild campiere. Mir ist es dann einfach lieber, ich höre alles und rechtzeitig.

18. Mai 2022, Etappe von Marpent nach Luttre

Heute war Tag der Reifenpannen! Glücklicherweise nur am rechten Hinterrad des Anhängers. Den ersten Platten entdeckte ich heute früh, als ich nach dem Kaffee alles zusammenpackte. Gestern gab es einige schlechtere Abschnitte mit spitzem Schotter auf der Strecke, da musste es wohl passiert sein. Kein Problem, ich hatte ja einen Schlauch zum Austauschen dabei. Der war zwar auch schon einmal geflickt, aber das stört nicht. Ich radelte um 9:20 also los, suchte mir den Weg zurück zur Brücke, denn der eigentliche Radwanderweg am Fluss entlang war wegen Bauarbeiten gesperrt worden. Die Umleitung führte durch Marpent und Jeumont durch, doch an der Brücke, wo e wieder auf den Radweg gehen sollte, gab es ebenfalls eine große Baustelle. Für Fußgänger und Radfahrer war aber eine schmale Schotterpiste verfügbar. Leider waren in dem Schotter auch Nägel und anderer Baustellenabfall verborgen. Prompt hatte ich, nachdem ich die Brücke passiert hatte, den nächsten Platten. Also Schlauch raus, flicken und den anderen Schlauch gleich mit. Schlauch wieder rein, Reifen aufpumpen und weiter ging es. Bis Merbes-les Château kam ich, dann bemerkte ich, dass der Reifen erneut Luft verlor.

Ein weiteres Mal koppelte ich den Anhänger ab, löste das Rad und untersuchte den Schlauch. Ich hatte schlicht ein Loch übersehen. Ich klebte den nächsten Flicken drauf und fuhr kurz darauf weiter. Diesmal hielt es. Da ich mich bereits in Belgien befand, überprüfte ich, ob sich mein Smartphone per Roaming mit einem Netz verbinden konnte. Fehlanzeige. Komplett tot. Ich befürchtete schon das Schlimmste für die restlichen Etappen durch Belgien, aber Gott sei Dank bekam ich einige Kilometer weiter endlich ein Netz. Sogar in guter Qualität.

Der Radwanderweg ließ sich wunderbar fahren und ich kam zügig voran. Hinter Thuin legte ich eine längere Pause ein, denn es war heiß und schwül und der Radweg bot nur wenig Schatten. Die Landschaft war abwechslungsreich, Rinderweiden dominierten aber. Hinter Landelies änderte sich das. Industrie überwog rechts und links und ab Marchienne-Au-Pont wurde es richtig hässlich. Moderne und verlassene, rostende Industrieanlagen reihten sich am Kanal hintereinander bis hinein nach Charleroi. Teilweise war der Radweg stark verschmutzt mit Scherben, Metallschrott und Müll. Schön zu fahren war das nicht.

In Charleroi suchte ich mir ein ruhiges Café für eine Pause, denn ich lag gut in der Zeit. Café creme in Belgien ist allerdings gewöhnungbedürftig! In Frankreich bedeutet das, dass der Kaffee Milch enthält und mit einer cremige Haube versehen ist. In diesem Café bekam ich einen sehr starken Kaffee mit einer Portion Dosenmilch dazu. Von Creme keine Spur. Nun ja, nicht mein Fall, aber gut zu wissen.

Während ich den Kaffee trank, checkte ich auf meinem Handy die nächsten Etappen. Ich wollte ja bis Namur fahren und von da auf den Eurovelo 5 nach Brüssel wechseln. Mit fast 400 Höhenmetern auf dieser Strecke eine Herausforderung für mich. Zufällig entdeckte ich auf einer Webseite die belgische Radwanderwege auflistete, dass es noch eine andere Möglichkeit gab, nach Brüssel zu fahren: Am alten Kanal Charleroi – Bruxelles entlang. Mir würden zwar dann die Sehenswürdigkeiten in Namur, Waterloo und Wavre entgehen, aber ich hätte eine leichte und kürzere Strecke vor mir. Meine Lunge würde es mir auf jeden Fall danken.

Ich setzte den Plan in die Tat um, suchte mir mit Komoot eine Strecke vom Café zum Kanal und erreichte ihn eine halbe Stunde später. Bis Luttre radelte ich noch und checkte auf dem dortigen Campingplatz ein. Je nachdem, wie sich das Wetter morgen und Freitag entwickelt – es sind heftige Gewitter angekündigt – fahre ich entweder Samstag weiter oder radele morgen noch eine Etappe. Der nächste Campingplatz liegt allerdings erst wieder vor Brüssel.

Von da aus habe ich zwei Möglichkeiten: Den alten Kanal bis Seneffe und entlang des Radwanderweges W4 über Mons nach Roubaix zu fahren, und anschließend auf dem Eurovelo 5 weiter nach Dunkerque, oder – wesentlich kürzer und ich käme schneller an die Küste und auf den Eurovelo 12 – von Brüssel aus weiter am Kanal bis Antwerpen. Das sind nur 58 Kilometer. Wäre auch wesentlich kürzer, um zur Küste zu gelangen. Fahre ich über den W4, bleibe ich bis Samstag hier, denn auf der gesamten Strecke bis Tournai habe ich dann keinen Campingplatz mehr. Die beiden, die Google mir dort listet, haben geschlossen. Die zwei Tage nutze ich dann zum Schreiben.

17. Mai 2022, Etappe von Fourmies nach Marpent

Die Pause auf dem Campingplatz in Fourmies habe ich gut genutzt. Wäsche gewaschen, Buch veröffentlicht, noch mal Ausrüstung ergänzt. Gepolsterte kurze Radlerhosen gab es beim Intersport wieder einmal nur für Männer. Ich habe stattdessen einfache Laufshorts gekauft, mal sehen, wie die sich beim Radeln tragen. Sie sind halt sehr kurz am Bein. Auch sonst gab es keinerlei Trekkingausrüstung zu kaufen. Ich hätte noch einen neuen Gaskocher gebraucht – mein alter wird nicht mehr lange halten – einen größeren Topf dazu und noch andere Kleinigkeiten. Mitte Mai sollte doch eigentlich schon Saison für solche Sachen sein. Scheinbar nicht.

In der Nacht schlief ich nicht gut, es war viel zu schwül dafür, aber die angekündigten Gewitter tobten sich woanders aus. Paris bekam eine ordentliche Dosis ab und in der Bretagne kam es zu Überschwemmungen. Hier: kein einziger Tropfen Regen. Zwar war ich um halb sechs in der Früh schon wach, aber leider schlief ich wieder ein, sodass ich den ersten Kaffee mit reichlicher Verspätung um acht Uhr trank. Bis ich dann alles wieder abgebaut, gepackt und am Fahrrad verstaut hatte, war es halb zwölf. Je nachdem, ob der anvisierte Platz etwa 6 Kilometer hinter Maubeuge auch tatsächlich geeignet war, hatte ich 52 Kilometer vor mir. Die anstrengendste Etappe war die vom Campingplatz über Fourmies bis nach Glageon. Da ging es nämlich stetig und teils sehr steil bergauf. Entsprechend kaputt war ich dann auch, als ich die letzte Steigung hinter mich gebracht hatte. Alle paar hundert Meter musste ich pausieren, damit ich wieder Luft bekam. Hinter Glageon wechselte der Radwanderweg von der Straße auf einen ehemaligen Schienenweg und verlief – dankenswerterweise – flacher und vor allem schön schattig. Hier gab es auch genug Picknickplätze zum rasten, wovon ich regen Gebrauch machte. Eilig hatte ich es nicht. Trotz des verspäteten Aufbruchs blieb mir genug Zeit. Es wurde ja erst spät dunkel. Von Liessies aus wurde das Gelände zusehends flacher, bis es in Richtung Maubeuge fast nur noch bergab ging. Für ein paar Fotos bog ich nach solre-le-Chateau ab. Der Kirchturm sieht aus, wie von einem Märchenschloss! In Ferrière-la-Grande gönnte ich mir eine Kaffeepause, fuhr anschließend gemütlich weiter. Bis jetzt war die Strecke wirklich sehr schön zu fahren gewesen und das blieb auch so. Der Radwanderweg führte ein Stück nach Maubeuge hinein, überquerte die Schienen und verlief dann an der La Sambre entlang, einem kleinen Flusslauf, der auf den nächsten Kilometern kanalisiert ist. Auf Höhe von Boussois stellte sich heraus, dass der anvisierte Picknickplatz umgebaut worden war. Die Kommune hatten ihn komplett aufgeschottert. Jetzt konnten dort nur noch Wohnmobile parken. Ich radelte also weiter. Weitere Kilometer legte ich zurück, aber nichts bot sich zum Übernachten an. Erst hinter Marpent fand ich einen Picknickplatz an einem kleinen Park mit Fitnessgeräten. Spuren von Wildschweinen habe ich keine entdecken können, also hoffe ich mal, dass ich heute Nacht keinen ungebetenen Besuch bekomme! Morgen geht es an der Sambre weiter und über die Grenze nach Belgien hinein. Geplant habe ich, bis Charleroi zu fahren und dort zu biwakieren. Donnerstag ist es dann nur noch eine kleinere Etappe bis Namur, wo ich wieder auf einen Campingplatz gehen kann. Für den Tag und Freitag sind schwere Gewitter angekündigt, eventuell bleibe ich also einen Tag da.

13. Mai 2022, Etappe von Étréaupont nach Fourmies

Über Nacht hatte es ganz schön abgekühlt, gerade mal 5 Grad maßen die Temperaturen heute früh, als ich aufstand. Dafür erwartete mich wieder Traumwetter mit Sonne pur, leichtem Wind und nur wenigen Wolken. In Anbetracht der Tatsache, dass ich auf den kommenden Etappen bis Namur vermutlich keinen Campingplatz mehr haben würde, und auch schlechteres Wetter angekündigt war, entschied ich mich, heute nur bis Fourmies zu fahren. Mit knapp 34 Kilometern zwar sehr kurz, aber, wie sich bald herausstellte, dafür recht anstrengend.

Zuerst jedoch radelte ich um 10:00 los und hatte bis Hirson eine schöne und leichte Strecke vor mir. Dort suchte ich mir ein Café und legte eine Pause zum Frühstücken ein, denn fast die Hälfte der Strecke war bereits geschafft. Ab Hirson aber lief der Radwanderweg nicht mehr an der Oise entlang, sondern wand sich durch einen großen Forstwald und Naherholungsgebiete. Schon in Hirson hatte ich einige heftige Steigungen zu bewältigen. Auf dem Abschnitt durch den Wald – immer noch der ehemalige Schienenweg – ging es richtig zur Sache und ich kam hübsch ins Schwitzen. Meine Lunge freute sich auch.

Über Anor ging es dann weiter nach Fourmies. Der anvisierte Campingplatz lag an einem großen See, etwa 2 Kilometer vor der Stadt. Das Gelände wurde endlich flacher und ich erreichte den Campingplatz um 16:00, eine Stunde später als ursprünglich angenommen. Mit 15,20 € für 2 Nächte inklusive Strom war der Platz sehr günstig, zudem gut ausgestattet, sehr gepflegt und in einer herrlichen Lage. Ich buchte bis Sonntag, dann wollte ich entscheiden, ob ich noch länger blieb oder nicht. Morgen radele ich ins Gewerbegebiet – unter anderem will ich zum Intersport – um noch fehlende Ausrüstung zu kaufen. Bis Namur sind es jetzt noch etwa 3 Tagesetappen.

12. Mai 2022, Etappe von Origny-Sainte-Benoite nach Étréaupont

Bereits um 08:00 brach ich wieder auf. Heute würde es mit 21 Grad nicht ganz so warm werden wie gestern, aber zum Radeln war es das perfekte Wetter. Das Etappenziel sollte der Camping Le Val D’Oise hinter Étréaupont sein, etwa 40 Kilometer Gesamtstrecke. Bis Guise folgte der Radwanderweg dem Flussverlauf, nahm gelegentlich einige sanfte Steigungen mit, war aber im Großen und Ganzen leicht zu fahren. Der Untergrund wechselte zwischen Schotter- und Asphalt. Landschaftlich boten Wiesen, Weiden, Äcker und viele Bäche, Flüsschen und Kanäle mit lichten Wäldern ein abwechslungsreiches Bild. Den Radwanderweg selbst bildete eine alte ehemalige Eisenbahntrasse. Davon kündeten in einige Orten noch die ursprünglichen Bahnhöfe, erbaut aus rotem Ziegel. In Guise wollte ich eigentlich eine längere Pause einlegen und mir das Schloss ansehen, doch war es mühsam, mit dem Gespann den Burgwall hochzukommen. Längere Zeit unbeaufsichtigt wollte ich es auch nicht weiter unten parken. Daher blieb es bei zwei Fotos von außen. Die Cafés, die offen hatten, lagen alle direkt an den beiden Hauptstraßen. Sehr gemütlich war das nicht, also trank ich bloß einen Kaffee und radelte weiter. Fast die gesamte Strecke bis zum Ziel – außer der Abschnitt durch Guise – war autofrei. Lauschige Picknickplätze boten sich für Pausen an, doch viele Radfahrer waren nicht unterwegs. Radwanderer traf ich nur einen heute, der in der Gegenrichtung unterwegs war. Alles in allem war es heute eine der schönsten Etappen auf dem Eurovelo 3. Gegen 15:00 traf ich auf dem Campingplatz ein, baute mein Zelt auf, ging duschen und hatte heute endlich auch mal wieder Zeit, mich meine Manuskript zu widmen. Die nächsten Etappen stehen zeitlich noch nicht fest, das hängt vom Wetter ab. Sonntag und Montag sind schwere Gewitter und viel Regen angekündigt. Morgen geht es auf eine kürzere Etappe nach Fourmies. Bis Sonntag bleibe ich auf dem dortigen Campingplatz und fahre am Samstag ins Gewerbegebiet zum Intersport, weil mir immer noch einige Sachen fehlen. Je nach Wetter fahre ich am Sonntag oder erst Dienstag weiter.

Zwischendurch kraulte ich zwei süẞen Langohren die Mähne!

11. Mai 2022, Etappe von Carlepont nach Origny-Sainte-Benoite

Die Pause hatte mir gutgetan und ich brach ausgeruht um 09:20 auf. Vorläufiges Etappenziel für heute sollte Ribemont sein, insgesamt – da ich noch nach Noyon reinfahren musste, um Vorräte einzukaufen – 56 Kilometer. Das meiste davon an Kanälen entlang. Von Carlepont bis zum Intermarché in Noyon und zurück kostete mich schon mal 1 ½ Stunden inklusive Einkaufen In einer Bar nicht weit vom Radwanderweg trank ich noch rasch einen Kaffee und frühstückte, dann ging es auf die eigentliche Strecke.

Sie war leicht und zügig zu fahren, bot aber landschaftlich wenig Aufregendes. Von Noyon weg lief der Radwanderweg neben dem Kanal her, fast immer schnurgeradeaus. Der Untergrund war beinahe durchgängig asphaltiert bis auf wenigen Abschnitten wo Schotter als Belag verwendet wurde. Keine Folterstrecke für mein Fahrrad also heute.

Wie auf den letzten Etappen auch, traf ich nur selten andere Radwanderer an, dafür viele Angelbegeisterte und Ausflügler. Das Wetter war mit 26 Grad, frischem, teils böigem, Wind und Sonne pur schlicht perfekt zum Radwandern. Es soll die nächsten Tage auch so bleiben. Das ist, seit ich 2018 die erste Radtour gemacht habe, der trockenste und wärmste Mai. Sonst war das immer der ungemütlichste Monat mit viel Regen, Wind und kühlen Temperaturen.

In Ribemont bog der Radwanderweg vom Kanal ab und führte durch den Ort und an Straßen entlang durch das Flusstal parallel zur Oise. Es gab ein paar leichtere Steigungen, bis ich Ribemont hinter mir gelassen hatte. Einen geeignete Platz zum Zelten hatte ich bis jetzt noch nicht gefunden. Erst kurz nach Origny-Sainte-Benoite, wo der Radwanderweg die Straße verließ und auf eine autofreien Strecke eine Siedlung durchquerte, wurde ich fündig. Zwei Frauen standen an einem Gartenzaun und unterhielten sich mit dessen Besitzer. Ich grüßte freundlich und fragte, ob sie einen Platz zum Zelten wüssten, da es bis zum nächsten Campingplatz – in Guise – für heute zu weit war.

„Sie können in meinem Garten übernachten“, bot mir der Mann, der auch einen Hund besaß, an. Gesagt, getan, er ließ mich mit dem Gespann rein und ich konnte mein Zelt unter einem Baum im Garten aufbauen. Wasser gab es auch, Strom brauchte ich heute keinen. Morgen geht es weiter in Richtung Belgien. Das Etappenziel für morgen ist Étréaupont zwischen Autreppes und Hirson. Dort gibt es einen günstigen Campingplatz. Etwa 40 Kilometer.

08. Mai 2022, Etappe von Lacroix-Saint-Quen nach Carlepont

Zwar hatte ich gut geschlafen, war aber immer noch müde. Ich brauchte dringend ein oder zwei Tage Pause. Es gab zwei mögliche Campingplätze, um Noyon herum. Der dritte, den ich eigentlich anfahren wollte – in Tergnier – hatte wegen Reparaturarbeiten bis Juni seine Tore geschlossen. Ich entschied mich schließlich für den Campingplatz Les Araucarias bei Carlepont. Er war am leichtesten vom Radwanderweg aus anzufahren. Bei dem anderen machten mich die vielen negativen Rezensionen bezüglich der mangelnden Sauberkeit in den sanitären Anlagen misstrauisch. Auf meiner Tour 2019 hatte ich schon einmal einen Campingplatz bei Marennes erwischt, in dem Kakerlaken in den Waschbecken herumkrabbelten. Ich bin wirklich nicht zimperlich, hab auch kein Problem mit diversen sechs- und achtbeinigen Mitgeschöpfen, die mir beim campieren in freier Natur nun mal begegnen, aber so etwas finde ich dann doch ekelig. Ich nahm mir für den ersten Kaffee des Tages Zeit und startete erst um 10:15 in Richtung Compiègne. Bis Carlepont waren es auch nur 32 Kilometer, die ich ganz gemütlich radelte. In Compiègne legte ich eine Kaffeepause ein und besichtigte dann das berühmte Schloss – restauriert von Napoleon I – welches einst die Familie der Bonapartes beherbergt hatte. Es wurde von Charles V erbaut. Gerne hätte ich auch die Räume besichtigt, aber ich wollte mein Fahrrad mitsamt dem Gepäck nicht so lange unbeaufsichtigt auf dem Parkplatz stehen lassen. Fahrrad und Anhänger kann ich abschließen, aber das Gepäck leider nicht. Schade, denn gerade die napoleonische Epoche finde ich äußerst spannend und interessant. Mein nächster historischer Roman wird Napoleon und die Schlacht von Waterloo zum Thema haben. Wenn ich mal Zeit habe, das Manuskript von 2011 zu überarbeiten.

Von Compiègne aus ging es weiter an der Oise entlang bis zur Gabelung, an der die Aisne abbiegt. Ab Choisy-en-Bac verließ der Radwanderweg die beiden Flüsse und führte wieder durch Wald. Es gab nur wenige Steigungen und die Piste war gut zu befahren. Über Saint-Leger-aux-Bois und Bailly erreichte ich schließlich um halb fünf den kleinen Campingplatz. Er liegt mitten im Wald und ist sauber und gepflegt. 3 Nächte kosten mich – ohne Strom – knapp 25 €. Mindestes auf den nächsten beiden Etappen liegen wieder keine Campingplätze in der Nähe des Radwanderweges, da werde ich diese 2 Tage hier nutzen, um mich zu erholen und mein aktuelles Manuskript – das eigentlich Ende April erscheinen sollte – fertigstellen. Noch eine kleine Anmerkung: Die Etappen seit Versailles hätten meine alten Reifen und das alte Hinterrad definitiv nicht mehr überstanden! Die Strecke war mehr eine Prüfstrecke für Mountainbikes als Tourenfahrräder gewesen. Schlaglochpisten, grober Schotter und am Fluss entlang lange Abschnitte, an denen Baumwurzeln den Asphalt hochgedrückt hatten, so dass es sich anfühlte, als würde man über ein einziges großes Reibeisen radeln! Die Reparatur war also ihr Geld wert gewesen, auch wenn es ein Riesenloch ins Budget gerissen hat.

07. Mai 2022, Etappe von Gressy nach Lacroix-St.-Quen

Nach einer ruhigen Nacht brach ich um 09:15 wieder auf. Die heutige Etappe sollte Richtung Compiègne gehen, wie weit, das hing vom Gelände ab. Hügelig würde es auf jeden Fall werden, aber ich hoffte, dass der Radwanderweg nicht allzu holprig werden würde. Die Route verlief abwechselnd an Straßen entlang und über Feld- und Waldwege. Teilweise waren das nur Fußwege, mit dem Anhänger schwierig zu befahren. Zudem nur selten asphaltiert.

Ein Dorf – Campans – durch das ich radelte, lag in der Einflugschneise des Flughafens Charles de Gaulles. Die Jumbojets flogen im 3-Minutentakt im Tiefflug über den kleinen Ort! Also so viel Geld könnte man mir gar nicht zahlen, dass ich da wohnen möchte.

Bis Ver-sur-Launette bremste das mein Reisetempo ziemlich, danach ging es fast schnurgerade aus durch den Wald, mit gelegentlichen Anstiegen, bis Senlis. Erst dort fand ich ein Café für eine Pause. Anschließend radelte ich weiter, auch der nächste Abschnitt führte durch den Wald und mündete in Pontpoint an der Oise. Da der Radwanderweg von hier aus noch einige Kilometer zurück und dann dem Flussbogen folgte, kürzte ich ab, indem ich an der Straße entlang weiterfuhr. Vor Rhuis traf ich wieder auf den Radweg. In Verberie konnte ich an einer Sportanlage meine Wasserflaschen auffüllen, bevor ich die nächsten Kilometer in Angriff nahm. Die zogen sich dann, obwohl die Strecke am Fluss wunderschön zu fahren war, aber ich wollte heute Abend nicht so spät erst mein Nachtlager aufschlagen. Also hielt ich Ausschau nach einem geeigneten Schlafplatz. Fündig wurde ich aber erst in Lacroix-St.-Quen, etwa 10 Kilometer vor Compiègne. Das hat den Vorteil, dass ich morgen eine kürzere Etappe nach Noyon zum Campingplatz habe. Je nach Preis, lege ich eine Pause von 2 oder 3 Tagen ein.

06. Mai 2022, Etappe von Versailles nach Gressy

Heute früh taten mir meine Füße immer noch weh, am liebsten hätte ich eine Tag Pause eingelegt, bevor ich auf die nächste Etappe startete, aber dafür war der Campingplatz in Versailles einfach zu teuer. Bis ich alles wieder gepackt und am Fahrrad verstaut hatte, zeigte die Uhr bereits halb elf. Die Strecke heute war eigentlich nicht lang, vom Startpunkt an der Seine bis zum voraussichtlichen Ziel Gressy waren es 47 Kilometer ohne nennenswerte Steigungen. Dazu kam noch die Strecke von Versailles. Ich hatte mich für eine andere Route zurück an die Seine entschieden, die zwar entlang einer Hauptstraße verlief, dafür aber kaum Steigungen aufwies. Sie würde mich nach Sevres führen, weiter oben am Fluss. Zuerst lief auch alles glatt, ich legte die knapp 8 Kilometer zügig zurück, kaufte unterwegs noch Vorräte ein. Als ich aber die Brücke überquert hatte, stellte ich fest, dass es schwierig werden würde, von hier aus auf den Radweg zu gelangen, auf dem ich nach Versailles gefahren war. Es gab keine Abfahrt dorthin, also steuerte ich die nächste Brücke an, die auch als Radweg ausgewiesen war. Nur, dass man am anderen Ende vor eine Treppe stand. Es gab sogar ein Schild, welches darauf hinwies, dass man hier sein Fahrrad tragen müsste. No shit, Sherlock. Vor mich hin fluchend drehte ich daher wieder um und radelte bis zur nächste Brücke. Da endlich gelangte ich zurück auf den Radweg, auf dem ich bis hinter Notre Dame de Paris bleiben würde. Dahinter bog der Eurovelo 3 dann in Richtung Bondy ab. Ich nahm mir noch die Zeit, einige Sehenswürdigkeiten zu fotografieren, an denen ich bislang noch nicht vorbeigekommen war, wie zum Beispiel den Invalidendom und den Eiffelturm. Notre Dame war komplett eingerüstet und mit dem Fahrrad durfte man ohnehin nicht direkt hinfahren – alles war abgesperrt und nur für Fußgänger freigegeben – also ließ ich die Kathedrale aus. Prompt verfuhr ich mich auch noch, geriet versehentlich auf die Strecke nach Corbeil-Essonnes zurück – die Ausschilderung war mal wieder mehr als dürftig – und es kostete mich einiges an Zeit, bis ich wieder auf der richtigen Route unterwegs war. Endlich kam dann auch der Kanal in Sicht, an dem der Radwanderweg bis Claye-Sully entlangführte. Erst noch einige Kilometer an der Straße, danach aber wunderbar ausgebaut und asphaltiert direkt am Kanal. Dass verleitete etliche andere Radfahrer, hier zu rasen wie die Bekloppten, und das obwohl auch genug Passanten mit Kind, Kegel und Hund unterwegs war. Mehrfach musste ich hart abbremsen, besonders da, wo der Radweg unter den zahlreichen Brücken hindurchführte, dabei schmaler wurde. Dazu noch Fußgänger, die in Kette auf dem Radweg laufen, obwohl parallel dazu ein separater ausgebauter Fußweg ist. Und böse gucken, wenn ich klingele, damit sie mich vorbeilassen. Zweimal musste ich absteigen und mich zu Fuß vorbeischieben, weil sie einfach nicht zur Seite gingen. Nett. Die Strecke führte hinter Sevran schön durch einen Wald hindurch, kehrte dann an den Kanal zurück und blieb dort bis zur Brücke, die Gressy und Claye-Souilly trennte. Hinter Gressy gab es – laut meiner Karte – einen Picknickplatz, an dem ich zelten wollte, doch fand ich schon vorher einen geeigneten Platz noch am Kanal. Das war mir sehr recht, denn es war schon spät, die Sonne sank bereits und ich war fix und alle. Paris ist toll, aber eben doch eine Großstadt und das stresst mich eben immer enorm. Ab morgen führt der Radwanderweg an kleinen Straßen entlang durch hügeliges Gelände. Geplantes Etappenziel: Ermenonville.