Hervorgehoben

Tourvorbereitungen für 2022

Ab dem 1. oder 2. März – je nach Wetter – geht es also wieder los. Zuerst nach Bordeaux, denn ich brauche einen neuen Personalausweis, da meiner im Juni diesen Jahres abläuft. Das Nomadenleben bringt auch Schwierigkeiten mit sich und eine davon ist ein Personalausweis ohne festen Wohnsitz beantragen zu können. Zuständig ist in diesem Fall das Deutsche Konsulat in Bordeaux. Da der Campingplatz dort erst ab April wieder Radwanderer aufnimmt, bleibt mir nichts Anderes übrig als in einem Hotel einzuchecken. Das günstigste, welches ich finden konnte, nimmt 18 € pro Nacht und liegt nur 3,5 Kilometer vom Konsulat entfernt. Dazu kommen noch die Kosten für den Ausweis selbst. Glücklicherweise haben sich meine Bücher, die ich im November und Dezember veröffentlicht habe, gut verkauft, sodass ich das finanziell stemmen kann. Ich muss allerdings auch noch einige Dinge reparieren lassen beziehungsweise kaufen.

Am Hinterrad meines Fahrrades sind 4 Speichen gebrochen. Da weiß ich noch nicht, ob eine Reparatur noch möglich ist oder ich ein neues Hinterrad kaufen muss, was nicht unbedingt billig wird. Fehlen tut auch noch ein neues Zelt. So ein richtig gutes für Expeditionen und 4 Jahreszeitentauglich fängt erst so bei 400 € an. Das kann ich diesen Frühling auf keinen Fall finanzieren. Daher wird es wohl noch mal ein einfaches Zelt sein, dazu ein Sonnensegel als zusätzlichen Wind-und Wetterschutz. Immerhin hat das 28 € Zelt, das ich im September beim Decathlon in Paris als Notzelt gekauft habe, mehr ausgehalten als das wesentlich teurere Trekkingzelt.

Die Route der diesjährigen Tour steht im Groben fest. Es geht von Bordeaux aus wieder bis La Rochelle, aber über die Mündung der Gironde mit der großen Fähre. Das spart einige Kilometer. Von La Rochelle aus werde ich einen neuen Radwaderweg ausprobieren. Er verläuft über Niort, an die Loire und bis Anger. Die Stadt möchte ich mir mal anschauen. Danach geht es zurück an die Loire und über Orleans nach Briare, wo ich auf den Eurovelo 3 nach Paris wechsele. Das ist die Strecke, die ich 2021 in die Gegenrichtung geradelt bin. Von Paris aus – vielleicht, ganz vielleicht ist diesmal ein Besuch von Chateau Versailles möglich – geht es auf dem Eurovelo 3 bis nach Namur in Belgien. Von da aus dann an die Küste, in die Niederlande und nach Amsterdam. Entlang der Küste möchte ich über Bremerhaven nach Hamburg fahren. Diese Stadt steht auch schon seit langem auf der Wunschliste.

Da ich wegen dem Gewicht meines Gespannes, einem Fahrrad ohne Batterie und meines Asthmas geländemäßig eingeschränkt bin, suche ich mir von Hamburg aus einen Radweg zurück an den Rhein. Möglicherweise nehme ich auch den Elberadwanderweg. Geplant ist, die Flussradwanderwege soweit wie möglich gen Süden zu nehmen. Elbe, Rhein, Main, Main-Donaukanal etc. Die Sommermonate geht es also durch meine alte Heimat Deutschland. Im September möchte ich über das Dreiländereck zurück nach Frankreich und in den Süden fahren.

21. Juni 2022, Etappe von Heede nach Jemgum

Der Campingplatz hatte einen Aufenthaltsraum, in dem ich gestern Abend und heute früh an meinem Manuskript arbeiten konnte. WiFi gab es aber leider nicht und das Mobilfunknetz war zu langsam, um meinen Reiseblog zu aktualisieren. Nette Nachbarn hatte ich auch, ein Paar aus den Niederlanden mit ihrem Wohnmobil. Wir kamen gestern ins Gespräch, während ich mein Zelt aufbaute, und sie luden mich zum Abendessen ein. Sie starteten ziemlich früh heute Morgen und ich dann später um halb elf. Die Strecke heute führte größtenteils an der Ems entlang über Papenburg und Leer weiter Richtung Emden. Fahren wollte ich bis hinter Leer und mir dann einen Platz für die Nacht suchen. Ich hoffte, dass es auf der Strecke ebenfalls Picknickplätze oder Schutzhütten, wie ich sie bisher immer wieder mal gesehen hatte, gab.

Bis Aschendorf ging es schön durchs Grüne und am Deich entlang, in der Stadt wechselte der Radweg auf die Straße. Es gab zwar einen Fußweg, der auch für Radfahrer freigegeben war, aber der war in sehr schlechtem Zustand und schmal. An Übergängen musste ich mich erst wieder daran gewöhnen, dass es in Deutschland nicht, wie in den Niederlanden, automatisch Vorfahrt für Radfahrer heißt! Hier braucht man schon vier Augen, zwei im Rücken, um Rechtsabbieger einschätzen zu können. Vor allem Lkws. Ein Fahrer mit einem Sattelzug winkte mich freundlicherweise rüber, ein anderer blinkte erst gar nicht und fuhr einfach. Gut, dass ich eh langsam fahre, denn mein schweres Gespann benötigt einen längeren Bremsweg. Alles in allem war der Radweg aber okay. Gegen 13:00 erreichte ich Papenburg. Der Radweg führte durch die Altstadt und am Hauptkanal entlang, was mir Gelegenheit gab, diese wirklich schöne Stadt zu besichtigen und natürlich fotografierte ich auch viel.

Danach radelte ich wieder dem Flusslauf der Ems nach. Über Weener hätte ich eine kürzere Strecke nach Emden gehabt, aber die Friesenbrücke war zerstört und die Fähre fuhr nur sehr unregelmäßig. Daher blieb ich auf dem Radweg, der durch Leer führte. Über das Hafengebiet radelte ich durch die Altstadt du wieder hinaus an die Ems. Am Jachthafen befand sich ein Campingplatz, doch ein Blick auf die Preistafel ließ mich schaudern. 18 Euro und Dusche und warmes Wasser zum Geschirr spülen und WiFi kam noch extra. Über die Jann-Berghaus-Brücke passierte ich die Ems und fuhr über Bingum weiter Richtung Jemgum. Ich erhoffte mir, auf dieser Strecke einen Schlafplatz zu finden, doch vorerst sah es da nicht so gut mit aus. Der Radweg verlief zwar schön am Deich entlang, aber da weideten überall Schafe. Sie waren nicht direkt eingezäunt, nur Gräben und Viehgatter hinderten sie daran, auf die Nebenstraßen oder in Orte hineinzulaufen. Weder Picknickplatz noch Schutzhütte gab es auf diesem Teil der Route.

Kurz bevor ich den Hafen von Jemgum erreichte, traf ich einen Mann, der seinen Hund Gassi führte und fragte ihn, ob er ein Plätzchen wüsste. Ich erklärte ihm, dass der Campingplatz zu teuer war und es sonst vor Emden keine mehr gäbe. Zehn Minute später hatte ich meinen Schlafplatz: Eine Wiese neben dem Haus seiner Eltern. Morgen kann ich ganz gemütlich bis Emden radeln, mir die Stadt anschauen und dann an den Ems-Jade-Kanal fahren.

Nachtquartier

20. Juni 2022, Etappe von Ter Apel nach Heede

Ich trödelte heute Morgen etwas beim Packen, da ich nicht vorhatte, eine lange Etappe zu fahren. Irgendwo hinter Dörpen wollte ich mir an der Ems einen Platz zum Nächtigen suchen, also sollte die Strecke heute nicht über etwa 40 Kilometer hinausgehen. Um 11:00 fuhr ich also los, zurück auf den Radweg und überquerte nach wenigen Kilometern bei Rütenbrock die Grenze nach Deutschland. Es war schon ein seltsames Gefühl, so nach 10 Jahren. Nicht, wie nach Hause kommen, denn wirklich heimisch hatte ich mich in diesem Land nie gefühlt, obwohl ich da – im Ruhrgebiet – aufgewachsen bin. Die meiste Zeit meines Lebens habe ich aber in Bayern gelebt. Der Norden und der Osten sind Neuland für mich, weswegen ich mir auch die Routen an der Nord- und Ostsee ausgesucht habe. Na ja, und weil es meistens schön flach ist und viel am Wasser entlang geht. Ich gucke gerne in den Häfen Boote an und male mir aus, wie es wäre, selbst so eines zu haben. Wird wohl immer ein Traum bleiben. Im Hafen von Haren lag ein kleines Motorboot mit Komplettausstattung zum Verkauf. Baujahr 2004, Preis 69.000 €. Tja, da muss eine alte Frau lange für stricken. Oder Bücher schreiben. Bis Haren waren es etwa 16 Kilometer, die ich zügig zurücklegte und in der Stadt in einer Bäckerei Pause für ein zweites Frühstück einlegte. Danach ging es zurück an den Radweg, der ab hier erst mal nicht an der Ems, sondern an einer Landstraße entlang verlief. Erst hinter Emen kam er wieder an den Fluss heran und führte am Dortmund-Ems-Kanal weiter bis Lathen. Eine sehr schöne Strecke zum Radeln. Leider blieb es heute fast durchgängig bewölkt, sodass ich nicht viel Anreize für Fotos bekam. Zudem frischte der Wind immer mehr auf, die Böen bliesen mit 45 km/h und oft von vorne. Bei Steinbild flossen Ems und Kanal wieder zusammen und der Radweg folgte nun dem Fluss bis Heede. Wegen des Windes wäre es schwierig gewesen, einen Platz zum wild kampieren in diesem offenen Gelände zu finden, daher entschied ich mich dafür, doch noch einen Campingplatz anzufahren. In Heede gab es einen, der mit 10 Euro noch günstig war. Platz war auch noch und so schlug ich dort mein Zelt für die Nacht auf. Ab morgen soll es bis einschließlich Donnertag bestes Radelwetter geben. Sonne pur, warm und kaum Wind. Ich werde ab Emden nicht die Nordseeroute nehmen – zu teuer – sondern den Jade-Ems-Kanal nach Wilhelmshaven fahren. Den nächsten Campingplatz habe ich dann erst am Freitag wieder, am Jadebusen. Ich hoffe sehr, dass die für das kommende Wochenende angekündigten 3 Tage Gewitter und Regen nicht wahr werden!

17. Juni 2022, Etappe von Hollandscheveld nach Ter Apel

Als ich heute Morgen um 10:00 startete, war der Himmel bewölkt, dafür war es deutlich wärmer als gestern, fast schon schwül. Ich checkte sicherheitshalber noch einmal den Wetterbericht, aber nein, kein Gewitter oder Regen wurde angekündigt. Gut für mich, schlecht für die Natur. Die Bauern hingegen konnten sich kein besseres Wetter für die überall stattfindende Heuernte wünschen. Trocken, warm und ein leichter, ebenfalls trockener Wind. Meine Route führte heute erst einmal nach Geesbrug an den Kanal, etwa 10 Kilometer, von da aus nahm ich den ausgeschilderten Radweg nach Emmen, die nächstgrößere Stadt auf der Strecke. Bis Zwinderen verlief der Radweg am Kanal entlang, von da ab über Landstraßen nach Oosterhesselen und Sleen, wo ich an einem schönen Picknickplatz eine längere Pause einlegte. Viel zu sehen gab es heute nicht. Grünes plattes Land und Dörfer mit schönen Häusern aus Backstein, typische Architektur hier. In Emmen kaufte ich noch löslichen Kaffee ein – mein Suchtmittel, ob magerer Geldbeutel oder nicht – und begab mich dann auf die restlichen 12 Kilometer zum anvisierten Campingplatz etwas vor Ter Apel. Es wird vorerst auch der letzte sein, denn das Budget dafür ist nun endgültig aufgebraucht. Das restliche Geld ist für Lebensmittel gedacht. Um 16:00 erreichte ich den Minicampingplatz, der zu einem großen Bauernhof mit Milchvieh und Hühnerhaltung gehörte. Ich zahlte nur 5 Euro, obwohl auf der Webseite 9 Euro angegeben waren – nicht, dass ich mich darüber beschwere! – und bekam noch 4 frische Eier gratis dazu. Viel los war hier nicht, außer mir gab es noch zwei Urlauber mit Wohnmobilen. Der Platz war schön, gepflegt, die sanitären Anlagen sauber und man musste nicht für warmes Wasser extra zahlen. So konnte ich heute noch einmal duschen und Wäsche waschen. Morgen geht es nach Hansen an die Ems und über den Emsradweg Richtung Küste. In Weener kreuzt er den Eurovelo 12, auf dem ich weiterfahren werde. Deutschland ist dann das vierte Land auf meiner diesjährigen Tour. Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie das Radwandern da so sein wird. Ich kenne dieses Land ja hauptsächlich vom Pferderücken aus, bin auch nie campen gegangen. Sicher ist nur, dass die Radinfrastruktur im Vergleich zu den Niederlanden eher mau ist. Und vermutlich werde ich Probleme mit dem Mobilfunknetz haben. Belgien und die Niederlande sind auch in dieser Hinsicht erstklassig ausgestattet.

16. Juni 2022, Etappe von Hasselt nach Hollandscheveld

Heute war es deutlich wärmer als in den letzten Tagen, als ich um 10:00 aufbrach. Vom Hafen aus gelangte ich schnell wieder auf den Radweg und schlug als erstes die Richtung nach Meppel ein. Dort wollte ich im MC Donald frühstücken und meinen Laptop updaten. Normalerweise mied ich das große gelbe M, aber ich brauchte WiFi und das gab es da nun mal gratis. Die Strecke führte schön durch die Landschaft, die geprägt von Wiesen und Weiden mit Milchkühen war. Ich sah sogar ein Storchenpaar auf der Wiese! Bis gestern überwogen Schafe, hier jedoch sah es so aus, wie man sich die Niederlande eben vorstellt. Nur ohne die Windmühlen. Von denen habe ich leider herzlich wenige gesehen. Und Tulpenfelder gar keine. Vermutlich bin ich die falschen Radwege gefahren.

Nach Meppel hinein ging es durch einen wunderschönen Park, anschließend weiter in den Ort. Nach einem kurzen Abstecher zum Aldi, radelte ich zum MC Donald, blieb dort etwa eine Stunde. Von hier aus wechselte ich auf den Radweg nach Hoogeveen, etwa 24 Kilometer entfernt. Allerdings verfuhr ich mich einmal, was einige Kilometer zusätzlich bedeutete. In Noordwik, einem kleinen Ort mit Hafen am Kanal gönnte ich mich noch mal eine Pause und aß eine Kleinigkeit. Wie so oft, vergaß ich, genug Wasser zu trinken. Das holte ich jetzt nach.

Weiter ging es, immer am Kanal entlang – Hoogevensche Vaart – bis in die Stadt hinein, wo der Radweg einen anderen Verlauf nahm. Ich wollte nicht komplett durch das gesamte Stadtgebiet radeln, fand eine Strecke, die mich zurück zum Kanal brachte und blieb darauf, Sie war zwar deutlich länger, aber schöner zu fahren als die, die mir Komoot vorgeschlagen hatte. Bis Geesbrug, wo ich mir einen Schlafplatz suchen wollte, war es eigentlich nicht mehr weit, aber ich verfuhr mich ein zweites Mal. Statt nach Geesbrug gelangte ich nach Hollandscheveld.

Als ich Google Maps studierte, um zu sehen, wie ich auf die richtige Strecke kam, entdeckte ich einen Campingplatz, den ich, da ich ja eigentlich ganz woanders sein sollte, nicht auf der Liste hatte. Ich suchte im Internet die Webseite, stellte fest, dass der Campingplatz sehr günstig war und fuhr hin. Der Betreiber empfing mich freundlich und auf meine Nachfrage – die Rezeption hatte schon geschlossen – ob ich gleich oder erst morgen früh bezahlen sollte, entgegnete er, dass ich kostenlos hier nächtigen durfte. Na, das war doch mal eine gute Nachricht! Über die morgige Etappe bin ich mir noch nicht schlüssig. Entweder fahre ich von hier aus direkt über die Grenze nach Deutschland rein – nach Meppen an der Ems, was viel Schnellstraße bedeuten würde, oder ich radele einen Umweg über Emmen nach Ter Apel und erreiche Deutschland am Samstag.

15. Juni 2022, Etappe von Polsmaten nach Hasselt

Ich hatte eigentlich gehofft, dass ich erst einmal einige Tage ohne Campingplatz auskommen konnte, um mein Restbudget zu schonen, doch leider konnte ich auf diesem hier nichts aufladen. Die Waschräume mit Steckdosen lagen von meinem Platz zu weit entfernt, als dass ich Laptop und Smartphone unbeaufsichtigt dort hätte lassen können. Der nächste halbwegs günstige Zeltplatz lag in Hasselt am Jachthafen und kostete 11 Euro, inklusive Strom. Wie in den vergangenen Tagen auch, navigierte ich teils mit Komoot, wo ich keinen ausgeschilderten Radweg hatte, teils mit den Hinweisschildern. Der erste Teil der Strecke verlief recht schön weiter entlang des Sees bis Elburg, von da ab wieder parallel zur Schnellstraße. In Oldebroek gönnte ich mir ein zweites Frühstück.

Roombroodje – ein mit Buttercreme gefülltes Hefeteiggebäck, ähnlich wie Bienenstich – und zur Abwechslung richtig guten Kaffee. Das Ganze für nur 4 Euro, eine Summe, die ich oft genug nur für den Kaffee allein gezahlt habe! Von Oldebroek aus radelte ich den Wegweisern nach über Wezep bis nach Zwolle. 38 Kilometer waren geschafft, 9 lagen noch vor mir, die ich aber zügig zurücklegte. Der teils kräftige Gegenwind hatte sich endlich gelegt und bremste mich nicht mehr aus. Ansonsten herrschte heute mit 22 Grad und Sonne pur bestes Radelwetter. Um dreiviertel vier erreichte ich den Jachthafen, dem ein kleiner Campingplatz angeschlossen war. Minicamping ist hier das richtige Wort, denn es war wirklich nur eine kleine – aber sehr gepflegte Wiese – inmitten von Ferienhäusern. Außer mir waren noch deutsche Camper da und später trafen noch drei Damen ein, die ebenfalls eine Radwandertour machten. Die Etappe für morgen steht noch nicht fest. Entweder fahre ich bis Groningen weiter oder radele über Meppel und Emmen über die Grenze nach Deutschland rein. So oder so sind das mit meinem Reisetempo noch 2 Tagesetappen. Das Wetter soll vorerst schön bleiben, aber je näher ich der Küste komme, desto kühler wird es.

14. Juni 2022, Etappe von Nijkerk nach Polsmaten

Der plötzliche Temperaturabfall in der Nacht – um 05:00 hatte es gerade mal 6 Grad! – war für meine Gelenke eine echte Freude. Kurzum: ich schlief schlecht und viel zu kurz, war heute Morgen dementsprechend unkonzentriert und benötigte länger als gedacht zum Packen. Ich brach erst um 11:00 auf, was aber kein großes Problem darstellte, da ich heute nur etwa 38 Kilometer zu bewältigen hatte.

Der anvisierte Campingplatz lag am Jachthafen in Polsmaten am Veluwemeer. Der Radweg führte durch das Gewerbegebiet von Nijkerk, was mir die Möglichkeit gab, bei einem Lidl noch schnell die Vorräte aufzustocken. Anschließend radelte ich weiter ans Veluwemeer, ein langgestreckter großer See und dort entlang. Der Radweg verlief zwischen dem See und der Autobahn bis hinein nach Harderwijk vorbei an Putten und Ermelo. Im Hochsommer steppt hier sicherlich der Bär, aber jetzt waren nur wenige Radfahrer und Passanten unterwegs. Zwischendurch gönnte ich mir eine Pause an einem der Picknickplätze am See mit herrlichem Blick auf das Wasser. Unglaublich viele Schwäne tummelten sich hier.

Danach ging es durch Harderwijk durch und weiter nach Nunspeed. Ich verpasste eine Abzweigung und radelte deswegen einen Umweg zum Campingplatz, den ich um 16:45 erreichte. Der Platz war größer, als es die Fotos auf der Webseite vermuten ließen. Vorwiegend standen hier Campingcars aus Deutschland. Die Grenze ist ja nicht mehr weit weg. Über Apeldoorn kann man direkt ins Ruhrgebiet fahren oder, wie ich es geplant habe, über Groningen nach Ostfriesland hinein. Je nachdem, wie viele Kilometer ich morgen zurücklege, müsste ich Donnerstag oder Freitag die Grenze überqueren. Da wechsele ich wieder auf den Eurovelo 12.

13. Juni 2022, Etappe von Amsterdam nach Nijkerk

Besonders gemütlich war es auf dem Zeltplatz nicht gewesen, daher trank ich heute Morgen nur rasch einen Kaffee, packte zusammen und brach schon um 08:30 auf. Mein Ziel heute war ein kleiner und günstiger Campingplatz bei Nijkerk. Komoot hatte mir Gesamtstrecke von 48 Kilometern ausgerechnet, aber ich addierte im Voraus noch einige dazu, da ich, soweit möglich, auf den ausgeschilderten Radwegen fahren wollte. Einige Umwege dürften mit drin sein.

Bis Muiden führte der Radweg schön durch eine grüne Landschaft, nur gelegentlich touchierte er mal die Autobahn oder Schnellstraße. In Muiden wollte ich eine Frühstückspause gönnen, fand auch ein ruhiges, kaum besuchtes Café am Hafen, doch kaum hatte ich meinen Kaffee getrunken, drang Zigarettenqualm in meine Nase. Der Wirt höchstpersönlich stand hinter dem Tresen und paffte eine Zigarette. Eine von der stinkenden Sorte. Ich hatte mich in den Innenraum gesetzt, weil die Terrasse so früh am Morgen noch nicht geöffnet war. Eigentlich hatte ich hier etwa eine Stunde eingeplant, denn es gab Steckdosen an den Tischen und ich wollte meinen Laptop komplett aufladen. Das war auf dem Campingplatz nicht möglich gewesen. Meine ohnehin kaputte Lunge verpesten lassen, wollte ich aber auch nicht, daher packte ich seufzend wieder alles ein, zahlte und machte mich auf den Weg.

Bis Naarden wechselte der Radweg von grüner Natur zurück an die Schnellstraße. Hinter Muiden tauchte in meinem Blickfeld plötzlich ein waschechtes Schloss auf! Leider zu weit, um ein gutes Foto davon zu bekommen. Es handelt sich bei dem Gebäude um ein restauriertes Wasserschloss. In Naarden suchte ich einen Supermarkt auf, ergänzte meine Vorräte und legte am nächsten Picknickplatz eine Pause ein, um mein Frühstück nachzuholen. Nur ohne Kaffee. Die nächsten Orte au meiner Route waren Bussum und Laren. Von da aus radelte ich über Eemnes in Richtung Fähre. Auf dem Deich traf ich zwei deutsche Rentnerinnen an. Eine von ihnen hatte Probleme mit dem Fahrrad. Es war umgekippt und dabei hatte sich das vordere Schutzblech so verbogen, dass es am Reifen entlangschliff. Werkzeug hatte keine von ihnen dabei. Nun, da konnte ich helfen und das Problem war schnell behoben. Außerdem waren beide Damen verzweifelt, dass sie, seit sie in den Niederlanden unterwegs waren, kein Internet oder Mobilfunk empfingen. Sie hatten schlicht vergessen, Roaming einzuschalten, wussten auch gar nicht, wie und wo sie das an ihren Handys einstellen konnten. Auch da konnte ich behilflich sein und fuhr anschließend weiter.

Die Fähre überquerte bei Eemdijk die Eem. Die Überfahrt kostete 1 Euro. Von da aus radelte ich noch durch einen Ort mit dem herrlichen Namen Bunschoten- Spakenburg und weiter Richtung Nijkerk, wo sich der Campingplatz befand. Mit 8 Euro war er günstig, lag sehr schön und war ruhig. Insgesamt bin ich heute 53 Kilometer geradelt. Die morgige Etappe wird länger und führt nach Dronten.

12. Juni 2022, Etappe von Spaarnwoude nach Amsterdam

Ich hatte mich gestern dazu entschlossen, für diese Etappe doch noch einen weiteren Campingplatz zu buchen. Ich fand einen kurz hinter Amsterdam, der mit 13,45 € relativ günstig war. So blieb mir genug Zeit, Amsterdam zu besichtigen. Mit gerade mal 28 Kilometern konnte ich es ruhig angehen lassen. Um 09:35 brach ich auf, radelte die knapp 3 Kilometer zurück in Richtung Haarlem. Vor dem Ikea bog ich auf den Radweg nach Amsterdam ab. 14 Kilometer. Zwar verlief er entlang der Autobahn, aber ab De Liede lag ein schöner Grüngürtel mit Fußwegen, Teichen und Bächen dazwischen. Etwa 3 Kilometer vor Amsterdam – 6 Kilometer vor dem Stadtzentrum – stand ein amüsantes Hinweisschild am Radweg mit dem Text: Komm schon Alter. Darüber ein Fahrradsymbol und Pfeil nach rechts. Wenig später tauchte es auch noch mal als Straßenschild auf.

Am Westerpark vorbei gelangte ich an den Ring der Amsterdamer Grachten. Es war viel los, aber es herrschte nicht so ein Gedränge wie in Haarlem. Die Passanten, Touristen und Radfahrer verteilten sich ganz gut entlang der Grachten. Mein erstes Ziel war das Anne-Frank-Haus, ich brauchte einige Minuten, bis ich einen Stellplatz für mein Gespann gefunden hatte, damit ich fotografieren konnte. Zwar gibt es hier ohne Ende Fahrradparkplätze, aber zum einen waren die schon voll und zum anderen nicht auf ein Fahrrad mit Anhänger ausgelegt. Dieses Problem begleitete mich noch für den Rest meiner Besichtigungstour.

Langsam arbeitete ich mich zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten durch. Das Rijksmuseum, diverse Kirchen – da habe ich irgendwann den Überblick verloren – natürlich den Bloemenmarkt – rappelvoll und das Rembrandthaus. Unzählige Souvenirshops, Käseläden und Süßigkeitenläden säumten die Straßen und Plätze. Hausboote, Ausflugsboote und private Motor- und Segelboote tummelten sich auf den Grachten. Von Deutsch über Englisch, Französisch und natürlich Niederländisch waren zahlreiche Sprachen vertreten. Amsterdam zeigte sich mir lebendig und farbenfroh, ohne überfüllt zu sein. Ein Besuch, der sich auf jeden Fall gelohnt hat!

Dennoch wurde es mir irgendwann zu viel. Ich habe wegen meines Autismus schnell Kopfschmerzen und Panikattacken, wenn ich länger mit Menschenmengen und Lärm konfrontiert werde. Daher suchte ich mir allmählich einen Weg aus der Stadt heraus, obwohl ich beileibe nicht alles gesehen habe, was sehenswert gewesen wäre. Dazu ist wohl auch mehr als ein Besuch nötig. Zum Campingplatz war es nicht weit, nur etwa 6 Kilometer. Er lag auf der anderen Seite des Amsterdamer Ringkanals auf einer Halbinsel. Ganz einfach war es für mich nicht, dort hinzugelangen, denn der einzige Zugang für Radfahrer war: Genau, eine Treppe! Glücklicherweise mit flachen Stufen, sodass ich langsam mit dem Gespann dort hinunterrumpeln konnte. Zurück wäre schon mehr ein Problem gewesen, aber ich fahre ja in die andere Richtung weiter.

Den Platz hatte ich gestern online gebucht und bezahlt. Leider handelte es sich um eine große Zeltwiese, was bedeutete, dass ich nicht wirklich Ruhe um ich herum hatte. Auch die Autobahn war gut hörbar, aber es ist ja nur für eine Nacht. Wohin die morgige Etappe geht, weiß ich noch nicht. An die Küste fahre ich in einem Bogen um das IJsselmeer herum und komme vermutlich erst bei Warkum an die Küste.

Der Wetterbericht kündigt für den Norden sonniges, aber eher kühles Wetter an. Bei einer derzeitigen Wassertemperatur von maximal 15 Grad wird es wohl auch noch nichts mit Schwimmen im Meer. In Deutschland und Teilen Frankreichs hingegen soll erneut eine Hitzewelle kommen. Im Süden Frankreichs wüten bereits Waldbrände.

11. Juni 2022, Etappe von Maaldrift nach Spaarnwoude

Heute schaffte ich es, früher zu starten, denn ich wollte nicht erst abends auf dem Campingplatz bei Spaarnwoude eintreffen, damit ich – nachdem der Laptop wieder funktioniert – noch etwas am aktuellen Manuskript arbeiten konnte. Die Route, die ich fahren würde, war nicht so schön, wie die Küstenroute, dafür kürzer. Ich hatte mir erst überlegt, gleich bis Amsterdam zu fahren, doch der einzige bezahlbare Campingplatz lag außerhalb der Stadt und in der falschen Richtung. Zudem wäre es eine deutlich längere Strecke geworden, nämlich mehr als 60 Kilometer. Vom Campingplatz aus ging es an Leiden vorbei und dann auf dem ausgeschilderten Radwanderweg nach Haarlem. Zwischenstationen waren Sassenheim, Lisse und Hillegom. In Lisse gönnte ich mir eine kurze Pause, um Wasser zu trinken. Kaffee wollte ich dann am Ziel erst trinken. Größtenteils lief der Radweg an der Hauptstraße entlang. Zügig zu fahren aber nicht sehr reizvoll.

Haarlem dagegen bot mehr fürs Auge, war aber brechend voll. Außerdem war auch noch Markttag, viel Gelegenheiten, Fotos zu machen, bekam ich da nicht. Nach einer Stunde fuhr ich zurück auf den Radweg und radelte weiter zum Campingplatz, der auch ziemlich weit draußen in der Prärie lag. Er gehörte zu einem großen Milchviehbetrieb mit Hofladen. Der Preis schockte mich allerdings, denn auf der Webseite standen ganz andere Preise. Statt 11 Euro zahlte ich 15 Euro für eine Nacht! Okay, er Strom war inklusive und auch die Duschen kosteten nichts extra, mein Budget freute das dennoch nicht. Ab Amsterdam werde ich ohnehin wieder mehr biwakieren müssen. Ich fahre dann wieder die Nordseeroute und die Campingplätze sind – vor allem jetzt, zur Saison – für mich nicht mehr bezahlbar. Welche Strecke ich fahre, weiß ich noch nicht. Entweder direkt die Küstenroute oder erst noch ums Ijsselmeer herum und dann auf die Nordseeroute. Je nachdem, wo ich eher etwas zum Übernachten finde.

10. Juni 2022, Etappe von Maasland nach Maaldrift

Auch heute früh regnete es nochmal, jedoch nur ganz leicht und es hörte auch schnell wieder auf. Mein Laptop sagte immer noch keinen Piep, als blieb es bei meinem Plan, in Delft einen Computerfachmann aufzusuchen. Bei bedecktem Himmel und frischem Wind startete ich auf die heutige Etappe. Sie führte mich zurück nach Schipluiden und von da aus über einen schönen Radweg an Weiden mit Schafen, Rindern oder Pferden – Friesen – durch Parks hindurch nach Delft hinein. Zuerst also die Suche nach einem Computerladen. Google Maps hatte mir zwei Adressen ausgespuckt. Die erste erwies sich als Schuss in den Ofen, der Mann hatte schon länger seinen Laden geschlossen gehabt. Nummer zwei machte diesen Job eher nebenher und in seiner Wohnung, aber immerhin. Er nahm den Laptop auseinander, probierte dies, testete das. Quasi im Ausschlussverfahren näherte er sich den verbliebenen Ursachen: Wackelkontakt an irgendeinem Kabel oder das Mainboard. Im letzteren Fall wäre eine Reparatur nicht mehr möglich gewesen. Eine mögliche Ursache – wenn auch nicht sehr wahrscheinlich – tippte er auf den neuen RAM-Speicherriegel, den ich Anfang April eingebaut hatte, um mit Photoshop flüssiger arbeiten zu können. Da ich den alten sicherheitshalber behalten hatte, tauschte er ihn aus. Und siehe da: Beim nächsten Versuch startete der Laptop wieder! Ich lasse den alte RAM-Speicherriegel erst mal drin und hoffe, dass das Gerät für die nächsten Monate noch läuft. Für seine Arbeit wollte der Typ kein Geld haben, was ich sehr nett fand. Von der Siedlung aus radelte ich weiter nach Delft hinein und gönnte mir im Stadtzentrum ein zweites Frühstück. Der Marktplatz war gut besucht, die Terrassen der Bistros, Cafés und Restaurants ebenfalls. Die Stadt ist wunderschön, da hätte ich gerne mehr Zeit gehabt, zum Besichtigen! Ich wollte jedoch nicht so spät am Campingplatz ankommen, weil ich noch etwas arbeiten wollte.

Bis Wassenaar lief auch alles nach Plan. Ich navigierte teils mit den Hinweisschildern, teils mit Komoot. Die App schien allerdings Probleme zu haben, mich zu lokalisieren, denn sie meldete mit einem Mal, dass ich doch bitte das GPS einschalten sollte. Ich hielt an und überprüfte die Einstellungen, doch da war alles so wie es sein sollte. Seltsam. Ich fuhr weiter, bemerkte irgendwann, dass ich eigentlich schon längst hätte am Ziel sein müssen. Auch die Ausschilderung stimmte nicht mehr. Google Maps brachte dann die Lösung: Ich war bereits mehr als 5 Kilometer am Campingplatz vorbeigefahren! Super. Kräftig in die Pedale tretend, radelte ich bis Wassenaar zurück und fand dann auch den Weg zum Campingplatz, der etwa 3 Kilometer hinter dem Ort lag. Um halb acht checkte ich ein und baute auf. Die zehn Kilometer extra hätte es nun wirklich nicht gebraucht! Bis ich geduscht und etwas gegessen hatte, war der Tag schon fast rum. Morgen geht es weiter bis hinter Haarlem. Das Wetter soll vorerst trocken und schön bleiben, wenn auch kühl und windig. An die Küste fahre ich wohl erst nach Amsterdam.