05. Mai 2022, Versailles Teil 2

Nun war heute also das berühmteste Schloss der Welt dran: Versailles! Mittelpunkt der Welt von Louis IV und seines riesigen Hofstaates. Viel gelesen habe ich über dieses Bauwerk. Nicht nur die architektonische Historie ist so interessant wie spannend. Noch mehr fasziniert mich die Geschichte der Menschen, die darin gelebt und gearbeitet haben, teils auch dort gestorben sind. Vom König selbst bis herunter zum geringsten Dienstboten: Sie haben einst das Schloss bevölkert. Geht man heute durch die Säle, Räume und Gemächer, so sieht man ein prachtvolles, aber totes Museum. Man kann sich kaum vorstellen, dass dort – in seiner Glanzzeit – mehr als 3000 Menschen gelebt haben. Im Schloss herrschte drangvolle Enge, weitaus mehr als heute durch Touristenströme. Apropos Touristen: Heute tummelten sich von ihnen mehr als gestern, doch es war noch erträglich. Problematisch wurde es für mich, als es in einigen Räumen eng wurde, weil mehrere geführte Gruppen dort alles blockierten. Ich vertrage wegen meines Autismus keinen Körperkontakt oder Menschenmengen. Zwei leichtere Panikattacken zwangen mich zu einer Pause auf einer der Ruhebänke, die praktischerweise ab und zu vorhanden waren.

Davon abgesehen war es für mich bereits das Highlight in diesem Jahr, das Schloss zu besichtigen. Allein diese wundervollen prächtigen Gemälde an Decken und Wänden! Möbel gab es hingegen nicht so viele zu bewundern. Richtig prachtvoll ausstaffiert waren die königliche Schlafgemächer mit Himmelbett und allem. Viele Marmorbüsten – und Statuen von Königen, Adeligen, dem Klerus und berühmten Schriftstellern, Künstlern und Architekten schmückten die Gänge. Um wirklich alles zu sehen, bräuchte man vermutlich ganze Tage!

Besonders angetan hatten es mir – aus historischem Interesse – die Räume und Gänge, die sich mit der napoleonischen Zeit beschäftigten. Prachtvolle Schlachtengemälde aller französischen Könige und Kaiser hingen in der Galerie des Batailles. Das war der letzte Teil auf der Besichtigungstour, bevor es wieder ins Freie ging. Draußen gönnte ich meinen Füßen und Nerven eine Pause, dann machte ich mich auf den Weg in den Garten.

Leider waren alle Brunnen – bis auf das Bassin de Mirroir – abgestellt, der Neptunbrunnen sogar komplett demontiert. Sehr schade. Es gab auch wenig an Blumen zu sehen im Vergleich zu den Gärten am Trianon. Diesen Rundgang absolvierte ich daher wesentlich schneller und verließ Château Versailles um halb drei. Um halb zehn hatte ich mit der Tour begonnen. Mein Fahrrad hatte ich davor noch zur Reparatur gebracht, dass konnte ich um 6 dann abholen. Neues Hinterrad, neue Reifen, neuer vorderer Bremszug, einen Komplettcheck und alles neu eingestellt: 300 €! Puuh. Gott sei Dank – ich bin wohl etwas blass geworden – bot mir der Inhaber der Werkstatt an, die Summe in 2 Raten zahlen zu können. Dafür ist mein Fahrrad jetzt wie neu und die verbauten Materialen qualitativ hochwertig. Morgen starte ich auf die nächsten Etappen des Eurovelos 3 weiter in Richtung Belgien.

04. Mai 2022, Versailles Teil 1 – Grand Trianon, Petit Trianon, Englischer und französischer Garten und das Hameau de Reine.

Mit dem Fahrrad radelte ich die knapp 4 Kilometer bis zum Château Versailles, parkte dort und machte mich dann auf den Weg zu Fuß zu meinen heutigen Zielen: Grand- und Petit Trianon und die Gärten. Erst aber ging es durch den riesigen Park. Ich konnte mir Zeit lassen, denn die beiden Schlösschen waren ab 12 Uhr offen für die Besichtigung. Anfang Mai war der Ansturm von Touristen noch nicht riesig, mir gelangen daher etliche Fotos ohne nervige Personen darin. Mit dem Petit Trianon machte ich den Anfang. Die Tour durch die Räume war schnell erledigt, danach besuchte ich die Gärten.

Der englische Garten war wunderschön angelegt mit teils alten Bäumen darin. Zum Beispiel eine 30 Meter hohe Platane, die 1798 gepflanzt wurde! Auch die Bäche und Flüsschen, Blumenbeete und viel grüner Rasen, bestanden mit Bäumen und Büschen, trugen zu dem schönen Gesamtbild bei. Auf schmalen gewundenen Wegen gelangte ich zum Hameau de la Reine, ein kleines Dorf, welches sich Marie Antoinette hatte errichten lassen, um darin die Rolle der naturverbundenen Schäferin zu spielen, wenn ihr das Protokoll im Château zu viel wurde.

Tiere gibt es auch heute noch dort. Schafe, Ziegen, Hasen und sogar Meerschweinchen tummelten sich in ihren gepflegten Gehegen. Die alten Häuschen mit ihren Dächern aus Riedgras und aus Fachwerk und Bruchsteinen erbaut, bildeten wahre Schmuckstücke inmitten dieses Idylls. Leider war der Miniatursee abgepumpt. In einem großen Bogen zurück steuerte ich das Grand Trianon an. Hier waren deutlich mehr Touristen, die sich durch die Räume drängten. Ich wartete, bis die größte Gruppe mit ihrer Besichtigung durch war und schlenderte anschießend selbst durch die prachtvoll ausgestatteten Zimmer und Flure. Hier hatten nicht nur Marie Antoinette und ihr Gemahl, Ludwig IV gewohnt. Auch die Bonapartes und Louis Philipp, der Bürgerkönig, richteten sich hier für eine Weile häuslich ein. Das resultierte in verschiedenen Einrichtungsstilen von Barock bis Belle Époque.

Danach ging es noch durch den französischen Garten, der im barocken Stil zurechtgestutzt war und einen großen Kontrast zum englischen, mehr naturbelassenen Garten, bot. Schön sind beide. Mit mehr als 130 Fotos – leider nur mit dem Handy geknipst, meine Kamera gibt wohl doch allmählich den Geist auf – machte ich mich auf den Weg zurück und gelangte über den Neptunbrunnen wieder auf den Schlossplatz. In einem Café gönnte ich mir einen Kaffee und meinen Füßen eine Pause. Anschließend kaufte ich noch ein paar Lebensmittel ein und suchte ein Fahrradgeschäft auf. Mit dem Inhaber vereinbarte ich für morgen früh, wenn ich das Château besichtige, dass er das Hinterrad komplett austauscht und einen allgemeinen Check durchführt. Schließlich liegen noch etwa 3000 Kilometer vor uns, da will ich nicht, dass mein tapferer Drahtesel unterwegs zusammenbricht!

24. April 2022, Etappenplanung und Arbeit während der 2-wöchigen Pause in Ouzouer-sur-Trézée

Der Campingplatz hier ist nicht nur sehr günstig. Es ist schön ruhig hier, ich habe gratis WiFi und einen Platz in einem Pavillon, wo ich gut arbeiten kann. Viel los ist an der Strecke des Eurovelos 3 noch nicht. Auf dem Loire-Radweg traf ich schon deutlich mehr andere Radwanderer. Neben der Arbeit am aktuellen Manuskript „Die Einsamkeit des Kranichs“ und dem Gestalten von neuen Premade-Covern plane ich bereits die nächsten Etappen. Bis Paris sind es jetzt noch 213 Kilometer. Das Wetter soll erst mal schön bleiben, ab Mai etwas kühler. Und es ist viel zu trocken. Der angekündigte Regen ist auch diesmal fast gänzlich ausgeblieben.

Auf dem Eurovelo 3, de „La Scandiberique“ geht es ab dem 30. April oder 3. Mai – das hängt davon ab, wann die Tantiemen auf meinem Konto gebucht werden, normalerweise immer am 29. Das ist aber in diesem Monat ein Freitag, was bedeutet, dass es möglicherweise erst am folgenden Montag gebucht wird – weiter in Richtung Paris. Das nächste Etappenziel ist Montargis, wo ich 2 Tage auf dem dortigen Campingplatz bleiben werde, um meine Ausrüstung zu ergänzen oder neu zu kaufen. Das wären:

  • Die komplette Sommergarderobe inklusive Schuhe, denn meine fällt jetzt wirklich fast auseinander.
  • Neue Reifen für das Fahrrad, eventuell – wenn es nicht zu teuer wird – lasse ich das Hinterrad gleich ganz austauschen. Da sind im letzten Jahr 4 Speichen gebrochen.
  • Ein anderes Zelt.
  • Eine selbstaufblasende Isomatte, die nicht so sperrig ist, wie die, die ich seit Dezember habe.
  • Eine zweite Powerbank.
  • Eventuell einen neuen Rucksack.
  • Neues Kochgeschirr.
  • Zwei Rechnungen sind noch offen.

Da werden sicher insgesamt 400 € fällig werden. Bleiben noch etwa 420 übrig, da sind die Tantiemen aus den Tolino Media-Shops noch nicht mit eingerechnet. Wegen technischer Probleme gibt es diesen Monat keine Abrechnung und das Geld wird auch nicht an einem festen Datum überwiesen, sondern innerhalb von 4 Wochen ab Abrechnungsdatum.

Das Geld von Amazon muss also reichen bis Ende Mai, falls keine neuen Designaufträge kommen. Ob da ein Besuch von Versailles drin ist, weiß ich noch nicht. Die Tickets für Schloss und Park sind ja nicht das Problem. Das sind 18 € für das Schloss und 12 € für den Park. Was richtig teuer kommt, ist der Campingplatz dort, denn da kosten 3 Nächte – also 2 Tage Aufenthalt – 96 €. Plus eine Nacht zuvor auf dem Camping Paris Est – 20 € – weil ich ja noch zur deutschen Botschaft fahren muss, um den neuen Personalausweis abzuholen. Macht zusammen 146 €. Das Schloss von Versailles steht schon so lange auf meiner Wunschliste ganz oben, aber irgendwie scheint es nie zu klappen, wenn ich mal in der Nähe bin. Immerhin konnte ich 2019 das Château Fontainebleau besichtigen, ein tolles Erlebnis!

Bleibt die Tour in dem Tempo wie bisher, müsste ich Mitte Mai in Namur in Belgien ankommen. Von da aus geht es auf den Eurovelo 5 über Brüssel an die Küste. Hier wechsele ich wiederum auf den Eurovelo 12, der an der Küste Belgiens, der Niederlande und Deutschlands bis nach Hamburg führt. Geschätzt Mitte bis Ende Juni müsste ich diese Stadt erreichen.

Der Verlauf der Eurovelos.
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11. April 2022, ein kleiner Rückblick auf die bisherige Tour.

Knapp 1000 Kilometer habe ich jetzt zurückgelegt. Abzüglich der auf Campingplätzen verbrachten Tage ergibt das einen Tagesdurchschnitt von 54 Kilometern. Für viele mag das nach nicht sehr viel klingen, aber meinen Einschränkungen entsprechend – schweres Gepäck, Anhänger und normales Fahrrad ohne elektrische Unterstützung sowie mein Asthma – ist das durchaus respektabel. Die Voraussetzungen für die diesjährige Tour waren alles andere als günstig. Ich hatte nur 3 Monate Zeit – im Winterquartier – um ein finanzielles Polster anzulegen, was mir aber leider nicht gelungen ist. Aufträge aus dem Designbereich sind immer noch zu wenige und Werbung mit Visitenkarten und Flyern unterwegs kann ich mir wegen der Druckkosten noch nicht leisten. Bücher schreiben sich nun mal nicht zwischen Tür und Angel. Sie benötigen Zeit und sehr viel Konzentration.

So habe ich im Winter wegen des Zeitdrucks etwas zu veröffentlichen, mich auf eine Novelle und drei Kurzgeschichten beschränkt. Diese haben nicht so viel Geld verdient, zudem waren es saisonale Geschichten, die auf den Winter zugeschnitten waren. Den ersten Roman veröffentlichte ich in diesem Jahr erst im Februar. Er verkauft sich sehr gut, aber Amazon zahlt Tantiemen immer erst 2 Monate nach dem Monat, in dem das Buch veröffentlicht wurde, aus. Das bedeutet, für diesen Roman kommen die Tantiemen am Ende diesen Monats auf mein Konto. Die Lücke hätten bestenfalls Designaufträge füllen können, aber leider bleiben die derzeit aus.

So startete ich als am 1. März schon mit wenig finanziellen Reserven, was ich auch auf die Qualität der Ausrüstung niederschlägt. Das Zelt, das ich in Bordeaux gekauft habe, ist schlicht Schrott, selbst bei diesem Preis von nur 30 €. Da bietet Decathlon bessere an. Leider kriegt man Trekkingzelte für eine oder zwei Personen frühestens ab Mai in den Sportgeschäften vor Ort. Das war das einzige, welches ich kaufen konnte. Probleme machen auch die Reifen, die ich Anfang März neu aufgezogen hatte. Die hatte ich online bestellt, weil es in der Gegend um mein Winterquartier keine Möglichkeit gegeben hatte, so etwas vor Ort zu kaufen.

Als ich die Reifen bekam, dachte ich mir bereits, dass das Profil dieser Trekkingreifen etwas schwach aussah, hoffte aber, dass sie so zwei Monate halten würden. Am Vorderreifen – der weniger Gewicht trägt – gibt es auch keine Probleme bisher. Der Reifen am Hinterrad aber ist jetzt schon stark abgefahren. So hatte ich gestern gleich zweimal einen Plattfuß, weil schon spitzer Schotter genügt, um den Schlauch zu beschädigen. Ich habe gestern Abend das Antipannenband wieder eingebaut. Hoffentlich hält es.

Witzig ist auch, dass anscheinend einiger meiner Kunden glauben, dass ich die Gestaltung ihrer Buchcover zu teuer anbiete. Dabei deckt ein einzelner Auftrag gerade mal meine Unkosten, und da rechne ich Aufenthalte auf Campingplätzen – quasi als Büros – gar nicht mit ein! Nur die Kosten für Software und Stockfotos. Als ich letzten Herbst meine Preise nach 2 Jahren um 20 € raufgesetzt habe, damit ich nicht draufzahle, verlor ich prompt Kunden. Sang- und klanglos.

Da kriegt man echt Depressionen. Nach dem Pechjahr 2021 – mein drei Monate alter Laptop ging kaputt und es dauerte sage und schreibe 4 Monate, bis ich von Amazon die Rückerstattung bekam – hatte ich gehofft, dass es in diesem Jahr besser läuft. Momentan sieht es leider nicht so aus. Ich fahre morgen in Amboise einen günstigen Campingplatz an, kann noch einmal Vorräte kaufen und das war es dann.

Klar, Durststrecken gibt es immer mal als freischaffende Künstlerin, aber mit Beginn der Pandemie summierte sich das auf – der Löwenanteil an meinem Angebot bezieht sich auf Werbegrafik – und Design, was hauptsächlich die Touristenbranche anspricht – und irgendwie sehe ich da wenig Licht am Ende des Tunnels. Zumindest mit dem Wetter hatte ich bisher Glück. Zwar gab es einige ungemütliche Tage, aber im Vergleich zum letzten Jahr deutlich weniger. 2021 fiel der Sommer in den Regionen, in denen ich unterwegs gewesen war, buchstäblich ins Wasser. Das war auch das erste Mal, dass ich an den Küsten leere Strände und kaum einen Campingplatz gesehen habe, der ausgebucht war. Im Hochsommer wohlgemerkt. Bei schönem Wetter kann ich die Aufenthalte auf Campingplätzen reduzieren und stattdessen wild kampieren. Das spart enorm Geld.

Ich hoffe, ich habe euch mit diesem Text nicht allzu sehr gelangweilt? So zu leben, wie ich es tue, hat natürlich auch Schattenseiten, das wusste ich, als ich 2012 im Oktober mit meiner Araberstute Ameera ausgewandert bin. Bereut habe ich es aber nie auch nur eine Sekunde. Gespannt bin ich aber schon darauf, wie es sein wird, wenn ich Frankreich zum ersten Mal verlasse und andere europäische Länder bereise: Belgien, die Niederlande und meine alte Heimat Deutschland!

Ab Briare an der Loire sind es dann der Eurovelo 3, 5 und 10, die ich dann entlangradele. Ich freue mich schon darauf, neue Routen und Landschaften zu entdecken.

12. März, Aufenthalt in Rochefort

Ursprünglich wollte ich heute weiterfahren, da es aber auch auf den nächsten Etappen keine Campingplätze gibt, die schon geöffnet haben, verlängere ich meinen Aufenthalt hier in Rochefort bis Dienstag. Laut Wetterbericht soll es dann auch stabiler mit dem Wetter werden: Wärmer, sonniger und weniger Regen. Na das hört man doch gerne! Zudem ist der Campingplatz hier mit 6,30 € pro Nacht sehr günstig und hat alles, was ich benötige, um arbeiten zu können.

Das verschafft mir die Zeit, mein aktuelles Manuskript zu Ende zu schreiben, Wäsche zu waschen und – vielleicht – kommt ja noch der eine oder andere Designauftrag reingeflattert.

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Bisher sind es 411 zurückgelegte Kilometer, die ich gefahren bin. Die kürzeste Etappe war die nach Rochefort mit nur 14 Kilometern die längste mit 78 Kilometern die von Bordeaux nach Carcans. Rechnet man die längeren Aufenthalte ab, enstpricht das einer Reisezeit von 7 Tagen und einer durhschnittlichen Etappenläge von 58, 7 Kilometern. Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt laut meinem Fahrradcomputer 14, 8 Kilometer pro Stunde.

Bevor ich zu dieser Tour aufgebrochen bin, plante ich, icht wieder an der Küste entlang auf der La Vélodyssée zu radeln, da ich davon ausging, dass im März dort mit Atlantikstürmen noch recht ungemütlich werden könnte. Es gibt da relativ wenig Schutz vor dem Wind. Zumal auch die Campingplätze alle noch zu haben.

Die Alterativroute wäre von La Rochelle aus die La Vélo Francette gewesen. Sie verläuft über Niort nach saumur an die Loire. Deutlich kürzer und – wie ich annahm – mit besseren Channcen auf geöffnete Campingplätze.

Doch da hatte ich mich geirrt. Nicht nur, dass es relativ wenige Zeltplätze auf der gesamten Strecke gibt, sie sind ebenfalls noch alle zu und öffnen frühestes ab Mitte April. Außerdem verläuft die Strecke ab Niort nur an Straßen entlang und es wird sehr hügelig. An Steigungen erwartet mich so etwas wie im letzten Jahr in der Bourgogne. Das waren aber nur 2 Tagesetappen gewesen. Die Vélo Francette würde 200 Kilometer durch hügeliges Terrain bedeuten, mit teils heftigen Steigungen.

Daher habe ich meine Päne geändert und fahre doch die längere aber deutlich leichtere Strecke an der Küste entlang nach Nantes und von da aus die Loire hoch. Das hat auch den Vorteil, dass ich diese Srecke bereits reht gut kenne, da ich sie das 4. Mal fahre. Plätze zum Übernachten zu finden, sollte dann leichter sein als auf der Alternativroute.

5. März 2022 – Aufenthalt in Bordeaux

Der Papierkram für den neuen Personalausweis ist glücklich erledigt! Zudem konnte ich während meines dreitägigen Aufenthaltes noch einen kleineren Designauftrag abwickeln. Teuer kommen mich diese drei Tage dennoch. Der neue Ausweis kostete stolze 76 €, mein Fahrrad musste reapiert werden – neuer Bremszug hinten – und ein neues Zelt musste ich ja auch kaufen. Dazu habe ich noch so ein Anti-Pannen-Band für Fahrradreifen gekauft. Das baue ich heute ein und teste mal, ob sie wirklich etwas bringen. Auf YouTube finden sich ganz uterschiedliche Aussagen und Testberichte darüber, aber 13 € sind keine große Summe, daher lohnt sich diese Ausgabe vielleicht. Das Hotel hat insgesamt für drei Nächte knapp 60 € gekostet. Ohne Frühstück versteht sich.

Morgen starte ich gegen elf Uhr auf eine kurze Etappe – je nachdem, wo ich einen Platz zum Schlafen finde – in Richtung Lancanau an der Küste. Das Hotel hier war ja teilweise echt ein Reinfall und die Gefahr, mich doch noch mit Covid anzustecken, so hoch, wie in den vergangenen zwei Jahren nicht! Winzige Zimmer mit acht! Stockbetten, alle belegt natürlich, und ein kleines Fenster, dass man Nachts aber ja nicht aufmachen darf, weil die Mitbewohner lieber in ihrem eigenen Mief schlafen? Lustig. Umbuchen ging leider nicht. Scheinbar sind diese Zimmer alle belegt, obwohl noch gar keine Saison ist. Das Hotel fungiert auch als Hostel, also Jugenherberge daher der günstige Preis pro Nacht. Bei diesen 19 € ist natürlich kein Frühstück dabei. Es gibt einen Aufenthaltsraum mit Ofen, Mikrowelle und Geschirr, in dem man essen und arbeiten kann. WiFi ist gratis, ein Pluspunkt, aber ich hatte schon Campigplätze, die günstiger und besser ausgestattet waren!

Den heutigen Tag werde ich noch dazu nutzen, um an meinem aktuellen Manuskript zu arbeiten. da bis Rochefort erst mal keinen Campingplatz mehr geöffnet hat, biwakiere ich die Nächte und suche zum Aufladen meiner Geräte und zum Arbeiten Café oder eine Bar auf. Die nächste Woche wird es wettertechnisch eher durchwachsen und ziemlich kühl, könnte also gelegentlich recht ungemütlich werden, vor allem an der Atlantikküste.