Spendenpool auf Gofundme

Wie viele meiner Kolleg:innen hat auch mich die Pandemie schwer getroffen. Zwar bin ich gesund geblieben, doch die Aufträge bleiben leider weiterhin aus. Seit 10 Jahren lebe ich nomadisch in Frankreich, tourte mit meinem Pferd und jetzt mit dem Fahrrad durch dieses schöne Land. Ein Leben abseits ausgetretener Pfade und recht sparsam, aber natürlich hat dieses Leben auch Schattenseiten, wenn das Geld für den Lebensunterhalt einfach nicht mehr reicht. Die Pandemie, Preisteuerungen, Reparaturen … und da ich längere Aufenthalte auf Campingplätzen nicht fianzieren kann, bleibt auch wenig Zeit, um Bücher zu schreiben und veröffentlichen.

Für den Winter sieht es momentan düster aus und ich hoffe, ich kann einige über diesen Spendenpool hier wenigstens das Nötigste zusammenbekommen. Das bedeutet, wenn schon kein Winterquartier, dann die richtige Ausrüstung: Ein Zelt für kalte Tage, Winterschlafsack etc. Das Fahrrad braucht auch noch einige Upgrades wie bessere Satteltaschen und kleinere Reparaturen. Aufträge wären mir natürlich lieber, aber meine Hauptkundschaft aus der Gastro- und Tourismusbranche kämpft ebenfalls ums Überleben. Ich bedanke mich im Voraus für jede Spende, und ja, auch kleine Spenden sind sehr willkommen!

https://gofund.me/27b41154

05. Mai 2022, Versailles Teil 2

Nun war heute also das berühmteste Schloss der Welt dran: Versailles! Mittelpunkt der Welt von Louis IV und seines riesigen Hofstaates. Viel gelesen habe ich über dieses Bauwerk. Nicht nur die architektonische Historie ist so interessant wie spannend. Noch mehr fasziniert mich die Geschichte der Menschen, die darin gelebt und gearbeitet haben, teils auch dort gestorben sind. Vom König selbst bis herunter zum geringsten Dienstboten: Sie haben einst das Schloss bevölkert. Geht man heute durch die Säle, Räume und Gemächer, so sieht man ein prachtvolles, aber totes Museum. Man kann sich kaum vorstellen, dass dort – in seiner Glanzzeit – mehr als 3000 Menschen gelebt haben. Im Schloss herrschte drangvolle Enge, weitaus mehr als heute durch Touristenströme. Apropos Touristen: Heute tummelten sich von ihnen mehr als gestern, doch es war noch erträglich. Problematisch wurde es für mich, als es in einigen Räumen eng wurde, weil mehrere geführte Gruppen dort alles blockierten. Ich vertrage wegen meines Autismus keinen Körperkontakt oder Menschenmengen. Zwei leichtere Panikattacken zwangen mich zu einer Pause auf einer der Ruhebänke, die praktischerweise ab und zu vorhanden waren.

Davon abgesehen war es für mich bereits das Highlight in diesem Jahr, das Schloss zu besichtigen. Allein diese wundervollen prächtigen Gemälde an Decken und Wänden! Möbel gab es hingegen nicht so viele zu bewundern. Richtig prachtvoll ausstaffiert waren die königliche Schlafgemächer mit Himmelbett und allem. Viele Marmorbüsten – und Statuen von Königen, Adeligen, dem Klerus und berühmten Schriftstellern, Künstlern und Architekten schmückten die Gänge. Um wirklich alles zu sehen, bräuchte man vermutlich ganze Tage!

Besonders angetan hatten es mir – aus historischem Interesse – die Räume und Gänge, die sich mit der napoleonischen Zeit beschäftigten. Prachtvolle Schlachtengemälde aller französischen Könige und Kaiser hingen in der Galerie des Batailles. Das war der letzte Teil auf der Besichtigungstour, bevor es wieder ins Freie ging. Draußen gönnte ich meinen Füßen und Nerven eine Pause, dann machte ich mich auf den Weg in den Garten.

Leider waren alle Brunnen – bis auf das Bassin de Mirroir – abgestellt, der Neptunbrunnen sogar komplett demontiert. Sehr schade. Es gab auch wenig an Blumen zu sehen im Vergleich zu den Gärten am Trianon. Diesen Rundgang absolvierte ich daher wesentlich schneller und verließ Château Versailles um halb drei. Um halb zehn hatte ich mit der Tour begonnen. Mein Fahrrad hatte ich davor noch zur Reparatur gebracht, dass konnte ich um 6 dann abholen. Neues Hinterrad, neue Reifen, neuer vorderer Bremszug, einen Komplettcheck und alles neu eingestellt: 300 €! Puuh. Gott sei Dank – ich bin wohl etwas blass geworden – bot mir der Inhaber der Werkstatt an, die Summe in 2 Raten zahlen zu können. Dafür ist mein Fahrrad jetzt wie neu und die verbauten Materialen qualitativ hochwertig. Morgen starte ich auf die nächsten Etappen des Eurovelos 3 weiter in Richtung Belgien.

04. Mai 2022, Versailles Teil 1 – Grand Trianon, Petit Trianon, Englischer und französischer Garten und das Hameau de Reine.

Mit dem Fahrrad radelte ich die knapp 4 Kilometer bis zum Château Versailles, parkte dort und machte mich dann auf den Weg zu Fuß zu meinen heutigen Zielen: Grand- und Petit Trianon und die Gärten. Erst aber ging es durch den riesigen Park. Ich konnte mir Zeit lassen, denn die beiden Schlösschen waren ab 12 Uhr offen für die Besichtigung. Anfang Mai war der Ansturm von Touristen noch nicht riesig, mir gelangen daher etliche Fotos ohne nervige Personen darin. Mit dem Petit Trianon machte ich den Anfang. Die Tour durch die Räume war schnell erledigt, danach besuchte ich die Gärten.

Der englische Garten war wunderschön angelegt mit teils alten Bäumen darin. Zum Beispiel eine 30 Meter hohe Platane, die 1798 gepflanzt wurde! Auch die Bäche und Flüsschen, Blumenbeete und viel grüner Rasen, bestanden mit Bäumen und Büschen, trugen zu dem schönen Gesamtbild bei. Auf schmalen gewundenen Wegen gelangte ich zum Hameau de la Reine, ein kleines Dorf, welches sich Marie Antoinette hatte errichten lassen, um darin die Rolle der naturverbundenen Schäferin zu spielen, wenn ihr das Protokoll im Château zu viel wurde.

Tiere gibt es auch heute noch dort. Schafe, Ziegen, Hasen und sogar Meerschweinchen tummelten sich in ihren gepflegten Gehegen. Die alten Häuschen mit ihren Dächern aus Riedgras und aus Fachwerk und Bruchsteinen erbaut, bildeten wahre Schmuckstücke inmitten dieses Idylls. Leider war der Miniatursee abgepumpt. In einem großen Bogen zurück steuerte ich das Grand Trianon an. Hier waren deutlich mehr Touristen, die sich durch die Räume drängten. Ich wartete, bis die größte Gruppe mit ihrer Besichtigung durch war und schlenderte anschießend selbst durch die prachtvoll ausgestatteten Zimmer und Flure. Hier hatten nicht nur Marie Antoinette und ihr Gemahl, Ludwig IV gewohnt. Auch die Bonapartes und Louis Philipp, der Bürgerkönig, richteten sich hier für eine Weile häuslich ein. Das resultierte in verschiedenen Einrichtungsstilen von Barock bis Belle Époque.

Danach ging es noch durch den französischen Garten, der im barocken Stil zurechtgestutzt war und einen großen Kontrast zum englischen, mehr naturbelassenen Garten, bot. Schön sind beide. Mit mehr als 130 Fotos – leider nur mit dem Handy geknipst, meine Kamera gibt wohl doch allmählich den Geist auf – machte ich mich auf den Weg zurück und gelangte über den Neptunbrunnen wieder auf den Schlossplatz. In einem Café gönnte ich mir einen Kaffee und meinen Füßen eine Pause. Anschließend kaufte ich noch ein paar Lebensmittel ein und suchte ein Fahrradgeschäft auf. Mit dem Inhaber vereinbarte ich für morgen früh, wenn ich das Château besichtige, dass er das Hinterrad komplett austauscht und einen allgemeinen Check durchführt. Schließlich liegen noch etwa 3000 Kilometer vor uns, da will ich nicht, dass mein tapferer Drahtesel unterwegs zusammenbricht!

24. April 2022, Etappenplanung und Arbeit während der 2-wöchigen Pause in Ouzouer-sur-Trézée

Der Campingplatz hier ist nicht nur sehr günstig. Es ist schön ruhig hier, ich habe gratis WiFi und einen Platz in einem Pavillon, wo ich gut arbeiten kann. Viel los ist an der Strecke des Eurovelos 3 noch nicht. Auf dem Loire-Radweg traf ich schon deutlich mehr andere Radwanderer. Neben der Arbeit am aktuellen Manuskript „Die Einsamkeit des Kranichs“ und dem Gestalten von neuen Premade-Covern plane ich bereits die nächsten Etappen. Bis Paris sind es jetzt noch 213 Kilometer. Das Wetter soll erst mal schön bleiben, ab Mai etwas kühler. Und es ist viel zu trocken. Der angekündigte Regen ist auch diesmal fast gänzlich ausgeblieben.

Auf dem Eurovelo 3, de „La Scandiberique“ geht es ab dem 30. April oder 3. Mai – das hängt davon ab, wann die Tantiemen auf meinem Konto gebucht werden, normalerweise immer am 29. Das ist aber in diesem Monat ein Freitag, was bedeutet, dass es möglicherweise erst am folgenden Montag gebucht wird – weiter in Richtung Paris. Das nächste Etappenziel ist Montargis, wo ich 2 Tage auf dem dortigen Campingplatz bleiben werde, um meine Ausrüstung zu ergänzen oder neu zu kaufen. Das wären:

  • Die komplette Sommergarderobe inklusive Schuhe, denn meine fällt jetzt wirklich fast auseinander.
  • Neue Reifen für das Fahrrad, eventuell – wenn es nicht zu teuer wird – lasse ich das Hinterrad gleich ganz austauschen. Da sind im letzten Jahr 4 Speichen gebrochen.
  • Ein anderes Zelt.
  • Eine selbstaufblasende Isomatte, die nicht so sperrig ist, wie die, die ich seit Dezember habe.
  • Eine zweite Powerbank.
  • Eventuell einen neuen Rucksack.
  • Neues Kochgeschirr.
  • Zwei Rechnungen sind noch offen.

Da werden sicher insgesamt 400 € fällig werden. Bleiben noch etwa 420 übrig, da sind die Tantiemen aus den Tolino Media-Shops noch nicht mit eingerechnet. Wegen technischer Probleme gibt es diesen Monat keine Abrechnung und das Geld wird auch nicht an einem festen Datum überwiesen, sondern innerhalb von 4 Wochen ab Abrechnungsdatum.

Das Geld von Amazon muss also reichen bis Ende Mai, falls keine neuen Designaufträge kommen. Ob da ein Besuch von Versailles drin ist, weiß ich noch nicht. Die Tickets für Schloss und Park sind ja nicht das Problem. Das sind 18 € für das Schloss und 12 € für den Park. Was richtig teuer kommt, ist der Campingplatz dort, denn da kosten 3 Nächte – also 2 Tage Aufenthalt – 96 €. Plus eine Nacht zuvor auf dem Camping Paris Est – 20 € – weil ich ja noch zur deutschen Botschaft fahren muss, um den neuen Personalausweis abzuholen. Macht zusammen 146 €. Das Schloss von Versailles steht schon so lange auf meiner Wunschliste ganz oben, aber irgendwie scheint es nie zu klappen, wenn ich mal in der Nähe bin. Immerhin konnte ich 2019 das Château Fontainebleau besichtigen, ein tolles Erlebnis!

Bleibt die Tour in dem Tempo wie bisher, müsste ich Mitte Mai in Namur in Belgien ankommen. Von da aus geht es auf den Eurovelo 5 über Brüssel an die Küste. Hier wechsele ich wiederum auf den Eurovelo 12, der an der Küste Belgiens, der Niederlande und Deutschlands bis nach Hamburg führt. Geschätzt Mitte bis Ende Juni müsste ich diese Stadt erreichen.

Der Verlauf der Eurovelos.
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