22. Mai, Etappe von Montech nach Valence d’Agen

Nachdem es abends noch bis in die Nacht kräftig geregnet hatte, zeigte sich auch der heutige Tag windig, grau und kühl. Da die Etappe heute kürzer ausfiel, konnte ich mir morgens Zet mit dem Packen und Frühtsück nehmen. Außer mir hatten noch eine vierköpfige Gruppe und ein Pärchen hier campiert. Ich staunte nicht schlecht, als alle sechs sich in den kleinen Augenthaltsraum quetschten, um dort zu frühstücken. Fenster und Tür natürlich zu und alle ohne Maske. Dieses Verhalten wird mir wohl leider noch öfter begegnen. Als wäre die Pandemie wie durch ein Zauberwort, weil überall geöffnet und gelockert wird, einfach vorbei.

Ich zog es vor, im Zelt zu frühstücken, packte später und startete 11.15 auf die Etappe nach Valence d’Agen. Den dortigen Campingplatz hatte ich schon einige Male besucht. Er liegt schönruhig, ist sehr sauber und gepflegt und mit 6,00 € pro Nacht (ohne Strom), auch günstig.

In Montech hielt ich noch an einer Apotheke und einem Bankautomaten. Einige Campingplätze auf meiner Strecke nehmen nur Schecks und Bargeld. Das erste Ziel auf dieser Etappe sollte der Intersport in Castelsarrasin sein. Ich musste noch meine Ausrüstung ergänzen. Es wurde 15.00, bis ich wieder unterwegs war. Mit ordentlich Gegenwind radelte ich bis Moissac, wo ich an der Uferpromenade eine kurze Pause für einen Snack einlegte.

22.Mai, Etappe von Montech nach Valence d'Agen

Dann ging es auf die letzten 16 Kilometer nach Valence d’Agen. Bei Moissac bildet der Kanal eine große Schleife, führt dann über Malause und Pommevic in sanften Bögen nach Valence d’Agen. Um 17.15  erreichte in den Campingplatz. Hier gab es deutlich mehr Gäste, als auf den anderen davor. Zumeist welche mit Wohnmobil, aber auch ein paar Radwanderer. Die morgige Etappe nach Serignac-sur-Garonne wird ähnlich kurz und leicht zu fahren sein.

20. Mai, Etappe von Montgiscard nach Montech

Nach vier Tagen Pause, das Wetter war unterirdisch schlecht mit Dauerregen, Kälte und Wind, ging es heute weiter auf die nächste Etappe. Um 9.00 startete ich bei noch recht frischen 13 Grad, aber blauem Himmel und Sonne pur. Ziel sollte der Campingplatz in Montech sein. Ich hatte die Pause genutzt, noch einiges am Fahrrad zu schrauben und in diesem Jahr begleitete mich ab heute auch ein kleiner Computer am Lenkrad. Er misst die gefahrene Strecke, die Zeit, die Geschwindigkeit und einiges mehr. Bislang hatte ich die Kilometerzahl pro Etappe von Google Maps genommen oder die Angaben auf den Hinweisschildern der Radwanderwege. Wirklich genau war das aber nie.

Natürlich wäre so ein Computer plus Kartennavigation das Nonplusultra gewesen, aber 300 Öcken kann ich nicht dafür locker machen. Vielleicht nächstes Jahr. Ich war schon froh, dass ich mir in diesem Frühling einiges neu kaufen konnte, unter anderem einen neuen Laptop der wesentlich leichter, schneller und mit längerer Akkulaufzeit ausgestattet ist, als der alte.

Bis Toulouse ging es noch eher langsam voran, da der Weg teilweise recht holprig war. Durch die Stadt durchzufahren, immer entlang des Kanals, gestaltete sich in diesem Jahr flüssig, da keine Baustellen zu Umwegen zwangen. Der Kanal führte am Bahnhof vorbei, durch das Universitätsviertel zum Hafen, wo der Canal du Midi endet und der Canal lateral a la Garonne beginnt. Zusammen bilden sie den Canal de deux mer und auch der Radwanderweg heißt so.

20. Mai, Etappe von Montgiscard nach Montech

Man merkt, dass der zweite Kanal später gebaut wurde, denn er ist deutlich begradigter und breiter, während der Canal du Midi – Baubeginn 1647 – gewundener und mehr einem natürlichen Lauf folgt. Dafür lässt es sich aber auf dem Radwanderweg zügig fahren. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal – seit einigen Jahren – sind die Platanen, die den Kanal säumen. Ab Carcassonne bis nach Bezier mussten fast alle Bäume gefällt werden, wegen einer Pilzerkrankung, während in der Gegenrichtung die meisten nich stehen. Diese alten Bäume bieten nicht nur einen wunderschönen Anblick, vor allem im Frühling und Herbst, sie spenden auch im Sommer reichlich Schatten.

Die Strecke verlief über Blagnac, Saint-Jory, Pompignan, Saint-Justice und Montbartier nach Montech. Den Campingplatz dort fuhr ich in diesem Jahr zum ersten Mal an. Andere Radwanderer traf ich viele an – fast alle fuhren gen Süden – dennoch war es noch recht still auf dem Radweg. In der Hochsaison sieht das schon anders aus. Vor allem in Toulouse kommt man dann nur noch im Schritttempo voran!

Mit einigen Pausen kam ich gut voran und erreichte Montech um 16.00. Gefahrene Kilometer: 77. Der Campingplatz ist günstig – 7,50 pro Nacht für Radwanderer – und sehr schön ausgestattet. Es gibt sogar einen Waschplatz für Fahrräder, den ich morgen nutzen werde. Einen Tag bleibe ich hier und kann dann auch noch an meinem aktuellen Manuskript arbeiten.

14. Mai, Etappe von Villepinte nach Avignonet-Lauragais

Ich frühstückte gemütlich und wartete eine Pause zwischen zwei heftigen Regengüssen ab, bevor ich zusammenpackte und auf die nächste Etappe startete. Die zwie vorherigen Etappen spürte ich immer noch in meinen Knochen, geschlafen hatte ich zwar lange, aber nicht erholsam. Da war es ein Segen, dass der nächste Campingplatz nur 29 Kilometer entfernt lag. Leider konnte man dort nur mit Bargeld oder Schecks bezahlen, und es gab weit und breit keinen Bankautomaten, also rief ich an und meldete mich für nur eine Nacht an.

Die Strecke am Kanal entlang befuhr ich nun zum sechtsen Mal mit dem Fahrrad, daher kannte ich da mittlerweile so gut wie jeden Baum, aber auch die günstigen Campingplätze und wo man wild campen konnte. Aufregendes passierte nicht, außer, dass es immer wieder kurze aber kräftige Regenschauer gab. Ich radelte langsam und machte viele Pausen. In Castelnaudary legte ich beim Aldi einen kurzen Stopp ein, um frischen Proviant einzukaufen.

Hatte ich auf meinem Weg durch die Ausläufer der Pyrenäen kaum Radwanderer angetroffen, so änderte sich das am Canal du Midi. Die meisten von ihnen fuhren jedoch gen Süden. Die Glücklichen, denn der stürmische Wind kam von Westen. Soll heißen, ich hatte die ganze Zeit Gegenwind.

Tagesetappe 14. Mai

Der kleine, aber sehr schöne Campingplatz lag etwa einen Kilometer vom Kanal entfernt in einer Senke. Die Betreiber waren freundlich, eine Übernachtung mit Strom kostete gerade mal sieben Euro und die sanitären Anlagen waren picobello sauber. Nur mit der Maskenpflicht hielt sich hier keiner lange auf. Ich war die einzige, die eine trug. Diese Erfahrung hatte ich auch schon im letzten Jahr gemacht, gerade auf Campingplätzen.

Da mein Bargeld nur für diese Nacht reichte, wollte ich morgen, etwa ab spätem Vormittag sollte der Regen nachlassen, zum nächsten Campingplatz vor Toulouse fahren und dort bis Montag bleiben.

13. Mai, Etappe von Carcassonne nach Villepinte

Nach einer etwas unruhigen Nacht, es goss weiterhin wie aus Kannen, doch hatte ich einen überdachten Unterschlupf gefunden, brach ich nach einem Kaffee und immer noch müde von der gestrigen Etappe wieder auf. Das Ziel war Mirepoix, auf dem dem dortigen Camingplatz wollte ich ursprünglich nur eine Nacht bleiben, aber der Wetterbericht sagte ab Freitag Sturmböen bis 80 kmh vorher und heftige Gewitter. Zudem sollte sich das schlechte Wetter bis Montag halten. Keine guten Aussichten.

Für heute jedoch sollte es noch schön sonnig und warm werden, wenn auch ganz schön windig. Mein erstes Ziel auf der Strecke war der Decathlon, wo ich noch weitere Ausrüstung erstehen wollte. Zwar waren wegen des Feiertages die meisten Geschäfte geschlossen, der Decathlon hatte glücklicherweise geöffnet, wenn auch nur die Fahrradabteilung für die Radtouristen.

Danach war es fast schon Mittag, bis sich auf die eigentliche Strecke fuhr. Da ich natürlich keine Hauptstraßen nehmen wollte, führte mich die Route im Zickzack erst zurück an die Aude, dann über kleine Dörfer und Weiler wie Lavalette und Arzens nach Montréal. Nicht das in Kanada! Hier gab es einen kleinen Campingplatz, der wegen Corona jedoch geschlossen blieb.

Durch die langen Anstiege bis hierher, die ich teilweise laufend bewältigte – Asthma und mehr als 15 Kilo Gepäck vertragen sich nicht sonderlich gut – geriet nicht nur mein Zeitplan in Gefahr. Bis Mirepoix waren es noch knapp 30 Kilometer, die ich auf keinen Fall heute mehr schaffen würde. Dazu noch die düstere Wetterprognose … So sehr ich die Strecke mindestens bis Foix, die ich vor acht Jahren zusammen mit meinem Pferd gewandert war, befahren wollte: Meine Lungen waren deutlich anderer Ansicht.

Daher fällte ich die Entscheidung, an den Canal du Midi zurückzufahren. Dort würde ich auch leichter einen Zeltplatz für die Nacht finden, denn der nächstgelegene Campingplatz in Castelnaudary öffnete seine Pforten erst am 1. Juni. Von Montréal aus winkte ich den Bergen noch einmal zu und radelte dann – abwärts, Gott sei dank – über Bram an den Kanal. Hinter der Schleuse von Villepinte fand ich eine ruhigen und wettergeschützten Platz zum Zelten.

Tagesetappe 13. Mai

Kaum hatte ich alles aufgebaut, fing es auch schon wieder an zu regnen. Müde krabbelte ich ins Zelt, aß eine Suppe und etwas Brot und kroch dann in den Schlafsack. Morgen wollte ich, da das Wetter anhaltend schlecht bleiben würde, auf den nächstgelegenen Campingplatz bei Avignonet-Lauragais fahren und bis Montag bleiben.

12. Mai, Etappe von Ventenac-en-Minervois nach Carcassonne.

Da ich die ursprüngliche Strecke umgeplant hatte, sie dadurch deutlich weniger Kilometer haben sollte, startete ich heute morgen erst um 09.00 Uhr. Ich wollte entlang des Canal du Midis über Trèbes nach Carcassonne fahren, dort noch im Intersport ein paar Dinge besorgen und dann zum Campingplatz nach Palaja weiterfahren.

Das Wetter war herrlich, sonnig, etwas windig und Regen wurde nicht angekündigt. Der erste Teil der Strecke, die ich von den Touren 2018/19 bereits kannte, verlief erwartungsgemäß gut. Natürlich musste ich mich erst wieder daran gewöhnen, mit vollem Gepäck zu fahren und daran, dass ein Anhänger hinten mitlief.

Die erste außerplanmäßige Streckenänderung gab es dann hinter Argen-Minervois. Der Radwanderweg war dort gesperrt, wegen Bauarbeiten. Ich hatte nun die Möglichkeit, auf die Route Départemental auszuweichen oder einen anderen Radwanderweg zu nehmen. Die Hauptstraßen mied ich, wann immer es ging, und diese hier besaß auch keinen Seitenstreifen, auf dem ich gefahrlos hätte radeln können.Klatschmohn auf einer Wiese

Also nahm ich einen Umweg durch die Hügellandschaft in Kauf, zudem war sie auch schön zu fahren und mit wenig Verkehr. Als ich jedoch wieder am Kanal ankam, sah ich schon die nächste Baustelle und Sperrung. Ein Arbeiter sagte mir, dass der gesperrte Abschnitt bis fast nach Marseillette reichte. Ich fand auch hier einen alternativen Radweg, doch der führte mich weit aus meiner geplanten Richtung und bedeutete schlussendlich, als ich hinter Marseillette ankam, eine mehr als zweitstündige Verspätung.

Mein Plan, bis Carcassonne zu fahren, wo ich im Baumarkt und Intersport noch einkaufen wollte, und danach erst zum Campingplatz in Palaja, zerschlug sich daher. Einen Bricomarché fand ich auch in Trèbes, wohin ich etwa noch eine Stunde brauchte. Ich beschloss, von da aus zum Campingplatz zu fahren. Das sollten, laut Google Maps nur elf Kilometer sein.

Bis ich diese in Angriff nehmen konnte war es bereits siebzehn Uhr vorbei. Nachdem ich Trèbes hinter mir gelassen hatte, wurden die Wege deutlich schlechter. Und vor allem steiler. Streckenweise musste ich absteigen und schieben, sei es, weil ich keinen Platten auf dem groben Schotter riskieren wollte, oder wegen meines Asthmas, denn es ging bereits hier ordentlich bergauf. Das gesamte Gepäck besitzt ein Gewicht von etwa 15 Kilo, die wollen ja irgendwie bewegt werden! Mein Tempo war jedenfalls sehr langsam und dann bekam ich auch kein Netz mehr, sodass ich quasi im Blindflug unterwegs war.

Natürlich verfuhr ich mich grandios und natürlich wurde das Wetter schlecht. Ein Sturm zog auf, so schnell, dass ich mir keine Zeit blieb, irgendwo einen Unterschlupf zu finden. Die heftigen Böen machten das Vorwärtskommen zusätzlich schwer. Irgendwann erreichte ich den Rand eines Ortes, wusste aber nicht, wo ich mich eigentlich befand und das Netz war weiterhin zu schlecht, als dass ich Google befragen konnte. Ein Passant, den ich fragte, sagte es mir dann. Die Siedlung lag am Rande des Gewerbegebietes von Carcassonne. Ich war also irgendwo in den Hügeln falsch abgebogen und in die komplett gegensätzliche Richtung gefahren. Der Campingplatz fiel jetzt natürlich flach, zudem war es schon neunzehn Uhr, es galt ja immer noch die Ausgangssperre.

Ich machte mich daher auf die Suche nach einem passenden Zeltplatz für diese Nacht. Es goss immer noch wie aus Kannen und natürlich jetzt kaum noch Menschen an. Zwei Versuche, einen Platz zu finden, ich fragte zwei Hausbesitzer, schlugen fehl. Erst eine Stunde später fand ich einen, sogar gut geschützten, Platz und krabbelte eine halbe Stunde später müde in mein Zelt.