07. Juli, Etappe von Bourgenay nach Les Sables-d’Olonne

In der Frühe kam ein kräftiger Schauer herunter, aber danach kam die Sonne heraus und es wurde sogar so warm, dass ich heute mal wieder in Radlershorts fahren konnte. Geplant hatte ich den Start um 9.00, da die Strecke heute etwas länger werden würde und auch reichlich hügelig. Als ich jedoch den Anhänger inspizierte, stellte ich fest, dass der rechte Reifen erneut platt war. So langsam gab mir das Ding echte Rätsel auf. Das Flicken des Schlauchs war schnell erledigt, dennoch kostete es mich eine halbe Stunde.

Der erste Teil der Strecke verlief unterhalb von Talmont-Saint-Hilaire und führte durch die Marais an die Küste. Der Atlantik zeigte sich tiefblau, gesprenkelt mit Segelbooten. Der kräftige Wind sorgte für Schaumkronen auf den Wellen und das Wasser brach sich an den Felsen. Ich werde es wohl nie müde werden, das Meer – egal ob Atlantik oder Mittelmeer – zu betrachten. Die Schreie der Möwen, der Geruch nach Fisch und Tang … Ich liebe das einfach.

Durch Les Sables-d’Olonne war es nicht so schön zu fahren, trotzdem der Radweg separat von der Fahrbahn verlief, denn viele Autofahrer betrachteten ihn als Parkplatz oder mussten unbedingt auf Engpässen überholen. Ich war deswegen froh, die Stadt hinter mir zu lassen und dem Radwanderweg durch Wald, Marais und Dünen zu folgen. es gab viel Gegenverkehr – die meisten Radwanderer fahren in den Süden – und gelegentlich musste ich bremsen oder ausweichen, weil ein Radfahrer oder eine Radfahrerin viel zu schnell fuhr. Einmal wäre mir fast jemand frontal reingerauscht, weil er – anstatt auf den Weg – auf sein Smartphone starrte. Hab ihn in drei Sprachen verflucht, aber ich denke, er hat es verstanden.

07. Juli, Etappe von Bourgenay nach Les Sables-d'Olonne
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Mit einigen, auch mal längeren, Pausen fuhr ich die knapp 48 Kilometer in einer – gemessen an meiner Kondition, dem Asthma und dem Gewicht von Anhänger und Gepäck – in einer recht passablen Zeit von sieben Stunden. Ich erreichte den Campingplatz um 16.38. Morgen habe ich eine kürzere, aber auch wieder hügelige

06. Juli, Etappe von La Tranche-sur-Mer nach Bourgenay

Gefahrene Kilometer: 46,83

In der Nacht rauschte ein heftiges Gewitter über dem Campingplatz weg, der Morgen zeigte sich dann aber trocken und sonnig, wenn auch sehr windig. Nach einem Frühstück und einem kleinen Plausch mit den nierderländischen Nachbarn – die ihre Radwandertour wegen des anhaltend schlechten Wetters abbrechen wollten – startete ich um 10.00 auf die nächste Etappe. Sie war mir geschätzt 46 Kilometern deutlich kürzer als die gestrige, sodass ich hoffte, schon am Nachmittag am Ziel einzutreffen. Aber natürlich kam es anders …

06. Juli, Etappe von La Tranche-sur-Mer nach Bourgenay

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Bei einem Zwischenstopp nach 10 Kilometern an einem Supermarkt stellte ich fest, dass der rechte Reifen des Anhängers erneut platt war. Glücklicherweise befand sich neben dem Supermarkt auch ein Sportgeschäft mit Fahrradzubehör, in dem ich einen Schlauch mit 16″ kaufen konnte. Das Austauschen ging schneller, als das Loch zu suchen und zu flicken. Dennoch kostete es mich Zeit. Der kräftige Gegenwind verlangsamte mein Reisetempo und ab La Tranche-sur-Mer wechselte der Radwanderweg von der Straße auf einen Schotterweg durch den Wald. Autofrei, schön zu fahren, aber hügelig. Die reinste Buckelpiste. Dafür spürte ich hier den Wind kaum.

Irgendwo musste ich dann auch noch eine Abzweigung verpasst haben, denn ich kam – anstatt in Saint-Vincent-sur-Jard, in Longeville-sur-Mer aus. Der Radwanderweg bot hier nämlich mehrere Routen an. Nach einem kleinern Umweg von 4 Kilometern fand ich auch wieder zurück auf meine ursprüngliche Strecke. Von da aus ging es durch Jard-zur-Mer durch und ich durchquerte anschließend die Marais vor Bourgenay, eine sehr schöne Landschaft und Vogelschutzgebiet.

Um 17.45 traf ich dann auf dem Campingplatz „Camping L’Espérance“ ein. Er liegt am Ortsrand, ist relativ ruhig und mit 11 € günstig. Zudem sind es nur wenige hundert Meter, um auf den Radwanderweg zurückzufahren. Morgen geht es nach Givrand weiter.

05. Juli, Etappe von L’ile d’Elle nach La-Tranche-sur-Mer

Gefahrene Kilometer: 52.75

Nach 17 Tagen Leben im Zelt bei Dauerregen dauerte es heute morgen natürlich länger, bis alle Sachen wieder ordentlich verpackt und an ihrem Platz am Fahrrad und im Anhänger gefunden hatten. Der sehr kräftige Wind in den Nachtstunden hatte etwas nachgelassen. Der Himmel war bewölkt und es sollten heute auch nur 21 Grad werden. Dennoch blies der Wind noch ganz schön und ich würde bis zur Küste gegen ihn fahren müssen.

Die Strecke heute führte von L’ile d’Elle über Marans zurück auf den Radwanderweg La Vélodyssee. Vom Hafen aus ging es dann über einen Schotterweg am Canal Maritimes nach Saint-Michel-en-L’Herm und in einem Bogen über La Dive an die Küste. Streckenweise war der Weg mit dem Gespann kniffelig zu fahren, weil er teilweise gerade mal so breit wie das Fahrrad war und rechts und links Gras und Unkraut wucherte.

05. Juli, Etappe von L'Ile d'Elle nach La Tranche-sur-Mer

Die Landschaft zeigte sich bis zur Küste typisch für die Vendée: Viel Ackerbau, Weiden und Rinder und Sonnenblumenfelder, kaum Baumbestand. Nicht gerade fotogen, schon gar nicht bei diesem Wetter. Andererseits war ich froh, diese Strecke nicht, wie auf der Radwandertour 2018, bei Bruthitze fahren zu müssen!

Von La Dive aus besserte sich der Weg und wie vermutet, hatte ich von L’Aiguillon-sur-Mer aus den Wind im Rücken. Bis zum Campingplatz in La Tranche-sur-Mer waren es dann nur noch knapp 8 Kilometer. Statt wie gedacht um 16.00 traf ich bereits eine halbe Stunde früher ein. Genug zeit also, um zu duschen und in einer naheglegenen Epicerie noch Proviant einzukaufen. Morgen würde ich in Jard-surMer an einem großen Supermarkt halt machen können, der direkt am Radwanderweg liegt.

20. Juni, Campingplatz Le Petit Booth in L’île d’Elle

Das Wetter wechselt sich ab mit Regengüssen, Gewittern und ab und zu mal eine Pause dazwischen, die ich für eine kleine Fotoexpedition genutzt habe:

20. Juni, Campingplatz Le Petit Booth-2

18. Juni, Etappe von La Rochelle nach Marans

Gefahrene Kilometer: 36,21

Der Campingplatz in La Rochelle war für einen längeren Aufenthalt bei schlechtem Wetter für Radwanderer weniger geeignet. Es gab kein überdachten Plätze, wo man sich hätte hinsetzen können, auch das Aufladen von Smartphones in den Sanitäranlagen wurde ungern gesehen, aber einen Platz mit Strom konnte man dort nur mit einem Wohnmobil buchen. Natürlich zu einem entsprechenden Preis.

Daher entschied ich mich, da der Wetterbericht für das komplette Wochenende heftige Gewitter und viel Regen vorhersagte, auf einen anderen Campingplatz zu fahren. Dieser lag einige Kilometer außerhalb von Marans. Dorthin fuhr ich auf dem Radwanderweg, der La Velodyssée oder dem Eurovelo 1, bis zum Hafen. Von da aus folgte ich einem anderen Radwanderweg – La Vendée à Vélo – durch den Ort durch, am Fluss Sèvre Niortaise entlang und durch L’île-d’Elle bis zum Campingplatz.

18. Juni, Etappe von La Rochelle nach Marans

Die Lage war sehr ruhig und idyllisch, der Platz mit allem ausgestattet, was ich benötigte und mit 6 € pro Nacht auch günstig. Zwar würden vier Nächte denoch mein Budget strapazieren, dass sich auf nur noch klägliche 50 Öcken belief, aber ich aß lieber etwas weniger, als bei so einem Wetter ungeschützt radeln und biwakieren zu müssen.

Die Campingplätze an der Küste sind nun mal sehr teuer, viele von denen bieten nicht einmal Zeltplätz an, nur Ferienwohungen und Stellplätze für Wohnmobile. Radwanderer sind nicht die zahlungskräftige Klientel, auf die solche Campingplätze aus sind! Zudem ist das Gelände hier sehr offen. Schutz vor Sonne oder Gewittern findet man da kaum.

16. Juni, Etappe von Rocheford nach La Rochelle

Da der Wetterbericht für heute auch noch sehr heiß vorhergesagt hatte, und am Nachmittag Gewitter, startete ich schon früh auf die Etappe, nämlich um 8.00. Tja, da lag der Wetterfrosch aber gehörig daneben! Statt Sonne und warm, zog sich der Himmel vom Meer her immer mehr zu und es fing bereits nach einer halben Stunde Fahrt, an zu regnen.

Zuerst sah es ao aus, als käme da kräftig was herunter, doch es blieb bei leichtem Regen. Bei etwas über 20 Grad war das sogar recht angenehm und ich konnte wesentlich zügiger und mit weniger Pausen fahren, als wenn es wie gestern, brütend heiß gewesen wäre.

16. Juni, Etappe von Rocheford nach La Rochelle

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Der Radwanderweg führte zudem heute durch weitesgehend offenes Gelände ohne Baumbestand. Allerings boten sich auch kaum Motive für schöne Fotos. La Rochelle erreichte ich gegen 14.00 und gefahrenen knapp 50 Kilometern. da die rezeption des Campingplatzes noch geschlossen hatte, blieben mir 2 Stunden Zeit, La Rochelle zu besichtigen. Hauptsächlich den alten Hafen. Zwar radele ich diese Strecke schon zum dritten Mal, aber La Rochelle ist immer sehenswert. Ich gönnte mir noch eine Dosis Koffein und fuhr um 16.00 zum Campingplatz zurück. Ich buchte mich für eine Nacht ein, sollte das Wetter morgen wirklich so schlecht werden, wie gemeeldet, bleibe ich einen Tag. das ist dann der letzte Campingplatz, den ich mir vorerst leisten kann. Mein Budegt ist arg geschrumpft und die Plätze an der Küste sind schweineteuer.

15. Juni, Etappe von Marennes nach Rocheford

Nach 4 Tagen Pause, die ich zum Arbeiten am aktuellen Manuskript verwendet habe, brach ich heute um 10.15 auf. Da war es in der Sonne schon unangenehm heiß und das am Vormittag. Die Etappe nach Rocheford verlief auf dem ersten Teilstück durch die Marais von Marennes, ein großes Vogelschutzgebiet. Hier kann man Störche, Reiher, Enten, Bläßhühner und andere Wasservögel beobachten. Leider war keiner der gefiederten Freunde so nett und posierte für meine Kamera!

15. Juni, Etappe von Marennes nach Rocheford

Zwischendurch, kurz. bevor der Radwanderweg an den Kanal de Charente führte, gab es ein Stück des Weges, der neu augeschottert und gewalzt wurde. Da konnte man natürlich nicht mehr fahren, ich wich also auf den breiten und glücklicherweise gemähten Randstreifen aus.

Einen jungen Kautz fotografierte ich, der am Rand des Weges im Gras hockte, offensichtlich verletzt. Ein Paar, welches mit einem Tandemfahrrad die Gegenrichtung befuhr, sagten mir, dass sie, sobald sie in Marennes angekommen wären, jemanden benachrichtigen würden, der sich um den armen Vogel kümmern könnte.

Ab Bellevue spendeten Bäume am Radwanderweg dann Gott sei Dank mehr Schatten, denn es wurde heißer und heißer. Ich musste viele kleinere Pausen einlegen, wollte ich keinen Hitzschlag erleiden! Leider radelte ich ab Carabiot wieder durch offenes Gelände, aber jetzt hatte ich nur noch 10 Kilometer bis zum Campingplatz am Rande von Rocheford. Ihn erreichte ich um 16.30. Zwar stand auf dem Schild am Eingang :Complet, was hieß, dass der Campingplatz voll war, doch für Radwanderer war noch Platz. Mit 7,33 € eine sehr günstige Übernachtung.

Nach einer kalten Dusche ging es mir besser, und nachdem ich 3 Liter Wasser getrunken hatte, verschwanden auch die Kopfschmerzen. Morgen wird die Strecke länger )etwa 50 Kilometer, je nachdem, wo ich campiere) und ab Donnerstag sind schwere Gewitter gemeldet. Da soll es dann auch etwas abkühlen.

11. Juni, Etappe von Saint-Palais-sur-Mer nach Marennes

Gefahrene Kilometer: 43,97

Nachdem ich unerklärlicherweise schon um vier Uhr in der Früh wach wurde und auch nicht wieder einschlafen konnte, nutzte ich die Zeit, etwas zu schreiben und, sobald es hell wurde, den Reifen zu reparieren, respektive den Schlauch.
Ich überprüfte ihn auf Löcher, fand aber keine. Probehalber baute ich das Rad wieder ein, pumpte den Reifen auf und schaute immer wieder mal nach, während ich zusammenpackte, ob er Luft verlor. Tat er nicht. Ich hoffte, dass das so blieb und startete um 11.00.

11. Juni, Etappe von Saint-Palais-sur-Mer nach Marennes


Es war jetzt schon sehr heiß, aber ein großer Teil der heutigen Etappe führte durch Wald. Am nächsten Supermarkt deckte ich mich noch mit frischem Obst, soweit Tomaten und Gurken ein. Einige Kilometer weiter kaufte ich bei einer Bäckerei Maisbrot. Auffällig auch hier an der Atlantikküste in den Touristengebieten: Die Hauptsaison hat noch nicht begonnen und die meisten Campingplätze sind noch recht leer. Auch an den Stränden tummeln sich nur wenige Menschen. Das Wasser ist noch zu kalt, zum Baden. Nur einige Mutige wagen sich in die Fluten.
Auf dem Radwanderweg, den ich 2018 und 2019 im Hochsommer befahren hatte, kamen mir ebenfalls, wie schon seit Toulouse, kaum andere Radwanderer entgegen. Dafür radelten viele Ausflügler und Rennradsportler durch die Gegend.
Die Strecke war hügelig, es ging andauernd rauf und wieder runter, und teilweise war der Radweg auch sehr holprig, was mein Gespann ganz schön beanspruchte. Der Reifen, der gestern platt war, hielt aber.
2 Kilometer vor dem Leuchtturm gabelte sich dann der Radwanderweg und ich studierte die Hinweisschilder. Von hier aus konnte ich ebenso auf einem kürzeren, deutlich hügeligeren, Radweg nach La Tremblade fahre und von da aus dann zur Brücke nach Marennes. Oder ich blieb auf dem Eurovelo 1 entlang der Küste. Länger, aber ab hier auch flacher. Ich entschied dafür, mich auf dem Eurovelo zu bleiben, und radelte nach einer Trinkpause im Schatten weiter.
Die jetzt noch 14 Kilometer bis nach Marennes zogen sich allerdings. Die Hitze, obwohl mit 29 Grad noch nicht hochsommerlich, machte mir zu schaffen. Endlich erreichte ich die Brücke, von hier aus war es nicht mehr weit zum angepeilten Campingplatz. Dafür verließ der Radwanderweg jetzt den Wald und verlief durch die Marschwiesen und entlang der Austern- und Muschelfangplätze. Der Campingplatz gehört zu einem Bauernhof, ist mit 6,50 € inklusive Strom pro Nacht sehr günstig und zum Strand ist es nicht weit. Ziemlich geschafft von der Hitze erreichte ich ihn um 16.30. Einen Tag – vielleicht auch zwei, da muss ich noch mit meinen Geldbeutel drüber diskutieren – werde ich mir eine Pause gönnen und an meinem Nächstbuch weiterschreiben. Sonst wird das nix mehr mit einer Veröffentlichung Ende Juni!

10. Juni, Etappe von Mortagne-sur-Gironde nach Saint-Palais-sur-Mer

Ich brach erst um 11.00 auf, da ich heute nur eine kurze Etappe fahren wollte. Da ich den Radweg von 2018 noch einigermaßen gut in der Erinnerung hatte, wollte ich ein paar seiner Schleifen durch die Hügel abkürzen, was mir zwischen Mortagne-sur-Gironde und Barzan auch gelang. Danach jedoch wechselte ich wieder auf den Radweg, der schön entlang der Küste verlief mit fantastischen Ausblicken auf die Gironde und den Atlantik. Endlich wieder das Meer sehen!
Nachteil an der Strecke war allerdings, dass sie über die Steilfelsen – Falaises – verlief, was ganz schön anstrengend war. Ich fuhr also relativ langsam, schob das Fahrrad auch immer wieder bei den schwereren Steigungen.
Geplant hatte ich, wieder an derselben Stelle zu biwakieren wie 2018: Auf einem Aire de Campingcar. Normalerweise ist das nicht erlaubt, aber es gibt Ausnahmen. Der Platz lag hinter La Palmyre, das waren von Royan aus noch 18 Kilometer auf dem Radwanderweg.

10. Juni, Etappe von Mortagne-sur-Gironde nach Saint-Palais-sur-Mer
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Es wäre zu schaffen gewesen, aber dann entdeckte ich zufällig, als ich für ein Foto das Gespann parkte und um den Anhänger herumging, dass der rechte Reifen platt war. Wo und wie das passiert war, konnte ich nicht beantworten, aber es änderte meine Pläne. Lief der Reifen zulange, mit dem Gewicht des Gepäcks auf der Felge, war der nämlich gleich mit hinüber und Reifen mit 16 Zoll kriegt man nicht an jeder Straßenecke!
Also langsam weiterfahren und jeden Campingplatz abchecken, der nicht zu weit vom Radwanderweg entfernt lag. Von meiner Tour 2018 kannte ich die Preise schon, in der Regel für mich unerschwinglich. Doch in Saint-Palais-sur-Mer entdeckte ich einen Campingplatz, der für Radwanderer einen Sonderpreis von 11 € anbot. Der Eingang befand sich nur wenige hundert Meter bergauf und zehn Minuten späte konnte ich, obwohl die Rezeption schon geschlossen war, einchecken.
Das gab mir Muße, den Schlauch zu reparieren, was ich aber auf den nächsten Morgen verschob, weil ich ziemlich müde war, denn bis ich das Zelt aufgebaut, geduscht und gegessen hatte, war es auch schon fast 22.00 geworden. Morgen sind es dann noch etwa 40 Kilometer bis nach Marennes, wo ich wieder auf den sehr günstigen Campingplatz fahren werde, den ich auf der Tour 2019 – da radelte ich aus der Gegenrichtung nach Süden – besucht hatte, und werde dort wohl einen oder zwei Tage Pause zum Schreiben einlegen.

09. Juni, Etappe von Blaye nach Mortagne-sur-Gironde

Gefahrene Kilometer: 75,93

Ausgeruht und pünktlich um 9.00 brach ich auf. Schwierigkeiten bereitet mir seit Bordeaux allerdings eine Sehnenzerrung am rechten Oberschenkel. Beim Radfahren spüre ich sie kaum, aber beim Laufen und wenn ich mich anziehe und dabei das Bein anheben muss. Mein geplantes Etappenziel sollte heute Barzan sein, so wäre die nächste Etappe nach Marennes wesentlich kürzer. Da die Campingplätze ab Mortagne-sur-Gironde viel zu teuer sind, plante ich ein Biwak, also wildcampen.

Bis Ètauliers verlief die Route auf einem schönen autofreien Radwanderweg durch Weinberge, leichte Steigungen inbegriffen, und kleine Dörfer. Ab Braud-et-Saint-Louis jedoch führte der Radweg entlang einer Straße. In diesem Ort gönnte ich mir eine Pause im Schatten und ein zweites Frühstück. Danach radelte ich weiter. Das Gelände entlang der Gironde wurde zunehmend offener, mit wenig Baumbestand, dafür jeder Menge Äcker und Rinderweiden, durchzogen von unzähligen großen und kleinen Kanälen. Marschwiesen, hier als Marais bezeichnet.

Hinter dem Hafen von Vitrizey tauchten neue Schilder für den Radwanderweg auf. Sie waren gelb mit schwarzer Schrift, was bedeutete, dass die Route nur provisorisch angelegt war. In die Richtung, in die ich eigentlich wollte, fand ich aber keine einzige Markierung )grün auf weißem Grund) mehr. Also folgte ich der neuen Route.

Nach einigen Kilometern erblickte ich die Gironde, den großen Estuaire (Flussmündung – die längste Europas), allerdings rechts von mir. Ich stutzte, denn das braune schlammige Gewässer müsste sich natürlich in Richtung Royan links von mir befinden!

Ich drehte also um, weil ich annahm, dass ich irgendwo ein Schild übersehen hatte. Bis zum Ausgangspunkt, also da, wo ich die übliche Route verlassen hatte, gab es nichts. Keine Weg, keine Straße und erst recht kein Hinweisschild. Nur die zurück nach Vitrizey, wie es auch auf einer Markierung an einem Pfahl gestanden war.

Für solche Fälle greife ich auf Google Maps oder Komoot zurück. Ich gab das Ziel ein und Google zeigte mir die zu fahrenden Strecke. So weit, so gut. Dachte ich. Selbstverständlich kam es anders. Google neigt nämlich dazu, Wege als mit dem Fahrrad passierbar zu markieren, die es absolut nicht sind, erst recht nicht mit viel Gepäck und einem Hänger! Lange Rede, kurzer Sinn: Ich landete dreimal irgendwo auf einem Grasweg mitten in der Pampa. Ja, danke Google. Bis ich eine fahrbare Strecke gefunden hatte, vergingen gut zwei Stunden und der Fahrradtacho verzeichnete fast 8 Kilometer mehr.

09. Juni, Etappe von Blaye nach Mortagne-sur-Gironde

Witzigerweise entdeckte ich dann wieder Schilder, die man aber nur von der anderen Richtung her sah! Die restlichen hatte man scheinbar abmontiert, denn als ich diese Route 2018 befuhr, gab es auch die neuen gelben Schilder noch nicht.

Klar war mir, dass ich es nicht mehr bis Barzan schaffen würde, also peilte ich doch Mortagne-sur-Gironde als Etappenziel an. Durch den immer mehr auffrischenden Wind, der mir mit teilweise 50 kmh entgegen blies, erreichte ich den kleinen Campingplatz vor Mortagne-sur-Gironde mit weiterer Verspätung. Eigentlich hatte der noch gar nicht geöffnet, doch mit Fahrrad und Zelt durfte ich trotzdem dort campieren. Morgen werde ich dann sehen, wie weit ich komme. Hoffentlich mit weniger Wind.