18. November, Etappe von Homps nach Trèbes

Nach einer unruhigen Nacht brach ich um 9.00 wieder auf. Es war weiterhin windig, doch bei weitem nicht mehr so schlimm wie gestern. Das ließ mich für die heutige Etappe hoffen. Bis Trèbes wollte ich es auf jeden Fall schaffen. Die Strecke selbst war eigentlich nicht weit, doch da Teile des Radwanderweges am Kanal immer noch gesperrt waren – das hatte ich bereits bei Tourstart im Mai feststellen müssen – fuhr ich einige Umwege.

18. November, Etappe von Homps nach Trèbes

Erst von Marseillette aus konnte ich den Radweg am Kanal wieder benutzen. In dem kleinen Ort legte ich eine Kaffeepause von einer Stunde ein, bevor ich die letzten Kilometer bis hinter Trèbes zurücklegte. Im dortigen Intermarché kaufte ich noch etwas Proviant ein.

Bis zur Schleuse von Villedubert wollte ich eigentlich noch fahren, entdeckte dann aber etwa 2 Kilometer hinter Trèbes einen nahezu idealen Platz zum Kampieren. Ruhig und wind – und sichtgeschützt. Kurzerhand schlug ich dort mein Nachtlager auf. Morgen wollte ich über Carcassonne bis Castelnaudary fahren.

17. November, Etappe von Capestang nach Homps

Schon beim Aufbruch um 9.30 wehte ein kräftiger Wind. Da er von Westen herkam, bedeutete das für mich: Gegenwind beim Fahren. Hurra. Zudem kam erschwerend noch dazu, dass der Radwanderweg bis Castelnaudary nur an einigen Abschnitten ausgebaut war. Der Rest bestand immer noch aus dem alten unbefestigten Pilgerweg. Ich entschied mich daher, bis Le Somail lieber der Straße zu folgen. Mit der App Komoot – sie ist speziell für Radfahrer und Wanderer und sehr viel besser als Google Maps – legte ich die Route fest und fuhr los.

Le Somail erreichte ich gegen Mittag, konnte am Hafen im Touristenbüro Wasser tanken und nahm dann den Radwanderweg nach Ventenac-en-Minervois. Dort wollte ich meine ehemalige Nachbarin – ich verbrachte den Winter 2020/21 im Haus neben ihr – Alexandra besuchen. Wir tranken Kaffee, tauschte Neuigkeiten aus und um etwa 16.00 machte ich mich wieder auf den Weg.

17. November, Etappe von Capestang nach Homps

Der Wind hatte inzwischen noch ordentlich zugelegt. Mit Böen bis 55 km/h pfiff er daher. Vor allem wenn er von der Seite herkam, wurde es schlimm. Streckenweise schob ich das Fahrrad und kämpfte mich nur mühsam vorwärts. Das anvisierte Ziel – den Hafen bin Homps – erreichte ich vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr, fand aber einen halbwegs geschützten Platz am Kanal etwa 6 Kilometer vor Homps.

Bis um 3.00 nachts blieb es stürmisch, sodass ich auch da erst einschlief. Ich hoffte sehr, dass es morgen nicht mehr so stürmisch war, sonst sah es düster für meinen Zeitplan aus.

16. November, Etappe von Portiragnes nach Capestang

Das war in dieser Nacht vor Portiragnes der erste Zeltplatz seit langem, auf dem ich keinerlei Straßenlärm hörte. Und da sich auch keine Radfahrer oder Spaziergänger morgens schon dorthin verirrten, gönnte ich mir einen langsameren Start in den Tag.

Ich brach um 9.30 zur nächsten Etappe auf, die mich über Bèziers nach Capestang, wenn möglich auch noch ein paar Kilometer weiterführen sollte. Es hatte in der Nacht noch Mal gut geregnet, der unbefestigte lehmige Weg war dadurch sehr rutschig geworden. Bis hinter Portiragnes schob ich das Fahrrad also, ab da wurde der Weg dann besser.

Mittags legte ich eine Stunde Pause in einem Café in Villeneuve-les-Béziers ein, trank einen kleinen Kaffee – der immer noch 1,50 € kostete – und lud noch einmal Smartphone und Powerbank auf. Nun hatte ich nur noch knapp 5 € zur Verfügung. So dermaßen finanziell eng ist es bei mir schon lange nicht mehr gewesen! Vor allem nicht über einen so langen Zeitraum.

16. November, Etappe von Portiragnes nach Capestang
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Als ich wieder losfuhr hatte der frische Westwind auch die restlichen Wolken vo Himmel verjagt und die Sonne beschien eine wunderschöne Herbstlandschaft in leuchtend rot und goldenen Farben. Leider hieß das für mich: teils kräftiger Gegenwind. Mein Reisetempo verlangsamte sich daher und auch der Radwanderweg zeigte sich zwischen Colombier und Capestang recht holprig und schmal. Auf diesen Abschnitten schob ich das Fahrrad erneut, weil ich keinen Platten riskieren wollte. Capestang erreichte ich deswegen gut eineinhalb Stunden später als geplant. Am Hafen fand ich einen geeigneten Platz und schlug dort mein Lager auf.

Bis hinter Carcassonne bleibt die Strecke mit wenigen Ausnahmen so schlecht. Das bedeutet wohl eine Verzögerung, bis ich nach Sérignac-sur-Garonne komme. Geplant hatte ich das spätestens Mittwoch nächster Woche. Auf dem dortigen Gratis-Campingplatz hoffe ich ja, einige Zeit bleiben zu können.

15. November, Etappe von Frontignan nach Portiragnes

Der heutige Tag begann verheißungsvoll damit, dass ich mir das letzte Wasser aus den Vorräten, welches ich für Kaffee heißgemacht hatte, über den Fuß kippte. Zumindest dann war ich hellwach. An der Fußaußenseite bildete sich schnell eine ordentliche Brandblase und es tat höllisch weh. Ich versorgte die Stelle mit einem sterilen Tupfer – Brandsalbe hatte ich nicht in meiner Erste-Hilfe-Ausrüstung dabei – und klebte zwei große Pflaster darüber. Angenehm würde das wohl beim Laufen und Radfahren nicht werden, aber ich konnte ja nicht pausieren.

Es gab also kein Frühstück für mich heute Morgen, aber ich wollte später in einem Café oder eine Bar eine Pause einlegen, weil ich mein Smartphone und den Laptop aufladen musste. Die fand ich in Sète am Hafen. Der Kaffee mit Milch kostete 3 € die große Tasse. Nicht billig und ich saß 2 Stunden dort, was dann 2 Tassen Kaffee bedeutete. Normalerweise erledige ich das Aufladen meiner Geräte in den Touristenbüros, die meist auch freies WLAN anbieten, aber die haben in den Wintermonaten größtenteils geschlossen.

Erst um 13.00 fuhr ich wieder weiter. Das Wetter war unbeständig, immer wieder tröpfelte es aus dicken Wolken herab. Für den Nachmittag und die Nacht sagte der Wetterfrosch mehr Regen vorher, doch ab morgen sollte es sonniger werden. Dafür muss ich mich in den Nächten auf deutlich kältere Temperaturen – bis zu 2 Grad – einstellen.

15. November, Etappe von Frontignan nach Portiragne

Der Radwanderweg von Sète nach Agde, hatte man erst einmal die Stadt hinter sich gelassen, war schön zu fahren. Er führte 19 Kilometer am Meer entlang und durch die Dünen. Im Sommer steppt hier der Bär, jetzt jedoch hatte ich die Strecke beinahe ganz für mich allein.

Bis zum Stadtzentrum von Agde verlief der Radwanderweg durch das Industrie- und Gewerbegebiet, was nicht so schön zu fahren war. Zudem gab es etliche Baustellen, die mich zu Umwegen zwangen. Dadurch erreichte ich den Canal du Midi erst bei Einbruch der Dunkelheit. Dazu kam noch, dass es inzwischen stärker regnete und der Radwanderweg – eigentlich immer noch ein Fußwanderweg – entlang des Kanals unbefestigt war. Der lehmige Boden verwandelte sich in eine Rutschbahn, daher schob ich das Fahrrad bis zum anvisierten Ziel lieber.

Etwa 300 Meter vor dem Hafen Le Cassafières fand ich einen trockenen Platz unter Schirmpinien. Bis ich alles aufgebaut und im Zelt verstaut hatte, war es 19.00. Die nächsten Etappen werden – zumindest bis Castelnaudary – deutlich kürzer, weil der Radwanderweg mehr eine Piste für Mountainbikes ist als für Tourenfahrräder mit Anhänger. Einzige Alternative: Die Schnellstraße, welche parallel verläuft aber sehr gefährlich ist. Dann lieber langsamer unterwegs sein. Morgen geht es dann über Béziers nach Capestang weiter. Insgesamt hatte ich heute „nur“ 47 Kilometer zurückgelegt. Meinem verbrühtem Fuß geht es soweit gut, nichts ist aufgescheuert worden.

14. November, Etappe von Aigues-Mortes nach Frontignan

Allmählich merkte ich, dass ich keine 25 mehr bin. Die einzelnen Etappen so durchzufahren, ohne einen oder zwei Tage Pause einlegen zu können, schlauchte mich ganz schön. Gestern jedenfalls kroch ich bereits um 21.00 in den Schlafsack. Dafür war ich morgens um 5.00 hellwach. Ich gönnte mir zwei Tasse Kaffee und ein kleines Frühstück, schrieb ein halbes Kapitel im aktuellen Manuskript und war um 8.30 startklar. Da der Wetterbericht für Montag Regen vorhergesagt hatte, wollte ich heute so dicht an Sète heranfahren, wie ich es schaffen konnte. So hätte ich dann bis Agde nur noch etwa 32 Kilometer und bis Portiragne am Canal du Midi noch einmal 17. Dort gibt es einen kleinen Hafen mit Picknickplätzen, die von riesigen Schirmpinien überdacht werden.

Die heutige Strecke führte mich ans Mittelmeer über Grau-du-Roi, La Grande-Motte, Carnon, Mireval, Vic-la-Gardiole und Frontignan. Links und rechts des Radwanderweges erstreckten sich Seen, Sümpfe und – natürlich – das Meer. Überall gab es Haltepunkte, von denen man die zahlreichen Wasservögel beobachten und fotografieren konnte. Reiher, Möwen und vor allem: Flamingos.

14. November, Etappe von Aigues-Mortes nach Frontignan
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In Carnon fand ich endlich eine öffentliche Toilette, die nicht chemisch betrieben wurde. Bei denen gibt es nämlich kein Wasser mehr. Hier aber konnte ich meine Wasserflaschen wieder auffüllen. Ein Apfel diente als Mittagessen. Meine Vorräte müssen so lang reichen, wie möglich, denn einkaufen ist jetzt nicht mehr drin, nachdem ich gestern noch die Gaskartusche gekauft hatte. Die restlichen 14 € brauche ich für die Cafés und Bars, in denen ich alle zwei bis drei Tage mein Handy und Laptop aufladen muss. Kommen keine Aufträge, wir es richtig eng, denn Geld kommt erst Ende des Monats wieder rein.

Von Carnon aus ging es über Mireval bis Vic-la-Gardiole durch die Weinberge und dann wieder zurück an die Küste. Der Himmel bewölkte sich zusehends und ich schätzte, dass es bereits heute Abend regnen könnte. Bis dahin wollte ich einen Zeltplatz gefunden haben. Hinter Frontignan bot sich eine Wiese neben dem Fußballplatz an, die der Gemeinde gehörte. Und kaum hatte ich mein Zelt aufgebaut, kam auch schon der erste Schauer runter. Ich hoffe, dass es morgen nicht allzu nass wird.

13. November, Etappe von Beaucaire nach Aigues-Mortes

Bis auf den Straßenlärm verbrachte ich eine ruhige Nacht, trank rasch einen Kaffee und brach um 9.00 wieder auf. Meine Wasservorräte waren beinahe aufgebraucht, ich musste also dringend auf der Strecke nach einer Möglichkeit suchen, sie wieder aufzufüllen. Normalerweise an öffentlichen Toiletten, oder ich frage an Bauernhöfen oder Wohnhäusern nach. Wasser in Plastikflaschen kaufe ich nur, wenn es gar nicht anders geht. Tja, aber heute gestaltete sich der Teil mit dem Wasser sehr schwierig. Der Radwanderweg führte durch die Camargue, wunderschön aber ohne einen Ort zu durchqueren. Saint-Gilles, mein ursprünglich geplanter Anlaufpunkt für Wasser und eine Pause lag zu weit weg – in Anbetracht der Kilometer, die ich noch zu fahren hatte.

Gott sei Dank war es kein Sommer mehr, denn mit nur noch einem Liter Wasser wäre das ungut gewesen. Doch auch so merkte ich, trotz der Äpfel, die ich unterwegs aß – es gab hier genug Falllobst – wie meine Kehle erst trocken wurde und dann allmählich zuschwoll. Ich trat also fester in die Pedale, denn der der nächste Ort war erst wieder Gallician, das bedeutete noch mal 18 Kilometer.

13. November, Etappe von Beaucaire nach Aigues-Mortes

Glücklicherweise gab es vorher noch das Centre de Scamandre, ein Naherholungsgebiet mit Picknickplätzen und – ja, einer Toilette! Endlich Wasser. Ich füllte alle Flaschen auf, legte eine Pause ein und nahm dann die restlichen Kilometer bis Aigues-Mortes unter die Räder.

Ich erreichte den Ort um 16.00 Uhr, machte einen kurzen Abstecher in einen Supermarkt, um noch eine Gaskartusche für meinen Gaskocher zu kaufen. Danach belief sich mein gesamtes Vermögen noch auf ganze 14 €. Mit den Lebensmitteln, die ich in Avignon gekauft hatte, kam ich vermutlich – wenn ich sparsam war – bis zum nächsten Sonntag aus. Vielleicht auch einige Tage länger. Geld (Buchtantiemen) kommt erst am 29. November wieder herein. Das restliche Bargeld brauche ich für Bars oder Cafés, in denen ich einen Kaffee trinken und Laptop und Smartphone in der Zeit aufladen kann. Es wird also verdammt eng diesen Monat, es sei denn, es kommt noch ein Auftrag herein.

12. November, Etappe von Avignon nach Beaucaire

In dem Wissen, dass das für längere Zeit der letzte Campingplatz war, gönnte ich mir nach den langen Etappen der vergangenen Tage einen ruhigen Vormittag, lud alle Geräte noch einmal auf und brach dann um 11.30 zur nächsten Etappe auf. Die sollte heute nach Beaucaire in die Camargue gehen.

Der Radwanderweg bot einen Mix aus autofreien Abschnitten mit längeren Strecken entlang von kleineren Straßen. War es anfangs noch sonnig, so bewölkte sich der Himmel ab Aramon zusehends und hinter Montfrin regnete es sogar leicht. Bei 18 Grad und Windstille aber kein Problem.

Ich erreichte Beaucaire um 16.30 und plante, mir auf der Strecke nach Saint Gilles einen Schlafplatz zu suchen. Eine halbe Stunde vor Einbruch der Dunkelheit fand ich ihn neben einem großen Hof. Ich fragte die Bewohner um Erlaubnis, bekam sie und die Nacht war somit gerettet.

12. November, Etappe von Avignon nach Beaucaire

In den nächsten Tagen wird es nicht einfach werden. Nicht nur, weil mein Budget so gut wie aufgebraucht ist. Zum einen habe ich jetzt auch noch ein Problem mit dem Provider meiner Telefonkarte. Der hat nämlich, obwohl der Tarif am Montag abgebucht worden ist, die Karte nicht zurückgesetzt. Sie zeigt immer noch den Datenerbrauch von Oktober an. Da das am Limit ist, wird die Karte bald deaktiviert, bis 6. Dezember. Ohne Mobilfunknetz und Internet bin ich natürlich dann komplett aufgeschmissen und eine zweite Karte kann ich mir nicht leisten. Nur an den Touristenbüros, sofern sie außerhalb der Saison geöffnet haben, kann ich kostenloses WLAN nutzen. Ntürlich habe ich den Support bereits kontaktiert aber noch keine Rückmeldung erhalten. In diesem Jahr geht echt alles schief, was nur schieflaufen kann.

Das zweite größere Problem werden die Etappen bis Agde sein, wo ich auf de Radwanderweg am Canal du Midi wechsele. Bis dahin aber wird es nicht einfach sein, einen Schlafplatz zu finden. Die Landschaft besteht ab Aigues-Mortes aus Salinen, Sümpfen und den Weiden für die Camargue-Pferde und Stiere. Auch an der Küste entlang wird es problematisch, denn da verläuft der Radwanderweg zwischen Meer und Küstenstraße. Ich bin diese Strecke noch nie so spät im Jahr gefahren, wo schon die kürzeren Tage eine andere Etappenplanung erfordern als im Sommer.

Okay, Planung ist vielleicht etwas hochtrabend dafür, dass ich eigentlich nur noch einen Tag nach dem anderen versuche zu bewältigen! Schlafplatz, Strom, Wasser und etwas zu Essen sind momentan die Prioritäten.

11. November, Etappe von Pont Saint-Esprit nach Avignon

Ich hatte schon befürchtet, dass es auch heute noch regnen würde, doch Gott sei Dank klarte es in der Frühe auf. Der Campingplatz war nicht geeignet für einen längeren Aufenthalt und so brach ich um 9.30 wieder auf. Zuerst musste ich die 5 Kilometer zurück auf den Radwanderweg fahren. Von da aus ging es recht zügig wieder durch das Rhônetal, manchmal am Fluss entlang, manchmal am Kanal, aber die Strecke führte auch immer wieder mal in Schlaufen durchs Land.

Das Wetter war nahezu perfekt. Sonne pur, strahlendblauer Himmel und kaum Wind. Nur ein bisschen wärmer hätte ich es gerne gehabt, dann hätte ich unterwegs Pausen einlegen können. So trank ich bloß gelegentlich was oder aß im Stehen einen Apfel.

Hinter Mornas geriet ich dann, weil ich nicht auf die Schilder geachtet hatte, auf den alten Radwanderweg, der über Orange nach Avignon führte. Ich bemerkte das zu spät, daher fuhr ich bis Orange und wechselte anschließend auf die Straße nach Carderousse, wo ich wieder auf die ViaRhôna gelangte.

11. November, Etappe von Pont Saint-Esprit nach Avignon

An Châteauneuf-du-Pape vorbei ging es über Sorgues und Le Pontet nach Avignon hinein. Trotz der zusätzlichen Kilometer lag ich noch gut in der Zeit und kam um 17.00 am Campingplatz an. Zeit für eine Besichtigung der Altstadt und des Papstpalastes blieb mir leider keine, allerdings habe ich das 2018 schon ausgiebig getan. Ab morgen fahre ich die nächsten Etappen an die Mittelmeerküste ohne Campingplätze, die haben nämlich alle zu. Der nächste offene ist erst wieder vor Toulouse. Ich hoffe, dass das Wetter weiter mitspielt.

09. November, Etappe von Cruas nach Pont-Saint-Esprit

Der Mistral schwächte sich über Nacht ab, dafür war es morgens mit nur 6 Grad ganz schön frisch. Die heutige Etappe sollte bis Pont-Saint-Esprit gehen, von der Länge her, etwa wie die Etappe nach Cruas. Ich sah also zu, dass ich auch heute so früh es mir möglich war, aufbrach.

Über Montelimar bis Vivier verlief der Radwanderweg fast durchgehend autofrei und führte durch die abwechslungsreiche Herbstlandschaft des Rhônetals. Rechter Hand thronten alte Burgruinen in den Steilfelsen, linker Hand sah ich viel Schwerindustrie und Kernkraftwerke. Eines steht in Cruas und vor Montelimar kam ich erneut an einem vorbei.

09. November, Etappe von Cruas nach Pont-Saint-Esprit

In Vivier angekommen, fand ich eine Bäckerei, an der auch ein kleines Café angeschlossen war und legte dort eine Pause für ein zweites Frühstück ein. Auf dem Marktplatz fand der Wochenmarkt statt und ich deckte mich dann auch gleich mit Äpfeln aus der Region ein. Danach ging e weiter an der Rhône entlang, an Pierrelatte und Lapalud vorbei. Pont-Saint-Esprit erreichte ich um 15.30, was mir genug Zeit gab, auf dem Weg zum Campingplatz noch ein paar Trockenvorräte wie Kaffee, Suppen etc. einzukaufen. Am Campingplatz kam ich dann genau zu der Zeit an, als die Rezeption öffnete.

Leider war dieses Quartier eine große Enttäuschung. Der Zeltplatz, es gab nur diesen einen Flecken dafür, ansonsten standen hier nur Ferienhäuser, bestand aus blanker Erde. Eine Stromsäule gab es erst gar nicht, sodass ich meine Geräte in den sanitären Anlagen aufladen musste. Tja, und die waren dann erst recht eine Katastrophe. Sie sahen aus, als wäre da schon lange niemand mehr mit Wischmopp und Putzlappen gewesen! Es gab nur eine Toilette und die war nicht nur schmutzig sondern auch verstopft. Zumindest das wurde dann später behoben. Alles in allem waren 10 € pro Nacht dafür definitiv zu teuer. Ich hatte ja für zwei Nächte online bezahlt, weil für den ganzen nächsten Tag Regen gemeldet war.

Die nächste Etappe gen Süden ist dann Avignon. Ob ich da aber auf den Campingplatz gehe, weiß ich noch nicht. Mein Budget sagt laut nein, allerdings ist das der letzte Campingplatz, der dann noch offen hat. Bis Toulouse biwakiere ich dann. Und duschen wollte ich eigentlich auch  ich mal, denn auf diesem Campingplatz wollte ich das bei den unhygienischen Zuständen nicht machen.

07. November, Etappe von Tournon-sur-Rhône nach Cruas

Diese Etappe würde deutlich länger werden, daher brach ich bereits um 09.00 auf. Wie am Tag zuvor war es windig, kalt und der Himmel grau. Es sollte im Laufe des Tages aber sonniger werden, allerdings waren auch Böen bis zu 60 km/h vorhergesagt. Der Mistral lief sich wohl schon mal warm.

Die erste Teilstrecke führte nach Valence. Leider blieb mir – wie schon 2018 – keine Zeit, diese Stadt zu besichtigen. Da es Sonntag war, fand ich auch kein Café, welches vor 12.00 geöffnet hatte. Einige Restaurants schon, aber da kostet ein Kaffee auch gerne mal 4 € oder mehr. Also verwarf ich meinen Plan, ein zweites Frühstück einzulegen und trat wieder kräftig in die Pedale.

Mittlerweile war der Himmel beinahe wolkenlos, aber der Wind frischte immer mehr auf. Da der Mistral von Norden her weht, hatte ich ihn dankenswerterweise meistens im Rücken. Meistens. Da, wo der Radweg von der Rhône abwich, und durchs Land führte, bekam ich ihn unangenehm zu spüren. Gefährlich war da die Überquerung von Brücken. Vor allem die lange und hohe Bogenbrücke hinter Valence. Da pfiff der Wind derart heftig von der Seite, dass er sogar mein schweres Gespann wegschob! Glücklicherweise war der Radwanderweg zur Fahrbahn hin mit Planken abgesichert.

07. November, Etappe von Tournon-sur-Rhône nach Cruas
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Hinter dieser Brücke führte der Radweg durch Soyons, wo am 7. Oktober direkt ein 27jähriger Radwanderer ermordet wurde. Der junge Mann hatte an der ViaRhôna biwakiert und Spaziergänger fanden ihn am nächsten Morgen schwer verletzt. Er starb noch im Krankenhaus. Der oder die Täter wurden bis jetzt noch nicht gefasst.

Ursprünglich hatte ich vorgehabt, ebenfalls hier zu biwakieren. Als ich jedoch von dem Mord erfuhr, änderte ich meine Pläne. Lieber eine längere Etappe fahren und sicher schlafen. Wenn ich allerdings am Mittelmeer ankomme, muss ich biwakieren, einfach, weil alle Campingplätze geschlossen sind und Hotels weit außerhalb meines Budgets liegen.

Die erste und einzige Pause gönnte ich mir dann in Beauchastel in einem Café. Der Kaffee schmeckte leider nur mäßig und der Besitzer der Bar stand auf laute Musik. Außer mir war auch kein Gast da. Ich blieb daher auch nur eine halbe Stunde – bevor meine Ohren taub werden konnten – und nahm dann die restlichen Kilometer in Angriff. Die waren gut zu fahren und ich erreichte de Campingplatz um 16.30. Da der Wetterbericht für den nächsten Tag Böen bis zu 80 km/h meldete, buchte ich für 2 Nächte.