Hervorgehoben

Tourvorbereitungen für 2022

Ab dem 1. oder 2. März – je nach Wetter – geht es also wieder los. Zuerst nach Bordeaux, denn ich brauche einen neuen Personalausweis, da meiner im Juni diesen Jahres abläuft. Das Nomadenleben bringt auch Schwierigkeiten mit sich und eine davon ist ein Personalausweis ohne festen Wohnsitz beantragen zu können. Zuständig ist in diesem Fall das Deutsche Konsulat in Bordeaux. Da der Campingplatz dort erst ab April wieder Radwanderer aufnimmt, bleibt mir nichts Anderes übrig als in einem Hotel einzuchecken. Das günstigste, welches ich finden konnte, nimmt 18 € pro Nacht und liegt nur 3,5 Kilometer vom Konsulat entfernt. Dazu kommen noch die Kosten für den Ausweis selbst. Glücklicherweise haben sich meine Bücher, die ich im November und Dezember veröffentlicht habe, gut verkauft, sodass ich das finanziell stemmen kann. Ich muss allerdings auch noch einige Dinge reparieren lassen beziehungsweise kaufen.

Am Hinterrad meines Fahrrades sind 4 Speichen gebrochen. Da weiß ich noch nicht, ob eine Reparatur noch möglich ist oder ich ein neues Hinterrad kaufen muss, was nicht unbedingt billig wird. Fehlen tut auch noch ein neues Zelt. So ein richtig gutes für Expeditionen und 4 Jahreszeitentauglich fängt erst so bei 400 € an. Das kann ich diesen Frühling auf keinen Fall finanzieren. Daher wird es wohl noch mal ein einfaches Zelt sein, dazu ein Sonnensegel als zusätzlichen Wind-und Wetterschutz. Immerhin hat das 28 € Zelt, das ich im September beim Decathlon in Paris als Notzelt gekauft habe, mehr ausgehalten als das wesentlich teurere Trekkingzelt.

Die Route der diesjährigen Tour steht im Groben fest. Es geht von Bordeaux aus wieder bis La Rochelle, aber über die Mündung der Gironde mit der großen Fähre. Das spart einige Kilometer. Von La Rochelle aus werde ich einen neuen Radwaderweg ausprobieren. Er verläuft über Niort, an die Loire und bis Anger. Die Stadt möchte ich mir mal anschauen. Danach geht es zurück an die Loire und über Orleans nach Briare, wo ich auf den Eurovelo 3 nach Paris wechsele. Das ist die Strecke, die ich 2021 in die Gegenrichtung geradelt bin. Von Paris aus – vielleicht, ganz vielleicht ist diesmal ein Besuch von Chateau Versailles möglich – geht es auf dem Eurovelo 3 bis nach Namur in Belgien. Von da aus dann an die Küste, in die Niederlande und nach Amsterdam. Entlang der Küste möchte ich über Bremerhaven nach Hamburg fahren. Diese Stadt steht auch schon seit langem auf der Wunschliste.

Da ich wegen dem Gewicht meines Gespannes, einem Fahrrad ohne Batterie und meines Asthmas geländemäßig eingeschränkt bin, suche ich mir von Hamburg aus einen Radweg zurück an den Rhein. Möglicherweise nehme ich auch den Elberadwanderweg. Geplant ist, die Flussradwanderwege soweit wie möglich gen Süden zu nehmen. Elbe, Rhein, Main, Main-Donaukanal etc. Die Sommermonate geht es also durch meine alte Heimat Deutschland. Im September möchte ich über das Dreiländereck zurück nach Frankreich und in den Süden fahren.

30. Juli 2022, Etappe von Ivendorf nach Schönberg

Ziemlich müde startete ich um halb zehn Uhr auf die Etappe. Wie gut, dass ich heute nur knapp 38 Kilometer zu bewältigen hatte! Den größeren Teil des Tages wollte ich in Lübeck verbringen. Mir die Stadt anschauen, eventuell in einem netten Café etwas arbeiten. Der Radweg war gut ausgeschildert und führte hauptsächlich durch Industrie- und Gewerbegebiet. Ich hatte die Wahl zwischen zwei Varianten. Die eine – kürzere – führte per Bus-Shuttle durch den Trave-Tunnel und über die Herreninsel nach Lübeck rein. Mit dem Anhänger nicht machbar. Daher nahm ich die längere und nicht so schöne Strecke. Sie führte hinter dem LUV-Einkaufszentrum an den Bahngeleisen entlang bis zum Museumshafen und dem Burgtor. Von hier aus ging es in die Altstadt hinein, die proppenvoll mit Passanten, Touristen – und grölenden Fußballfans war. Offenbar gab es auch irgendwo Ausschreitungen, denn die Polizei fuhr mit etlichen Mannschaftswagen und einem Wasserwerfer Richtung Stadion. Praktischerweise kann man die Altstadt Lübecks in einem Rundgang entlang der Trave erkunden kann. Fotomotive fand ich genug und auch das Wetter spielte mit. Nervig war bloß der dichte Autoverkehr. Es käme nicht nur der Lebensqualität und Sicherheit zugute, wenn Autos aus der Stadt verbannt werden würden. Touristen würden sich ebenfalls wohler fühlen und vermutlich auch länger verweilen, was wiederum ein Gewinn für die jeweilige Stadt wäre, aber so weit denken die meisten Kommunalpolitiker nicht. Schade. Auffällig auch der Mangel an Bäumen und Grünanlagen. So empfand ich es jedenfalls. In Frankreich gibt es seit Jahren diesbezüglich einen Wettbewerb, was dazu geführt hat, dass viele große und kleine Städte mehr Grünanlagen einplanen und anlegen. Ville Fleurie. Anhand er der Anzahl der Blumen auf den Ortsschildern – ähnlich einer Sternebewertung – kann man sehen, wie weit das Vorhaben gediehen ist. Die diversen Kirchtürme, deren Spitzen ich fast von jedem Platz aus sehen konnte, dienten mir als Wegweiser für den Rundgang. Bis zum prachtvollen Dom und auf einer anderen Route zurück zum Hafen lief ich gemütlich, fotografierte viel – und wurde fotografiert! Scheinbar fällt trotz vieler anderer Radwanderer mein Gespann doch auf. Eine größere Pause machte ich erst, als ich die Stadt wieder verließ. Ich fand eine kleine Bäckerei, deren Café beinahe leer war und gönnte mir dort einen großen Cappuccino, bevor ich die nächsten 22 Kilometer in Angriff nahm. Der Radweg führte entlang von Straßen durch leicht hügeliges Gelände mit vielen Weizenfeldern. In Petersberg legte ich erneut eine Pause ein, weil es mittlerweile richtig warm geworden war und ich sogar meinen Sonnenschutz auffrischen musste. Eine kleine Gewitterwolke zog vorbei, ohne abzuregnen. Weiter ging es dann und ich traf um 19:00 am Ziel ein. Nora empfing mich sehr freundlich und ich durfte heute Nacht in einem Gästezimmer schlafen. Dusche, Strom … herrlich. Tut auch mal gut. Zudem brauche ich morgen früh weniger Zeit, meine Sachen zu packen.

29. Juli 2022, Etappe von Grube bis Ivendorf

Meine Nachbarn schliefen noch, als ich mich fertig machte für die heutige Etappe. Ich wollte die Strecke mit längeren Pausen fahren, da mich erneut einige Steigungen erwarteten. Mit fast 60 Kilometern war diese Etappe auch länger als die vorherigen, obwohl ich mir mit Komoot eine kürzere Strecke gesucht hatte. Natürlich wäre die ostseeroute die schönere gewesen, aber eben zu lang und zudem bis Grömitz geschottert.

In Grube selbst legte ich eine Frühstückspause ein, dann folgte ich der Mönchsroute weiter, die mich bis Grömitz an die Küste führte. Hier wechselte ich auf den Radweg nach Travemünde, der zu großen Teilen an der 501 entlangführte. Zwischendurch gab es einen Platten zu flicken, Der rechte Reifen am Anhänger hatte den Schotter am Vortag nicht gut verkraftet.

Vor Travemünde traf ich auf den Ostseeküstenradweg, der per Fähre nach Priwall weiterlief und anschließend nach Wismar an der Küste führte. Ich blieb auf meiner Route und gelangte bald nach Ivendorf. Der Campingplatz lag fast direkt am Radweg und war – wie ich schnell feststellte – komplett belegt. Daher durften Radwanderer nur eine Nacht bleiben, was meinen Plan von einem Tag Pause über den Haufen warf. Ich fand noch einen guten Platz, sogar mit Strom. Auf der nebenan gelegenen großen Zeltwiese hatte sich allerdings eine große Gruppe Jugendlicher niedergelassen, die recht laut waren. Gegen Abend schien es so, als würden sie die Regeln zur Nachtruhe respektieren, doch mitten in der Nacht – etwa so gegen 3 Uhr – plärrte mit einem Mal Musik los, irgendwelche Ballermanhits oder so. Die Jugendlichen sangen lautstark mit, rannten zwischen den Zelten hindurch und führten sich auf, als wären sie die einzigen Gäste auf dem Platz. Das ging bis in den frühen Morgen hinein, erst um 6 Uhr kehrte endlich wieder Ruhe ein, aber natürlich hatte ich kaum ein Auge zugetan und war entsprechend müde, als ich nach einem schnellen Kaffee reisefertig machte.

28. Juli 2022, Etappe von Haßberg nach Grube

Gegen neun Uhr war ich bereits wieder unterwegs. Zwar hatte ich keine lange Strecke heute, dafür aber einige lange Anstiege zu bewältigen. Die Route führte erst einmal zurück nach Hohwacht auf den Eurovelo 10 und anschließend durch das Seengebiet bei Sehlendorf. Der Radweg war hier ebenfalls geschottert aber ohne tiefe Rinnen und Furchen. Ich konnte fahren, wenn auch nur langsam. Das herrliche Panorama entschuldigte das reichlich. Seen, viele Wasservögel, kleine Holzbrücken und ab und zu ein Blick auf die Ostsee im Sonnenschein … wunderschön. Die alternative Route über die Steilküste hatte ich mir verkniffen, auch, wenn ich von dort aus sicher noch eine schönere Aussicht gehabt hätte. Steigungen kamen ab dem Weißenburger Strand auch so noch genug. Bei dem beinahe klaren Himmel mit viel Sonne und wenig Wind kam ich immer wieder ordentlich ins Schwitzen. Nach Oldenburg rein wurde es wieder leichter zu fahren. Im großen gelben M dort legte ich eine längere Pause ein, aktualisierte mein Betriebssystem und den Reiseblog, gönnte mir einen Riesenbecher Cappuccino mit veganem Apfelkuchen dazu. Der schmeckte tatsächlich sehr lecker. Danach radelte ich ins Stadtzentrum, lud die zweite Telefonkarte auf, da mein Guthaben von der französischen Karte wieder aufgebraucht war, bummelte etwas durch die kleine Stadt – viel gab es nicht zu sehen – und kaufte nochmal frisches Obst ein. Krass auch die Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland nicht nur bezüglich Netzausbaus und mobile Verfügbarkeit: Ich zahle für meine Prepaid-Karte 9,99 Euro im Monat und bekomme dafür 50 GB Datenvolumen. Für die Vodafone-Karte zahle ich 14,99 Euro für 5 GB! Im Supermarkt gab es ein kleines Café, also kehrte ich dort erneut ein und tippte noch ein halbes Kapitel am aktuellen Manuskript. Danach ging es auf den letzten teil der heutigen Etappe. Er führte mich von Oldenburg über Heringsdorf nach Grube zu meinem Nachtquartier. Wie gut, dass ich meine Wasserflaschen aufgefüllt und alle Geräte gestern Abend aufgeladen habe! Hier befand sich nämlich auf der Wiese nichts außer einigen Schafen. Neben meiner Wenigkeit übernachtet hier noch eine junge Frau aus Hamburg und später kam ein weiterer Radwanderer dazu. Morgen habe ich deutlich mehr Kilometer zu bewältigen und übernachte diesmal auf einem Campingplatz. Übermorgen steht Lübeck auf dem Plan, darauf freue ich mich schon. Das Wetter soll halten und noch wärmer werden, aber Megahitze ist nicht vorhergesagt worden. Maximal 26 Grad.

27. Juli 2022, Etappe von Mönkeberg nach Haßberg

Nach einer ruhigen Nacht – meine Gastgeber schliefen noch, als ich aufbrach – nahm ich die nächste Etappe in Angriff. Sie sollte mich entlang des restlichen Abschnitts der Kieler Förde und anschließend an der Küstenlinie der Ostsee entlangführen. Erneut zeigte sich der Morgen wolkenverhangen und recht windig, was man auch am Wasser sah. Gischtkämme zierten die Wellen. Glücklicherweise blies der kräftige Wind nur von der Seite, beziehungsweise ab Laboe von hinten. Mir taten die Radwanderer leid, die die Gegenrichtung fuhren! Sowohl in Heikendorf als auch Laboe tummelten sich viele Passanten und Touristen an der Uferpromenade, den Cafés und Bistros. Wegen des kühlen Wetters saßen fast alle Gäste in den Innenräumen. Das Gedränge auch in den Bäckereien – natürlich maskenlos – mied ich lieber und radelte weiter bis Stein, wo ich ein nahezu leeres Café fand. Steckdosen gab es auch, also nutze ich die Zeit für ein ausgiebiges Frühstück und etwas Arbeiten am Laptop. Später stockte ich im nächsten Supermarkt meine Vorräte auf und nahm den nächsten Abschnitt der heutigen Strecke unter die Reifen. Bis Schönberg am Strand war der Radwanderweg asphaltiert du gut zu befahren, führte aber danach bis Schwartbuk mehrere Kilometer durch ein großes Seen- und Naturschutzgebiet, wo der Untergrund aus Sand, Kies und losem Geröll bestand. Zudem hatten Traktoren tiefe Furchen hineingegraben, sodass ich den größeren Teil der Strecke mein Fahrrad lieber schob. Das bedeutete aber, dass mein Zeitplan knapper war und ich die Besichtigung des historischen Guts Panker strich. Auch so benötigte ich länger als geplant, um am heutigen Nachtquartier – ein Garten in einer Siedlung in Haßberg – zu erreichen. Und was für ein schönes Quartier das war! Ich durfte im Haus duschen, hatte Zugang zu Strom und Trinkwasser und meine Gastgeberin war sehr freundlich und hilfsbereit. Sie war früher selbst viele Wochen und Monate auf Radreisen und wir tauschten ein bisschen unsere Erlebnisse aus. Auf ihr Anraten hin, änderte ich die Etappenplanung für morgen. Fehmarn und Heiligenhafen strich ich von der Liste und plante mit Komoot eine andere Route , die mich von Oldenburg (Holstein) – noch auf dem Eurovelo 10 – über Nebenstraßen und der Mönchsroute bis zum nächsten 1nitetent Schlafpatz in Grube bringen sollte. Keine lange Etappe, was mir in Oldenburg Zeit lassen wird, ein bisschen zu bummeln, Kaffee zu trinken und am Manuskript zu arbeiten.

23. Juli 2022, Etappe von Wesselburenerkoog nach Hochdonn

Mit Wehmut verabschiedete ich mich heute Morgen von Maria und Carsten und brach um 10:00 auf. Es waren wunderbare 4 Tage, leider konnte ich nicht länger bleiben, weil es meinen Zeitplan sonst durcheinandergebracht hätte. Nach 2 sehr heißen Tagen hatte es sich erneut stark abgekühlt. Es war windig und die Sonne ließ sich kaum blicken. Das blieb auch für den restlichen Tag so, aber immerhin regnete es nicht mehr. Die Strecke heute führte mich über Wesselburen und Meldorf nach Burg (Dithmarschen), wo ich zum ersten Mal eine meiner Autorenkolleginnen – und Lieblingsautorin – persönlich traf: Sandra Gernt. Sie empfing  mich mit Kaffee und frisch gebackenen Waffeln – lecker! – und wir plauderten gut eineinhalb Stunden miteinander, bis es Zeit für mich war, wieder weiterzufahren. Liebe Sandra, danke noch Mal für die nette Zeit mit dir, die du dir für mich genommen hast, obwohl du viel um die Ohren hattest!

Das letzte Stück zum Campingplatz Klein Westerland führte von Burg aus zum Nord-Ostsee-Kanal und bis hinter Hochdonn. Morgen radele ich dann weiter über Albersdorf, um den Steinzeitpark zu besichtigen, danach geht es zurück zum Kanal. Wo das nächste Nachtquartier ist, steht noch nicht fest.

24. Juli 2022 bis 26. Juli 2002, Etappen von Hochdonn über Kiel nach Mönkeberg

Ich fasse die letzten drei Etappen einfach zusammen, denn Spektakuläres hat sich nicht ereignet. Zudem ist es echt schwierig, den Laptop an Strom und Wlan zu kriegen. Ich übernachte auch erst einmal nur mit 1nitetent – sofern verfügbar – weil die Campinglätze entlang der Ostsee noch teurer sind als an der Nordsee. Teilweise werden da über 40 Euro pro Nacht verlangt! Puuh, das sind Preise wie am Mittelmeer.

Am 24. Juli radelte ich von Hochdonn weiter entlang des Nord-Ostsee-Kanals in Richtung Kiel. Das Wetter war kühl, windig und die Sonne ließ sich auch nicht oft blicken. So sollte es auch die nächsten Tage bleiben. Immerhin wird wenig Regen vorhergesagt, ein kleiner Trost. Das Ziel heute war der Campingplatz in Breiholz. Der Radweg war als Plattenweg angelegt mit einem breiten Grasstreifen in der Mitte, aber mit Anhänger noch gut befahrbar.

Eine mit knapp 36 Kilometern kurze Etappe, weil ich noch den Steinzeitpark bei Albersdorf besichtigen wollte. Ich fuhr aber zuerst ein Café an, um zu frühstücken und den Laptop aufzuladen, danach ging es an der Straße etwas zurück bis zum Park. Bei den Eintrittspreisen musste ich allerdings einen Rückzieher machen. Sicher sind 7 Euro nicht zu viel für diesen Park, mein Geldbeutel verkraftete das aber gerade nicht. Daher radelte ich zurück zum Kanal.

Das Interessanteste an dieser Strecke: Die Schiffe. Ob schicke Segelboote, Motorboote oder riesige Containerfrachter: Es gab viel zu sehen, bestaunen und fotografieren. Der Campingplatz dagegen war, wie der in Hochdonn auch, für Radwanderer mit Zelt nicht so schön. Unebene, teils abschüssige Wiese, die kaum mehr als ein Streifen am Schotterweg war. Die Stellplätze für die Wohnmobile hingegen zeigten sich Tiptop. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir Radwanderer nur geduldete Klientel sind. Die Waschräume waren sauber, aber man musste um das Restaurant herumlaufen. Na ja, da hatten die Gäste auf der Terrasse auch was zu gucken, oder?

Am 25. Juli radelte ich die Etappe von Breiholz bis Sehestedt, wo ich mir ein Nachtquartier über 1nitetent gesichert hatte. Campingplätze gab es in dieser Ecke keine, nur Stellplätze für Wohnmobile. Es war sehr schwül und mit 29 Grad auch gut warm, doch mit wenig Sonne. Auch heute waren die Riesenpötte, die den Kanal befuhren, die Highlights der Etappe. Die Schwebefähre in Rendsburg war außer Betrieb, das Bistro dort ebenfalls geschlossen. Ich fuhr also direkt in den Ort hinein und fand ein paar schöne Motive zum Fotografieren, bevor ich zurück zum Kanal radelte. Hinter Rade zog sich der Himmel endgültig zu und ab dem Fähranleger Sehestedt ging ein kräftiger Schauer auf mich herab. Da es immer noch sehr warm war, machte es mir nichts aus. Die Regenjacke blieb im Anhänger.

Das Nachtquartier befand sich neben einem großen Gutshaus. Die Wiese war schön, es gab auch Trinkwasser, leider auch jede Menge Nacktschnecken, die ich am nächsten Morgen gleich dutzendweise von der Plane pflücken musste. Inklusive deren Hinterlassenschaften. Igitt. Mein Gastgeber brachte mir noch die Powerbank, die er über Nacht für mich ans Ladegerät gehängt hatte, und ich brach um 9 Uhr zur letzten Etappe am Kanal nach Kiel auf.

Auch heute begleiteten mich viele Wolken, die Temperaturen waren allerdings über Nacht drastisch gefallen und es fühlte sich eher wie Herbst denn wie Sommer an. Nicht, dass ich mich nach 34 Grad und mehr sehne, aber so ein bisschen Wärme, damit man die Küste und das Meer auch richtig genießen kann, wäre schon ganz nett gewesen. Die Strecke war gut zu fahren, nur einige Abschnitte waren sehr holprig. Offenbar ein älterer Teil des Radwanderweges, viele der Platten hatten sich abgesenkt oder verschoben.

Ein großer Teil der Etappe lief dann auch nicht mehr am Kanal entlang, sondern auf kleinen Straßen über Land, da dieser Abschnitt des Radweges noch im Bau ist. Erst bei Landwehr gelangte ich an den Kanal zurück. Von hier aus waren es nur noch wenige Kilometer bis zur Fähre, mit der ich nach Kiel übersetzte. Allerdings erst beim zweiten Versuch denn es ist eine sehr kleine Fähre, die zudem voll belegt war. Da hatte mein Fahrrad samt Anhänger keinen Platz mehr. Mit der nächsten Fähre konnte ich aber übersetzen. Anschließend ging es an der Kieler Förde entlang hoch in die Stadt hinein, wo ich erst einmal ein Stündchen Pause in einem Café machte. Das kühle Wetter hatte den Vorteil, dass man sich nicht durch Menschenmassen drängen muss, um irgendwo hinzugelangen und Fotos zu schießen. Bistros und Cafés hingegen waren gut besucht.

Für meinen Kieler Rundgang konnte ich mir Zeit lassen, denn bis zum Nachtquartier waren es nur knapp 16 Kilometer. Auf dem Weg kaufte ich noch etwas Obst ein und frische Semmeln und setzte meinen Weg fort über die Brücke und auf die andere Seite der Förde. Bis Dietrichsdorf hatte ich es zum ersten Mal wieder mit einer längeren Steigung zu tun. Schleswig-Holstein ist nicht mehr so flach wie Niedersachsen. Durch Mönkeberg radelte ich noch durch und kam gegen 18:00 an. Mein Schlafplatz befand sich im Garten, Trinkwasser und Toilette hatte ich auch zur Verfügung. Wie bislang bei allen 1nitetent-Plätzen bin ich auch hier freundlich empfangen worden – einzige Ausnahme war der Platz in Grafschaft bei Wilhelmshafen. Wenn man bedenkt, dass die Menschen einem das alles kostenlos zur Verfügung stellen … einfach toll.

18. bis 22. Juli 2022, Etappe nach Wesselburenerkoog und 4 Tage Aufenthalt

Viel werde ich nicht zu der Etappe schreiben, da es auch kaum Erwähnenswertes passiert ist. Die Strecke führte von Brunsbüttel aus über Marne nach Meldorf und von da aus auf dem Eurovelo 12 nach Büsum und schließlich zum Campingplatz in Wesselburenerkoog, wo ich nach mehr als dreißig Jahren meine beste Freundin seit der Schulzeit – Maria – wiedergesehen habe! Sie macht dort mit ihrem Mann Carsten Urlaub. Logisch, dass wir uns sehr viel zu erzählen haben – wie holt man so viele Jahre in so wenigen Tagen nach? – und es war wirklich schön, sie wiederzusehen.

14. Juli 2022, Etappe von Kollmar nach Brunsbüttel

Mit dem Sommer wird das in diesem Jahr wohl nichts mehr, jedenfalls nicht auf der Route, auf der ich unterwegs bin. Kühl, windig, immer wieder mal Regenschauer und wenig Sonne. Ich hatte bislang erst einen einzigen Tag mit 29 Grad, das war auf der Etappe von Aurich nach Grafschaft. Die Strände sind mehr oder weniger leer, ins Wasser geht kaum jemand, weil zu kalt, während andere Regionen in Deutschland unter der Hitze stöhnen. Schon krass, diese Differenz! Ich brauche sicher keine 35 Grad und Dauerhitze, aber wenigstens mal ab und an Badewetter.

Nicht nur das Wetter beeinflusst meine weitere Tour, ich hänge auch mit meinen Manuskripten weit hinter den ursprünglich geplanten Veröffentlichungsterminen hinterher. Daher habe ich mich gestern für eine Planänderung entschieden. Dänemark ist gestrichen. Ich hatte etwa 2 Wochen dafür vorgesehen, um durch Dänemark von der Nordsee an die Ostsee zu wechseln, aber ich benötige einfach mehr und längere Aufenthalte, um Schreibzeit zu haben. Hätte ich schon ein gutes E-Bike, könnte ich mir mehr Zeit lassen und würde im Winter nach Andalusien radeln. Das steht schon lange auf meiner Wunschliste, aber tja, über Narbonne, Perpignan und Barcelona ist es schlicht zu gebirgig für mein Gespann.

Wo ich in diesem Jahr in Frankreich überwintere hängt zum einen davon ab, wieviel Geld ich im Sommer verdiene, und da das Mediendesign immer noch komplett am Boden liegt, muss ich eben unter Zeitdruck Bücher schreiben und veröffentlichen, was ich hasse. Derzeit bin ich in zwei Gruppen auf FB aktiv, in denen es um Housesitting geht. Ich hoffe, da ergibt sich etwas Passendes. Mal sehen.

Die heutige Etappe umfasste 46 Kilometer, einschließlich Umwege zu einem Supermarkt, denn in Kollmar gab es rein gar nichts, wo ich hätte einkaufen können. Bis Glücksstadt war mir die Sonne noch hold, danach zogen Wollen auf und der Wind legte deutlich zu. Gegenwind natürlich. Der Radwanderweg verlief größtenteils zwischen Elbe und Deich, es gab jede Menge Tore, die ich durchqueren musste, denn überall weideten Schafe. Die sich auch von meinem Gespann nicht stören ließen und seelenruhig liegen blieben, wenn ich vorbeiradelte. Vermutlich waren die Tiere an Radtouristen gewöhnt.

Es ging an dem alten – und extrem hässlichen! – Kernkraftwerk Brokdorf vorbei, an vielen Leuchttürmen und bis nach Sankt-Margarethen, wo ich in einem kleinen Café Schutz vor dem kräftigen Regenguss suchte, der gerade herunterkam. Außer mir hatten auch noch andere Radwanderer diese Idee und das Café war in kurzer Zeit gerappelt voll. Nach der Pause fuhr ich zurück zum Deich und hatte doch tatsächlich seit Belgien wieder mal eine Reifenpanne. Glücklicherweise am Anhänger, nicht am Fahrrad. Das Loch im Schlauch war schnell gefunden – verursacht vermutlich durch etwas Spitzes wie einen Nagel oder Dorn – und geflickt dann ging es weiter.

Bis zur Kanalfähre in Brunsbüttel waren es nur noch 8 Kilometer, die ich auch noch hinter mich brachte. Die Überfahrt kostete nichts und ich radelte die letzten 4 Kilometer vom anderen Ufer bis zum Campingplatz. Dieser war sehr klein, sauber und gepflegt. Rezeption gab es keine. Die Dame, die den Platz betreute, kam immer abends um 18:30 zum Abkassieren. Wer später eintraf durfte die Nacht gratis zelten. Es gibt eine kleinen Aufenthaltsraum, das Mobilfunknetz ist hier besser als in Kollmar – wenngleich auch noch nicht atemberaubend schnell – daher werde ich wohl hier nochmals 2 oder 3 Tage verbringen und arbeiten. Zum nächsten Supermarkt oder Bäcker ist es auch nicht weit.

11. Juli 2022, Etappe von Blankenese nach Kollmar

Weil ich nicht wirklich mehr als 70 Kilometer heute radeln wollte, suchte ich mit der App Komoot eine andere Route und fand sie auch. Gute 25 Kilometer konnte ich so einsparen. Natürlich war die alternative Strecke dafür auch nicht so schön, denn sie verlief durch Wedel und danach bis Holm fast durchgängig an der 431 entlang. Erst da kreuzte der Ochsen-Radweg meine Strecke.

Um halb zehn Uhr brach ich also auf, radelte erst noch am Elberadweg entlang, bis ich auf den Eurovelo 3 traf, dem ich durch Wedel hindurch folgte. Ich hätte ab hier auch über Elmshorn fahren können, doch das hätte dann wieder zu viele Kilometer zusätzlich bedeutet. Daher blieb ich auf meiner gewählten Route bis Neuendeich. Hier gabelte sich die Straße erneut. Rechts ging es nach Elmshorn und links zum Krückau-Sperrwerk. Das war an Werktagen nachmittags nur von 14_15 bis 15:15 geöffnet. Ich hatte noch 3,5 Kilometer und eine dreiviertel Stunde Zeit bis dahin. Das erste Stück ließ sich trotz der Schäden am Asphalt halbwegs gut fahren, aber dann kam 1 Kilometer reiner Acker. Außer riesigen tiefen Traktorreifenspuren gab es nichts. Gut, dass der Boden trocken war, sonst hätte ich hier aufgeben und zurückfahren müssen. So schob ich das Gespann im höchstmöglichen Tempo über das unebene Terrain und atmete erleichtert auf, als der Weg endlich wieder in Schotter überging. Ich schaffte es eine Viertelstunde vor Schließung der Sperre auf die andere Seite der Krückau. Von hier aus war es nur noch ein Katzensprung bis zum Campingplatz bei Kollmar.

Mit 10 Euro war er sehr günstig, gepflegt und Steckdosen gab es in den Waschräumen, wo es auch erlaubt war, Handys aufzuladen. Ich buchte erst einmal bis Donnerstag, danach entscheide ich mich, ob ich weitere Tage bleibe oder weiterfahre. Bis Büsum sind es auf der Nordseeroute knapp 85 Kilometer. Die werde ich also nochmals unterteilen und in 2 Etappen fahren, je nachdem, wo ich ein Nachtquartier finde.

10. Juli 2022, Etappe von Cranz nach Blankenese

Irgendwie war ich heute früh zu unruhig und brach bereits um 8:00 auf. Zwar hatte ich heute insgesamt nur knapp 30 Kilometer zu fahren, wollte aber die Besichtigungstour in Hamburg in aller Ruhe absolvieren. Der erste Streckenabschnitt ging über den Elbe-Radweg nach Finkenwerder zur Fähre. Die fuhr sonntags erst später und daher suchte ich mir eine Bäckerei, um zu frühstücken. Um halb zehn Uhr schließlich stand ich samt Gespann auf der Fähre 61. 3,50 Euro kostete die Überfahrt bis zu den Landungsbrücken. Die Fähre legte an mehreren Stationen an, unter anderem dem Fischmarkt und natürlich dem Museumshafen Ovelgönne. Endstation waren die Landungsbrücken ganz in der Nähe der Elb-Philharmonie. Von hier aus wollte ich in einem großen Kreisbogen über die Speicherstadt und Innenstadt zurück zu den Landungsbrücken.

Zeit hatte ich genug, denn bis zum heutigen Ziel, dem Campingplatz hinter Blankenese, waren es dann nur noch 15 Kilometer. Auf der Uferpromenade war ordentlich was los, aber sicher deutlich weniger als bei hochsommerlichem Wetter. Ich ging zu Fuß und schob das Fahrrad, da ich oft stehenblieb, um zu fotografieren. Motive gab es wahrlich genug! Die HafenCity bis zur Speicherstadt, die Kohlbrandbrücke, die Alsterarkaden bis zum Rathausplatz. In der Altstadt hatte ich allerdings etwas Pech. Viele Straßen waren gesperrt, überall standen Pavillons und Stände, weil der der Hamburger Triathlon stattfand. Auch Fotos gelange mir kaum, es waren einfach zu viele Menschen anwesend. Ich suchte mir einen Weg zurück zu den Landungsbrücken über den alten Elbpark. Hier legte ich in einem nicht so überlaufenen Café eine Pause ein, bevor ich weiterfuhr. Zum Teil konnte ich auf dem Radweg nicht fahren, weil er über die Uferpromenade verlief und es dort entsprechend voll war. Erst hinter dem Museumshafen ging es flotter voran. Na ja, soweit möglich bei dem kräftigen Gegenwind.

Um 17:30 traf ich am Campingplatz ein. Ich hatte zuvor reserviert nachdem der 1nighttent Anbieter in Rissen abgesagt hatte. Mit 16,60 Euro plus 20 Euro Pfand war er nicht gerade billig. Zudem waren die Zeltplätze einfach nur Sandkuhlen und jeder stellte sein Zelt da auf, wo gerade Platz war. Der Boden war tief und locker, das war kein Vergnügen mit dem schweren Gespann da vorwärtszukommen! Immerhin gab es eine Ladestation für Handys und Co, die Radwanderer nutzen konnten. Morgen wird es anstrengend werden, denn falls auch der dritte 1nighttent absagt – die andere beiden hatten sich zurückgemeldet und geschrieben, das sie selbst gerade im Urlaub sind – muss ich bis zum nächsten Campingplatz hinter Brunsbüttel 75 Kilometer bewältigen. Mit Gegenwind. Juchuu.