22. November, Etappe von Dieupentale nach Lamagistère

Irgendwie war ich heute Morgen nicht wirklich motiviert, die nächste Etappe zu fahren, aber es half ja nichts und das vorläufige Ziel war ja auch schon in Reichweite. Positiv war auf jeden Fall, dass der angekündigte Regen, wie auch gestern schon, ausblieb. Das Regenradar meiner Wetter-App zeigte, dass die Hauptfront über Toulouse hinwegziehen würde. Auf meiner Strecke hingegen sollte es zwar bewölkt, aber trocken bleiben.

Um 10.00 brach ich also auf und hoffte, dass mich der Regen noch ein oder zwei Tage verschonen würde. Der erste Halt für eine längere Kaffeepause war dann der MC Donald in Castelsarrasin, nachdem ich zuvor im Ort vergeblich nach einem Café gesucht hatte, welches Montagmittag geöffnet hatte.

Dafür hatte ich dann aber eine Steckdose am Tisch und freies WLAN. Der Cappuccino war genießbar und nicht teuer. Okay, das war das allererste Mal in meinem Leben, dass ich in diesem Fresstempel etwas konsumiert habe! Um 14.00 Uhr fuhr ich weiter, nachdem ich mich noch im benachbarten Supermarkt mit Vorräten eingedeckt hatte.

Der Radwanderweg ist seit Toulouse gut zu befahren, die spätherbstlich gefärbten Bäume am Kanal ein wunderschöner Anblick, erst recht, als der Himmel zeitweise aufriss und die Sonne sich blicken ließ.

22. November, Etappe von Dieupentale nach Lamagistère

Über Moissac erreichte ich schließlich Valence d’Agen und begann allmählich damit, nach einem passenden Platz zum Übernachten Ausschau zu halten. Den fand ich dann aber erst einige Kilometer weiter, etwas hinter Lamagistère. Nicht optimal, weil eine kleine Straße vorbeiführt, aber Nachts dürfte da wenig Verkehr herrschen und das Zelt ist dank der grünen Abdeckplane auch relativ schwer zu sehen.

Morgen geht es dann über Agen nach Sérignac-sur Garonne weiter. Das sind nochmal etwa 40 Kilometer. Am meisten freue ich mich auf eine heiße Dusche! Ich hoffe sehr, dass ich einige Zeit dortbleiben kann, wie schon 2019. Das muss ich mit der Gemeinde absprechen.

21. November, Etappe von Castanet-Tolosan nach Dieupentale

Der Morgen begrüßte mich mit 7 Grad du Hochnebel, was bedeutete, dass alles gut durchgefeuchtet war. Zeltplane, Schlafsack, decken, Klamotten … Trotz zusätzlicher Plane setzt sich diese Feuchtigkeit einfach überall ab. Herbst vom Feinsten eben. Ich brauche wirklich dringend ein gutes Zelt, aber woher 300 Öcken nehmen, wenn nicht stehlen? Das Fahrrad braucht auch neue Bremsen – der vierte Satz in diesem Jahr, weil sie sich natürlich schnell abnutzen, bei dem Gewicht, was sie abbremsen müssen. Die Reifen sind komplett abgefahren, müssten also auch ausgetauscht werden. Eigentlich nur kleinere Ausgaben, aber in Summe momentan nicht machbar.

21. November, Etappe von Castanet-Tolosan nach Dieupentale

Ebenso meine Klamotten. Neu waren sie eh nicht, haben teilweise schon 3 Jahre oder mehr auf dem Buckel, fallen jetzt aber allmählich auseinander. Vor allem die Schuhe – ohnehin nur für den Sommer gedacht – lösen sich mittlerweile in ihre Bestandteile auf. Billigschuhe aus dem Supermarkt helfen da nicht weiter, die überstehen so eine Beanspruchung keinen Monat!

Zwei Etappen – wenn es nicht allzu sehr regnet, habe ich noch bis Sérignac-sur-Garonne. Heute soll es bis Dieupentale vor Montech gehen, dort habe ich schon zweimal auf dem Picknickplatz kampiert. Ab und an stehen dort auch Wohnmobile.

Um 9.30 brach ich also wieder auf, erreichte gegen 11.00 Toulouse und sucht mir ein Café, in dem ich auch meine Technik aufladen konnte. Am Jardin des Plantes fand ich es. Der Kaffee war hervorragend, auch günstig und ich hatte dort nicht nur eine Steckdose am Tisch zur Verfügung, sondern auch freies WLAN.

Ich verbrachte 2 Stunden dort, nutzte die Zeit, um ein bisschen am aktuellen Manuskript zu schreiben. Das eigentlich schon seit dem 15. November veröffentlich sein sollte. Da ich keine längeren Pausen einlege kann – Campingplätze, also die wenigen, die jetzt noch geöffnet haben, kann ich mir derzeit nicht leisten – wird es auch noch etwas dauern, bis das Buch fertig ist. Ich schreibe ohnehin nur Kurzgeschichten und Novellen, solange ich unterwegs bin. Romane erfordern einfach mehr Zeit, Konzentration und Vorbereitung.

Von Toulouse aus trat ich die Pedale noch einmal kräftig durch, um vor dem angekündigten Regen ab 16.00 mein Ziel zu erreichen. Ich schaffte es bis um 17.00 und eine Stunde später konnte ich ins Zelt krabbeln. Morgen will ich es bis Valence d’Agen schaffen, das sind etwa 58 Kilometer. Dann ist es nur noch eine Etappe bis zum vorläufigen Endziel.

19. und 20. November, Etappen von Trebes über Villepinte nach Castanet-Tolosan

19. November, Etappe von Trèbes nach Villepinte

Mit nur 2 Grad war es am Morgen fast schon ein Schock, aus dem Schlafsack zu krabbeln und ins Freie zu gehen. Der Frühnebel sorgte noch dazu dafür, dass alles schon feucht war, als ich zusammenpackte. Um 9.00 fuhr ich los, weiterhin auf dem Fuß-Radweg, der meinem Fahrrad und mir alles abverlangte. Entweder fuhr ich sehr langsam oder stieg gleich ab und schob das Fahrrad. Erster Anlaufpunkt war Carcassonne. Dort trank ich in einer Bar einen Kaffee, konnte aber nur das Smartphone in der Zeit aufladen.

Weiter ging es dann in Richtung Bram, wo ich bereits im Mai am Kanal biwakiert hatte. Diesen Platz wollte ich auch heute wieder ansteuern. Leichter gesagt als getan. Knapp 25 Kilometer wären bei guter Strecke locker zu fahren gewesen, sodass ich normalerweise sogar noch bis Castelnaudary hätte fahren können. Zusätzlich gab es auch noch Umleitungen, weil am Kanal einige Schleusen repariert wurden. Auf diesen Abschnitten führte der Kanal auch kein Wasser mehr, was ein sehr ungewohnter und trostloser Anblick war!

Positiv war heute, dass kaum ein Wind wehte und weiterhin die Sonne schien. Das sollte sich ab Montag wohl ändern. Da sagt der Wetterbericht für die gesamte nächste Woche viel Regen bei nur noch 11 Grad Höchsttemperatur voraus. Bei dem jetzigen Tempo erreiche ich den Campingplatz in Sérignac-sur-Garonne frühestens am Dienstag. Das werden ungemütliche Etappen fürchte ich.

Um 17.00 erreichte ich Bram und fuhr noch bis zur Schleuse von Villepinte, wo ich mein Nachtlager aufschlug.

19. und 20. November, Etappen von Trebes über Villepinte nach Castanet-Tolosan

20. November, Etappe von Villepinte nach Castanet-Tolosan

Statt der vorhergesagten tiefen Temperaturen startete der Tag mit Wolken und relativ warmen 9 Grad. Die heutige Etappe sollte bis Montgiscard gehen oder, wenn ich es schaffte, auch noch weiter. Leider sollte das Wetter sich bereits ab Sonntag schon verschlechtern. Für die gesamte Woche darauf versprach der Wetterbericht Regen und Wind. Bis Sérignac-sur-Garonne waren es immer noch knapp 200 Kilometer. Zumindest aber lässt sich die Strecke ab Toulouse deutlich zügiger fahren, weil der Radwanderweg durchgehend asphaltiert ist.

Castelnaudary erreichte ich gegen 11.30 und kehrte dort in ein Café ein, in dem ich auch Laptop und Smartphone aufladen konnte. Um 13.00 fuhr ich weiter und musste bis Avignonet-Lauragais ein letztes Mal schlechte Wegstrecke bewältigen. Ab da konnte ich endlich kräftig in die Pedale treten. In Montgiscard fand ich keinen geeigneten Platz zum Übernachten, zudem war auf dem Radweg noch erstaunlich viel los. Jogger, Spaziergänger mit und ohne Hund oder Kinder, viele Radsportler.

Da empfahl sich ein Lagerplatz direkt am Radweg eher nicht. Also fuhr ich weiter bis nach Castanet-Tolosan, wo ich am Halte -Nautique dann endlich einen Platz fand. Auf dem Tacho standen 64 Kilometer, was eine gute Bilanz ist, bedenkt man den längeren Aufenthalt in Castelnaudary und das langsamere Tempo über etwa 12 Kilometer schlechtere Wegstrecke. Es war schon dunkel, als ich mein Zelt aufbaute. Ab morgen wird es dann richtig ungemütlich, sobald der Regen einsetzt. Wahrscheinlich lege ich den Rest der Strecke bis Sérignac-sur-Garonne in kürzeren Etappen zurück als geplant.

18. November, Etappe von Homps nach Trèbes

Nach einer unruhigen Nacht brach ich um 9.00 wieder auf. Es war weiterhin windig, doch bei weitem nicht mehr so schlimm wie gestern. Das ließ mich für die heutige Etappe hoffen. Bis Trèbes wollte ich es auf jeden Fall schaffen. Die Strecke selbst war eigentlich nicht weit, doch da Teile des Radwanderweges am Kanal immer noch gesperrt waren – das hatte ich bereits bei Tourstart im Mai feststellen müssen – fuhr ich einige Umwege.

18. November, Etappe von Homps nach Trèbes

Erst von Marseillette aus konnte ich den Radweg am Kanal wieder benutzen. In dem kleinen Ort legte ich eine Kaffeepause von einer Stunde ein, bevor ich die letzten Kilometer bis hinter Trèbes zurücklegte. Im dortigen Intermarché kaufte ich noch etwas Proviant ein.

Bis zur Schleuse von Villedubert wollte ich eigentlich noch fahren, entdeckte dann aber etwa 2 Kilometer hinter Trèbes einen nahezu idealen Platz zum Kampieren. Ruhig und wind – und sichtgeschützt. Kurzerhand schlug ich dort mein Nachtlager auf. Morgen wollte ich über Carcassonne bis Castelnaudary fahren.

17. November, Etappe von Capestang nach Homps

Schon beim Aufbruch um 9.30 wehte ein kräftiger Wind. Da er von Westen herkam, bedeutete das für mich: Gegenwind beim Fahren. Hurra. Zudem kam erschwerend noch dazu, dass der Radwanderweg bis Castelnaudary nur an einigen Abschnitten ausgebaut war. Der Rest bestand immer noch aus dem alten unbefestigten Pilgerweg. Ich entschied mich daher, bis Le Somail lieber der Straße zu folgen. Mit der App Komoot – sie ist speziell für Radfahrer und Wanderer und sehr viel besser als Google Maps – legte ich die Route fest und fuhr los.

Le Somail erreichte ich gegen Mittag, konnte am Hafen im Touristenbüro Wasser tanken und nahm dann den Radwanderweg nach Ventenac-en-Minervois. Dort wollte ich meine ehemalige Nachbarin – ich verbrachte den Winter 2020/21 im Haus neben ihr – Alexandra besuchen. Wir tranken Kaffee, tauschte Neuigkeiten aus und um etwa 16.00 machte ich mich wieder auf den Weg.

17. November, Etappe von Capestang nach Homps

Der Wind hatte inzwischen noch ordentlich zugelegt. Mit Böen bis 55 km/h pfiff er daher. Vor allem wenn er von der Seite herkam, wurde es schlimm. Streckenweise schob ich das Fahrrad und kämpfte mich nur mühsam vorwärts. Das anvisierte Ziel – den Hafen bin Homps – erreichte ich vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr, fand aber einen halbwegs geschützten Platz am Kanal etwa 6 Kilometer vor Homps.

Bis um 3.00 nachts blieb es stürmisch, sodass ich auch da erst einschlief. Ich hoffte sehr, dass es morgen nicht mehr so stürmisch war, sonst sah es düster für meinen Zeitplan aus.

16. November, Etappe von Portiragnes nach Capestang

Das war in dieser Nacht vor Portiragnes der erste Zeltplatz seit langem, auf dem ich keinerlei Straßenlärm hörte. Und da sich auch keine Radfahrer oder Spaziergänger morgens schon dorthin verirrten, gönnte ich mir einen langsameren Start in den Tag.

Ich brach um 9.30 zur nächsten Etappe auf, die mich über Bèziers nach Capestang, wenn möglich auch noch ein paar Kilometer weiterführen sollte. Es hatte in der Nacht noch Mal gut geregnet, der unbefestigte lehmige Weg war dadurch sehr rutschig geworden. Bis hinter Portiragnes schob ich das Fahrrad also, ab da wurde der Weg dann besser.

Mittags legte ich eine Stunde Pause in einem Café in Villeneuve-les-Béziers ein, trank einen kleinen Kaffee – der immer noch 1,50 € kostete – und lud noch einmal Smartphone und Powerbank auf. Nun hatte ich nur noch knapp 5 € zur Verfügung. So dermaßen finanziell eng ist es bei mir schon lange nicht mehr gewesen! Vor allem nicht über einen so langen Zeitraum.

16. November, Etappe von Portiragnes nach Capestang
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Als ich wieder losfuhr hatte der frische Westwind auch die restlichen Wolken vo Himmel verjagt und die Sonne beschien eine wunderschöne Herbstlandschaft in leuchtend rot und goldenen Farben. Leider hieß das für mich: teils kräftiger Gegenwind. Mein Reisetempo verlangsamte sich daher und auch der Radwanderweg zeigte sich zwischen Colombier und Capestang recht holprig und schmal. Auf diesen Abschnitten schob ich das Fahrrad erneut, weil ich keinen Platten riskieren wollte. Capestang erreichte ich deswegen gut eineinhalb Stunden später als geplant. Am Hafen fand ich einen geeigneten Platz und schlug dort mein Lager auf.

Bis hinter Carcassonne bleibt die Strecke mit wenigen Ausnahmen so schlecht. Das bedeutet wohl eine Verzögerung, bis ich nach Sérignac-sur-Garonne komme. Geplant hatte ich das spätestens Mittwoch nächster Woche. Auf dem dortigen Gratis-Campingplatz hoffe ich ja, einige Zeit bleiben zu können.

15. November, Etappe von Frontignan nach Portiragnes

Der heutige Tag begann verheißungsvoll damit, dass ich mir das letzte Wasser aus den Vorräten, welches ich für Kaffee heißgemacht hatte, über den Fuß kippte. Zumindest dann war ich hellwach. An der Fußaußenseite bildete sich schnell eine ordentliche Brandblase und es tat höllisch weh. Ich versorgte die Stelle mit einem sterilen Tupfer – Brandsalbe hatte ich nicht in meiner Erste-Hilfe-Ausrüstung dabei – und klebte zwei große Pflaster darüber. Angenehm würde das wohl beim Laufen und Radfahren nicht werden, aber ich konnte ja nicht pausieren.

Es gab also kein Frühstück für mich heute Morgen, aber ich wollte später in einem Café oder eine Bar eine Pause einlegen, weil ich mein Smartphone und den Laptop aufladen musste. Die fand ich in Sète am Hafen. Der Kaffee mit Milch kostete 3 € die große Tasse. Nicht billig und ich saß 2 Stunden dort, was dann 2 Tassen Kaffee bedeutete. Normalerweise erledige ich das Aufladen meiner Geräte in den Touristenbüros, die meist auch freies WLAN anbieten, aber die haben in den Wintermonaten größtenteils geschlossen.

Erst um 13.00 fuhr ich wieder weiter. Das Wetter war unbeständig, immer wieder tröpfelte es aus dicken Wolken herab. Für den Nachmittag und die Nacht sagte der Wetterfrosch mehr Regen vorher, doch ab morgen sollte es sonniger werden. Dafür muss ich mich in den Nächten auf deutlich kältere Temperaturen – bis zu 2 Grad – einstellen.

15. November, Etappe von Frontignan nach Portiragne

Der Radwanderweg von Sète nach Agde, hatte man erst einmal die Stadt hinter sich gelassen, war schön zu fahren. Er führte 19 Kilometer am Meer entlang und durch die Dünen. Im Sommer steppt hier der Bär, jetzt jedoch hatte ich die Strecke beinahe ganz für mich allein.

Bis zum Stadtzentrum von Agde verlief der Radwanderweg durch das Industrie- und Gewerbegebiet, was nicht so schön zu fahren war. Zudem gab es etliche Baustellen, die mich zu Umwegen zwangen. Dadurch erreichte ich den Canal du Midi erst bei Einbruch der Dunkelheit. Dazu kam noch, dass es inzwischen stärker regnete und der Radwanderweg – eigentlich immer noch ein Fußwanderweg – entlang des Kanals unbefestigt war. Der lehmige Boden verwandelte sich in eine Rutschbahn, daher schob ich das Fahrrad bis zum anvisierten Ziel lieber.

Etwa 300 Meter vor dem Hafen Le Cassafières fand ich einen trockenen Platz unter Schirmpinien. Bis ich alles aufgebaut und im Zelt verstaut hatte, war es 19.00. Die nächsten Etappen werden – zumindest bis Castelnaudary – deutlich kürzer, weil der Radwanderweg mehr eine Piste für Mountainbikes ist als für Tourenfahrräder mit Anhänger. Einzige Alternative: Die Schnellstraße, welche parallel verläuft aber sehr gefährlich ist. Dann lieber langsamer unterwegs sein. Morgen geht es dann über Béziers nach Capestang weiter. Insgesamt hatte ich heute „nur“ 47 Kilometer zurückgelegt. Meinem verbrühtem Fuß geht es soweit gut, nichts ist aufgescheuert worden.

14. November, Etappe von Aigues-Mortes nach Frontignan

Allmählich merkte ich, dass ich keine 25 mehr bin. Die einzelnen Etappen so durchzufahren, ohne einen oder zwei Tage Pause einlegen zu können, schlauchte mich ganz schön. Gestern jedenfalls kroch ich bereits um 21.00 in den Schlafsack. Dafür war ich morgens um 5.00 hellwach. Ich gönnte mir zwei Tasse Kaffee und ein kleines Frühstück, schrieb ein halbes Kapitel im aktuellen Manuskript und war um 8.30 startklar. Da der Wetterbericht für Montag Regen vorhergesagt hatte, wollte ich heute so dicht an Sète heranfahren, wie ich es schaffen konnte. So hätte ich dann bis Agde nur noch etwa 32 Kilometer und bis Portiragne am Canal du Midi noch einmal 17. Dort gibt es einen kleinen Hafen mit Picknickplätzen, die von riesigen Schirmpinien überdacht werden.

Die heutige Strecke führte mich ans Mittelmeer über Grau-du-Roi, La Grande-Motte, Carnon, Mireval, Vic-la-Gardiole und Frontignan. Links und rechts des Radwanderweges erstreckten sich Seen, Sümpfe und – natürlich – das Meer. Überall gab es Haltepunkte, von denen man die zahlreichen Wasservögel beobachten und fotografieren konnte. Reiher, Möwen und vor allem: Flamingos.

14. November, Etappe von Aigues-Mortes nach Frontignan
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In Carnon fand ich endlich eine öffentliche Toilette, die nicht chemisch betrieben wurde. Bei denen gibt es nämlich kein Wasser mehr. Hier aber konnte ich meine Wasserflaschen wieder auffüllen. Ein Apfel diente als Mittagessen. Meine Vorräte müssen so lang reichen, wie möglich, denn einkaufen ist jetzt nicht mehr drin, nachdem ich gestern noch die Gaskartusche gekauft hatte. Die restlichen 14 € brauche ich für die Cafés und Bars, in denen ich alle zwei bis drei Tage mein Handy und Laptop aufladen muss. Kommen keine Aufträge, wir es richtig eng, denn Geld kommt erst Ende des Monats wieder rein.

Von Carnon aus ging es über Mireval bis Vic-la-Gardiole durch die Weinberge und dann wieder zurück an die Küste. Der Himmel bewölkte sich zusehends und ich schätzte, dass es bereits heute Abend regnen könnte. Bis dahin wollte ich einen Zeltplatz gefunden haben. Hinter Frontignan bot sich eine Wiese neben dem Fußballplatz an, die der Gemeinde gehörte. Und kaum hatte ich mein Zelt aufgebaut, kam auch schon der erste Schauer runter. Ich hoffe, dass es morgen nicht allzu nass wird.

13. November, Etappe von Beaucaire nach Aigues-Mortes

Bis auf den Straßenlärm verbrachte ich eine ruhige Nacht, trank rasch einen Kaffee und brach um 9.00 wieder auf. Meine Wasservorräte waren beinahe aufgebraucht, ich musste also dringend auf der Strecke nach einer Möglichkeit suchen, sie wieder aufzufüllen. Normalerweise an öffentlichen Toiletten, oder ich frage an Bauernhöfen oder Wohnhäusern nach. Wasser in Plastikflaschen kaufe ich nur, wenn es gar nicht anders geht. Tja, aber heute gestaltete sich der Teil mit dem Wasser sehr schwierig. Der Radwanderweg führte durch die Camargue, wunderschön aber ohne einen Ort zu durchqueren. Saint-Gilles, mein ursprünglich geplanter Anlaufpunkt für Wasser und eine Pause lag zu weit weg – in Anbetracht der Kilometer, die ich noch zu fahren hatte.

Gott sei Dank war es kein Sommer mehr, denn mit nur noch einem Liter Wasser wäre das ungut gewesen. Doch auch so merkte ich, trotz der Äpfel, die ich unterwegs aß – es gab hier genug Falllobst – wie meine Kehle erst trocken wurde und dann allmählich zuschwoll. Ich trat also fester in die Pedale, denn der der nächste Ort war erst wieder Gallician, das bedeutete noch mal 18 Kilometer.

13. November, Etappe von Beaucaire nach Aigues-Mortes

Glücklicherweise gab es vorher noch das Centre de Scamandre, ein Naherholungsgebiet mit Picknickplätzen und – ja, einer Toilette! Endlich Wasser. Ich füllte alle Flaschen auf, legte eine Pause ein und nahm dann die restlichen Kilometer bis Aigues-Mortes unter die Räder.

Ich erreichte den Ort um 16.00 Uhr, machte einen kurzen Abstecher in einen Supermarkt, um noch eine Gaskartusche für meinen Gaskocher zu kaufen. Danach belief sich mein gesamtes Vermögen noch auf ganze 14 €. Mit den Lebensmitteln, die ich in Avignon gekauft hatte, kam ich vermutlich – wenn ich sparsam war – bis zum nächsten Sonntag aus. Vielleicht auch einige Tage länger. Geld (Buchtantiemen) kommt erst am 29. November wieder herein. Das restliche Bargeld brauche ich für Bars oder Cafés, in denen ich einen Kaffee trinken und Laptop und Smartphone in der Zeit aufladen kann. Es wird also verdammt eng diesen Monat, es sei denn, es kommt noch ein Auftrag herein.

12. November, Etappe von Avignon nach Beaucaire

In dem Wissen, dass das für längere Zeit der letzte Campingplatz war, gönnte ich mir nach den langen Etappen der vergangenen Tage einen ruhigen Vormittag, lud alle Geräte noch einmal auf und brach dann um 11.30 zur nächsten Etappe auf. Die sollte heute nach Beaucaire in die Camargue gehen.

Der Radwanderweg bot einen Mix aus autofreien Abschnitten mit längeren Strecken entlang von kleineren Straßen. War es anfangs noch sonnig, so bewölkte sich der Himmel ab Aramon zusehends und hinter Montfrin regnete es sogar leicht. Bei 18 Grad und Windstille aber kein Problem.

Ich erreichte Beaucaire um 16.30 und plante, mir auf der Strecke nach Saint Gilles einen Schlafplatz zu suchen. Eine halbe Stunde vor Einbruch der Dunkelheit fand ich ihn neben einem großen Hof. Ich fragte die Bewohner um Erlaubnis, bekam sie und die Nacht war somit gerettet.

12. November, Etappe von Avignon nach Beaucaire

In den nächsten Tagen wird es nicht einfach werden. Nicht nur, weil mein Budget so gut wie aufgebraucht ist. Zum einen habe ich jetzt auch noch ein Problem mit dem Provider meiner Telefonkarte. Der hat nämlich, obwohl der Tarif am Montag abgebucht worden ist, die Karte nicht zurückgesetzt. Sie zeigt immer noch den Datenerbrauch von Oktober an. Da das am Limit ist, wird die Karte bald deaktiviert, bis 6. Dezember. Ohne Mobilfunknetz und Internet bin ich natürlich dann komplett aufgeschmissen und eine zweite Karte kann ich mir nicht leisten. Nur an den Touristenbüros, sofern sie außerhalb der Saison geöffnet haben, kann ich kostenloses WLAN nutzen. Ntürlich habe ich den Support bereits kontaktiert aber noch keine Rückmeldung erhalten. In diesem Jahr geht echt alles schief, was nur schieflaufen kann.

Das zweite größere Problem werden die Etappen bis Agde sein, wo ich auf de Radwanderweg am Canal du Midi wechsele. Bis dahin aber wird es nicht einfach sein, einen Schlafplatz zu finden. Die Landschaft besteht ab Aigues-Mortes aus Salinen, Sümpfen und den Weiden für die Camargue-Pferde und Stiere. Auch an der Küste entlang wird es problematisch, denn da verläuft der Radwanderweg zwischen Meer und Küstenstraße. Ich bin diese Strecke noch nie so spät im Jahr gefahren, wo schon die kürzeren Tage eine andere Etappenplanung erfordern als im Sommer.

Okay, Planung ist vielleicht etwas hochtrabend dafür, dass ich eigentlich nur noch einen Tag nach dem anderen versuche zu bewältigen! Schlafplatz, Strom, Wasser und etwas zu Essen sind momentan die Prioritäten.