24. Juni 2022, Etappe von Grafschaft nach Oldenburg

Ich hatte in der Nacht kaum geschlafen und fühlte mich wie von einem Bus überfahren, als ich heute früh Kaffee aufbrühte. Nicht nur, dass der Garten an die Hauptstraße grenzte – Motorradfahrer mit aufgemotzen superlauten Maschinen mitten in der Nacht inklusive – auch sonst war die Lärmkulisse nervig. Jedes Mal, wenn ich es endlich geschafft hatte, einzuschlafen, schrie die Gans im Geflügelhof los, Kater fetzten sich lautstark und um 3 Uhr in der Früh, fühlte sich ein Gockel dazu berufen, Wecker zu spielen. Um 4 Uhr gab ich es auf und kochte Kaffee, um mein müdes Hirn etwas aufzumuntern. Um 08:30 brach ich auf, ohne ein wirkliches Ziel zu haben. Mit 1nitetent hatte ich zwar drei weitere Zeltplätze ausfindig gemacht und kontaktiert – 2 in Varel, 1 vor Rastede – doch sie hatten sich noch nicht zurückgemeldet. Meine Hauptsorge galt allerdings dem Wetter, weswegen ich heute lieber eine kürzere Etappe fahren wollte. Sofern es eben mit der Übernachtung klappte. Die ersten Kilometer führten mich zurück nach Schortens und von da aus auf den Radweg nach Varel. Hier legte ich eine Pause ein, und hoffte, dass ich irgendwo ein Café mit Möglichkeit, meinen Laptop und mein Handy aufzuladen, fand. Aber leider Fehlanzeige. Zwar gab es hier auch einen MC Donalds, aber der nimmt nur Kartenzahlung und auf meiner Karte befinden sich gerade mal stolze 2,73 €. Dafür kriegt man keinen Kaffee. Ich gondelte also einmal quer durch Varel und zurück, checkte zwei Cafés ab und entschied mich schließlich, zurück zum Schlossplatz zu fahren und dort das Café zu nehmen. Eine Steckdose fand ich hier aber auch nicht, dafür roch der Kaffee gut und war – zusammen mit einem Croissant – auch günstig. Mich und Zucker konnte man sich an der Theke dazu nehmen. Tja, und da griff ich daneben – müdes Hirn sei Dank – und nahm anstatt Zucker, Salz. Bemerkte es erst, als ich den ersten Schluck trinken wollte. Igitt. Seufzend aß ich also nur das Croissant, ärgerte mich über die 2 verschwendeten Euros und fuhr früher als geplant weiter. Der Himmel sah ziemlich bedrohlich aus und ich hatte immer noch keinen Platz für die Nacht gefunden.

Die von mir angeschriebenen 1nitetent-Anbieter hatten sich leider nicht zurückgemeldet, daher verbuchte ich das unter Fehlschlag und suchte auf per Google Maps andere Möglichkeiten. Eine Schutzhütte, einen Picknickplatz oder einen kostenlosen Park- oder Wohnmobilstellplatz. Von Varel aus fuhr ich erst in Richtung Jade, anschließend weiter zur Unterweser. Die nächste Möglichkeit wäre Oldenburg gewesen, was überhaupt nicht mein Ziel war, als ich aber nirgends etwas fand, wechselte ich die Richtung erneut und radelte einige Kilometer nach Rastede, wo sich ein weitere 1nitetent-Platz befand, doch auch dieser hatte sich auf meine Anfrage hin nicht gemeldet. Vermutlich waren die alle selbst im Urlaub. Also doch Oldenburg, genauer gesagt der Stadtteil Donnerschwee und Hurra! ich fand einen Platz bei einer kleinen Familie, die selbst oft Radreisen unternahmen. Nach weiteren knapp 20 Kilometern traf ich dort ein. Mein Zelt baute ich im Garten auf, Wasser gab es auch und eine Steckdose. Morgen besichtige ich Oldenburg, fahre dann den Radweg an der Hunte entlang zur Unterweser nach Elsfleth. Dort habe ich bereits eine Übernachtung klar machen können.

23. Juni 2022, Etappe von Aurich nach Grafschaft

Es war feucht und kühl heute Morgen, als ich mir meinen Kaffee aufbrühte. Fast wie im Herbst, aber als ich um kurz vor neun aufbrach, schien die Sonne schon mit so viel Kraft, dass ich das Langarm-Shirt wieder auszog. Da ich über das Netzwerk von 1nitetent schon eine Übernachtung für heute gefunden hatte, musste ich mich nicht abhetzen. Zumal der Radweg auf diesem Teil der Route fast durchgängig am Kanal entlangführte.

Der Belag wechselte zwischen feinem Schotter, Pflaster und Asphalt, gelegentlich wurde es auch mal holprig, aber sonst war der Radweg schön zu befahren. Auf der ersten Hälfte zudem auch noch schattig, was angesichts der schnell auf 28 Grad steigenden Temperatur sehr angenehm war. Ich fuhr quasi durch einen grünen Tunnel aus Bäumen und Büschen. Hübsch gestaltete Picknickplätze taten ein Übriges dazu, dass es eine entspannte Etappe wurde. Die zweite Hälfte war auch noch schön zu fahren, doch hier gab es nur noch wenige Bäume. Ich legte häufiger Pausen an den zumeist überdachten Picknickplätzen – oft waren es auch Schutzhütten – weil ich sehr schnell einen Hitzschlag bekomme. Gut, dass ich heute Morgen noch alle Trinkflaschen mit Wasser auffüllen konnte. Ich führe immer einen Waschlappen am Seesack befestigt mit, sodass ich nicht nur trinken, sondern mich auch abkühlen konnte. Von Reepsholt aus wählte ich die kürzere Strecke nach Schortens, anstatt rst bei Dykshausen vom Kanal abzubiegen, das sparte 8 Kilometer. Mein heutiger Gastgeber hatte darum gebeten, nicht später als 17:00 zu kommen. Mir war es ganz recht, so konnte ich den Nachmittag noch nutzen, zum Schreiben. Um 15:30 erreichte den Bioladen und bekam vom Besitzer den Platz gezeigt, wo ich mein Zelt aufschlagen konnte. Nicht so schön, wie mein vorheriges Quartier – der Boden war sehr uneben, es gab kaum Gras und er lag direkt an der Hauptstraße – aber für eine Nacht vollkommen okay. Strom hatte ich diesmal keinen, aber Wasser. Wie schon die Wochen davor, habe ich mich vorhin dazu entschieden, die Nordseeroute erneut zu streichen, weil es finanziell momentan einfach nicht drin ist. Zudem gibt es da auch keine Möglichkeiten über 1nitetent. Ich werde also über Dykshausen nach Varel fahren – ich warte von den beiden Angeboten noch auf eine Rückmeldung – und dann hoch nach Oldenburg. Von da aus dann nach Bremen. Mann, der 29. kann diesen Monat echt nicht schnell genug kommen! Das Datenvolumen meiner Handykarte ist auch schon fast aufgebraucht, ich werde also morgen in Varel dem großen gelben M einen Besuch abstatten, für Kaffee, WiFi und Strom. Sieht so aus, als käme ich nicht darum, mir noch eine zweite Karte zu kaufen, solange ich außerhalb von Frankreich unterwegs bin. Die Tarife hier sind allerdings arschteuer im Vergleich zu französischen Anbietern!

22. Juni 2022, Etappe von Jemgum nach Aurich

Bereits um 08:30 brach ich auf, denn für heute Abend hatte ich noch keinen Schlafplatz. Aurich hatte ich zwar mal anvisiert, aber ob ich einen passenden Platz finden würde, wusste ich noch nicht. Es konnte also durchaus eine längere Etappe wrden und da wollte ich Luft nach oben haben. In Ditzum wollte ich mit der Fähre nach Petkum übersetzen, die stündlich fuhr. Natürlich verpasste ich die Fähre um 10:00 und machte dann am Hafen eine Pause. Ditzum selbst könnte glatt aus einer Postkarte gefallen sein. Eine dörfliche Idylle aus Backstein, Blumenpracht und dem Hafen mit seinen Schiffen und Booten. Eine kleine Werft gab es auch, wo man sehen konnte, wie ein größeres Segelboot mit Holzrumpf gebaut wurde.

Um 11:00 fuhr die nächste Fähre und brachte mich und etliche andere Radfahrer auf die andere Seite der Ems. Von Petkum aus waren es noch knapp 10 Kilometer bis Emden. Der Radweg war hier nur noch geschottert und recht schmal, ließ sich aber passabel befahren. Nur einer kleinen, aber steilen Brücke über einen Seitenkanal musste ich den Anhänger abkoppeln und separat nach oben ziehen. Der Radweg führte an diversen Kanälen entlang bis nach Emden hinein. Die Stadt selbst war eher unspektakulär. Der alte Binnenhafen gab ein gutes Fotomotiv ab, einige Gebäude und die vielen Kanäle und natürlich die Kesselschleuse. In einem kleinen Park gönnte ich mir eine längere Pause. Von hier aus radelte ich an den Ems-Jade-Kanal und folgte seinem Verlauf. Etwa 10 Kilometer weiter bog er allerdings ab und folgte einer Straße in Biegungen durch das flache Land. Schön zu fahren war dieser Teil nicht, denn die Seitenstreifen waren grob geschottert – mit Schildern versehen: Nicht befahrbar – dennoch musste ich wegen entgegenkommender Autos ständig dorthin ausweichen. Staubig war es obendrein. Erst hinter Ihlow gelangte ich wieder an den Kanal und folgte ihm bis zum Hafen von Aurich. Urprünglich wollte ich irgendwo hier einen Schlafplatz suchen, an einer Schutzhütte oder einem Picknickplatz vielleicht, doch über eine Gruppe auf Facebook bekam ich den Tipp, es mal mit 1nitetent.com zu probieren. Das ist ein Projekt, welches Zeltplätze auf einer Karte listet, die von Privatpersonen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Wie der Name schon sagt, sind es Plätze für eine Nacht und vorwiegend für Reisende mit Zelt. Tatsächlich bekam ich für heute einen Platz knapp 4 Kilometer hinter Aurich angeboten. Auch für morgen Abend ist die Übernachtung bereits gesichert. Um 19:00 traf ich dort ein und wurde von sehr netten Menschen empfangen. Im großen Garten hinter dem Haus durfte ich mein Zelt aufschlagen, Wasser, Toilette und sogar Strom waren ebenfalls verfügbar. Freitag werde ich trotzdem den Campingplatz anfahren, denn der Wetterbericht meldet für mehrere Tage Viel Regen und schwere Gewitter an. Zahlen kann ich aber nur eine Nacht, ich hoffe aber, dass der Betreiber des Campingplatzes damit einverstanden ist, wenn ich die restlichen Nächte – bis Donnerstag – am Mittwoch bezahle. Da kommen die Tantiemen von Amazon aufs Konto.

21. Juni 2022, Etappe von Heede nach Jemgum

Der Campingplatz hatte einen Aufenthaltsraum, in dem ich gestern Abend und heute früh an meinem Manuskript arbeiten konnte. WiFi gab es aber leider nicht und das Mobilfunknetz war zu langsam, um meinen Reiseblog zu aktualisieren. Nette Nachbarn hatte ich auch, ein Paar aus den Niederlanden mit ihrem Wohnmobil. Wir kamen gestern ins Gespräch, während ich mein Zelt aufbaute, und sie luden mich zum Abendessen ein. Sie starteten ziemlich früh heute Morgen und ich dann später um halb elf. Die Strecke heute führte größtenteils an der Ems entlang über Papenburg und Leer weiter Richtung Emden. Fahren wollte ich bis hinter Leer und mir dann einen Platz für die Nacht suchen. Ich hoffte, dass es auf der Strecke ebenfalls Picknickplätze oder Schutzhütten, wie ich sie bisher immer wieder mal gesehen hatte, gab.

Bis Aschendorf ging es schön durchs Grüne und am Deich entlang, in der Stadt wechselte der Radweg auf die Straße. Es gab zwar einen Fußweg, der auch für Radfahrer freigegeben war, aber der war in sehr schlechtem Zustand und schmal. An Übergängen musste ich mich erst wieder daran gewöhnen, dass es in Deutschland nicht, wie in den Niederlanden, automatisch Vorfahrt für Radfahrer heißt! Hier braucht man schon vier Augen, zwei im Rücken, um Rechtsabbieger einschätzen zu können. Vor allem Lkws. Ein Fahrer mit einem Sattelzug winkte mich freundlicherweise rüber, ein anderer blinkte erst gar nicht und fuhr einfach. Gut, dass ich eh langsam fahre, denn mein schweres Gespann benötigt einen längeren Bremsweg. Alles in allem war der Radweg aber okay. Gegen 13:00 erreichte ich Papenburg. Der Radweg führte durch die Altstadt und am Hauptkanal entlang, was mir Gelegenheit gab, diese wirklich schöne Stadt zu besichtigen und natürlich fotografierte ich auch viel.

Danach radelte ich wieder dem Flusslauf der Ems nach. Über Weener hätte ich eine kürzere Strecke nach Emden gehabt, aber die Friesenbrücke war zerstört und die Fähre fuhr nur sehr unregelmäßig. Daher blieb ich auf dem Radweg, der durch Leer führte. Über das Hafengebiet radelte ich durch die Altstadt du wieder hinaus an die Ems. Am Jachthafen befand sich ein Campingplatz, doch ein Blick auf die Preistafel ließ mich schaudern. 18 Euro und Dusche und warmes Wasser zum Geschirr spülen und WiFi kam noch extra. Über die Jann-Berghaus-Brücke passierte ich die Ems und fuhr über Bingum weiter Richtung Jemgum. Ich erhoffte mir, auf dieser Strecke einen Schlafplatz zu finden, doch vorerst sah es da nicht so gut mit aus. Der Radweg verlief zwar schön am Deich entlang, aber da weideten überall Schafe. Sie waren nicht direkt eingezäunt, nur Gräben und Viehgatter hinderten sie daran, auf die Nebenstraßen oder in Orte hineinzulaufen. Weder Picknickplatz noch Schutzhütte gab es auf diesem Teil der Route.

Kurz bevor ich den Hafen von Jemgum erreichte, traf ich einen Mann, der seinen Hund Gassi führte und fragte ihn, ob er ein Plätzchen wüsste. Ich erklärte ihm, dass der Campingplatz zu teuer war und es sonst vor Emden keine mehr gäbe. Zehn Minute später hatte ich meinen Schlafplatz: Eine Wiese neben dem Haus seiner Eltern. Morgen kann ich ganz gemütlich bis Emden radeln, mir die Stadt anschauen und dann an den Ems-Jade-Kanal fahren.

Nachtquartier

20. Juni 2022, Etappe von Ter Apel nach Heede

Ich trödelte heute Morgen etwas beim Packen, da ich nicht vorhatte, eine lange Etappe zu fahren. Irgendwo hinter Dörpen wollte ich mir an der Ems einen Platz zum Nächtigen suchen, also sollte die Strecke heute nicht über etwa 40 Kilometer hinausgehen. Um 11:00 fuhr ich also los, zurück auf den Radweg und überquerte nach wenigen Kilometern bei Rütenbrock die Grenze nach Deutschland. Es war schon ein seltsames Gefühl, so nach 10 Jahren. Nicht, wie nach Hause kommen, denn wirklich heimisch hatte ich mich in diesem Land nie gefühlt, obwohl ich da – im Ruhrgebiet – aufgewachsen bin. Die meiste Zeit meines Lebens habe ich aber in Bayern gelebt. Der Norden und der Osten sind Neuland für mich, weswegen ich mir auch die Routen an der Nord- und Ostsee ausgesucht habe. Na ja, und weil es meistens schön flach ist und viel am Wasser entlang geht. Ich gucke gerne in den Häfen Boote an und male mir aus, wie es wäre, selbst so eines zu haben. Wird wohl immer ein Traum bleiben. Im Hafen von Haren lag ein kleines Motorboot mit Komplettausstattung zum Verkauf. Baujahr 2004, Preis 69.000 €. Tja, da muss eine alte Frau lange für stricken. Oder Bücher schreiben. Bis Haren waren es etwa 16 Kilometer, die ich zügig zurücklegte und in der Stadt in einer Bäckerei Pause für ein zweites Frühstück einlegte. Danach ging es zurück an den Radweg, der ab hier erst mal nicht an der Ems, sondern an einer Landstraße entlang verlief. Erst hinter Emen kam er wieder an den Fluss heran und führte am Dortmund-Ems-Kanal weiter bis Lathen. Eine sehr schöne Strecke zum Radeln. Leider blieb es heute fast durchgängig bewölkt, sodass ich nicht viel Anreize für Fotos bekam. Zudem frischte der Wind immer mehr auf, die Böen bliesen mit 45 km/h und oft von vorne. Bei Steinbild flossen Ems und Kanal wieder zusammen und der Radweg folgte nun dem Fluss bis Heede. Wegen des Windes wäre es schwierig gewesen, einen Platz zum wild kampieren in diesem offenen Gelände zu finden, daher entschied ich mich dafür, doch noch einen Campingplatz anzufahren. In Heede gab es einen, der mit 10 Euro noch günstig war. Platz war auch noch und so schlug ich dort mein Zelt für die Nacht auf. Ab morgen soll es bis einschließlich Donnertag bestes Radelwetter geben. Sonne pur, warm und kaum Wind. Ich werde ab Emden nicht die Nordseeroute nehmen – zu teuer – sondern den Jade-Ems-Kanal nach Wilhelmshaven fahren. Den nächsten Campingplatz habe ich dann erst am Freitag wieder, am Jadebusen. Ich hoffe sehr, dass die für das kommende Wochenende angekündigten 3 Tage Gewitter und Regen nicht wahr werden!

17. Juni 2022, Etappe von Hollandscheveld nach Ter Apel

Als ich heute Morgen um 10:00 startete, war der Himmel bewölkt, dafür war es deutlich wärmer als gestern, fast schon schwül. Ich checkte sicherheitshalber noch einmal den Wetterbericht, aber nein, kein Gewitter oder Regen wurde angekündigt. Gut für mich, schlecht für die Natur. Die Bauern hingegen konnten sich kein besseres Wetter für die überall stattfindende Heuernte wünschen. Trocken, warm und ein leichter, ebenfalls trockener Wind. Meine Route führte heute erst einmal nach Geesbrug an den Kanal, etwa 10 Kilometer, von da aus nahm ich den ausgeschilderten Radweg nach Emmen, die nächstgrößere Stadt auf der Strecke. Bis Zwinderen verlief der Radweg am Kanal entlang, von da ab über Landstraßen nach Oosterhesselen und Sleen, wo ich an einem schönen Picknickplatz eine längere Pause einlegte. Viel zu sehen gab es heute nicht. Grünes plattes Land und Dörfer mit schönen Häusern aus Backstein, typische Architektur hier. In Emmen kaufte ich noch löslichen Kaffee ein – mein Suchtmittel, ob magerer Geldbeutel oder nicht – und begab mich dann auf die restlichen 12 Kilometer zum anvisierten Campingplatz etwas vor Ter Apel. Es wird vorerst auch der letzte sein, denn das Budget dafür ist nun endgültig aufgebraucht. Das restliche Geld ist für Lebensmittel gedacht. Um 16:00 erreichte ich den Minicampingplatz, der zu einem großen Bauernhof mit Milchvieh und Hühnerhaltung gehörte. Ich zahlte nur 5 Euro, obwohl auf der Webseite 9 Euro angegeben waren – nicht, dass ich mich darüber beschwere! – und bekam noch 4 frische Eier gratis dazu. Viel los war hier nicht, außer mir gab es noch zwei Urlauber mit Wohnmobilen. Der Platz war schön, gepflegt, die sanitären Anlagen sauber und man musste nicht für warmes Wasser extra zahlen. So konnte ich heute noch einmal duschen und Wäsche waschen. Morgen geht es nach Hansen an die Ems und über den Emsradweg Richtung Küste. In Weener kreuzt er den Eurovelo 12, auf dem ich weiterfahren werde. Deutschland ist dann das vierte Land auf meiner diesjährigen Tour. Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie das Radwandern da so sein wird. Ich kenne dieses Land ja hauptsächlich vom Pferderücken aus, bin auch nie campen gegangen. Sicher ist nur, dass die Radinfrastruktur im Vergleich zu den Niederlanden eher mau ist. Und vermutlich werde ich Probleme mit dem Mobilfunknetz haben. Belgien und die Niederlande sind auch in dieser Hinsicht erstklassig ausgestattet.

16. Juni 2022, Etappe von Hasselt nach Hollandscheveld

Heute war es deutlich wärmer als in den letzten Tagen, als ich um 10:00 aufbrach. Vom Hafen aus gelangte ich schnell wieder auf den Radweg und schlug als erstes die Richtung nach Meppel ein. Dort wollte ich im MC Donald frühstücken und meinen Laptop updaten. Normalerweise mied ich das große gelbe M, aber ich brauchte WiFi und das gab es da nun mal gratis. Die Strecke führte schön durch die Landschaft, die geprägt von Wiesen und Weiden mit Milchkühen war. Ich sah sogar ein Storchenpaar auf der Wiese! Bis gestern überwogen Schafe, hier jedoch sah es so aus, wie man sich die Niederlande eben vorstellt. Nur ohne die Windmühlen. Von denen habe ich leider herzlich wenige gesehen. Und Tulpenfelder gar keine. Vermutlich bin ich die falschen Radwege gefahren.

Nach Meppel hinein ging es durch einen wunderschönen Park, anschließend weiter in den Ort. Nach einem kurzen Abstecher zum Aldi, radelte ich zum MC Donald, blieb dort etwa eine Stunde. Von hier aus wechselte ich auf den Radweg nach Hoogeveen, etwa 24 Kilometer entfernt. Allerdings verfuhr ich mich einmal, was einige Kilometer zusätzlich bedeutete. In Noordwik, einem kleinen Ort mit Hafen am Kanal gönnte ich mich noch mal eine Pause und aß eine Kleinigkeit. Wie so oft, vergaß ich, genug Wasser zu trinken. Das holte ich jetzt nach.

Weiter ging es, immer am Kanal entlang – Hoogevensche Vaart – bis in die Stadt hinein, wo der Radweg einen anderen Verlauf nahm. Ich wollte nicht komplett durch das gesamte Stadtgebiet radeln, fand eine Strecke, die mich zurück zum Kanal brachte und blieb darauf, Sie war zwar deutlich länger, aber schöner zu fahren als die, die mir Komoot vorgeschlagen hatte. Bis Geesbrug, wo ich mir einen Schlafplatz suchen wollte, war es eigentlich nicht mehr weit, aber ich verfuhr mich ein zweites Mal. Statt nach Geesbrug gelangte ich nach Hollandscheveld.

Als ich Google Maps studierte, um zu sehen, wie ich auf die richtige Strecke kam, entdeckte ich einen Campingplatz, den ich, da ich ja eigentlich ganz woanders sein sollte, nicht auf der Liste hatte. Ich suchte im Internet die Webseite, stellte fest, dass der Campingplatz sehr günstig war und fuhr hin. Der Betreiber empfing mich freundlich und auf meine Nachfrage – die Rezeption hatte schon geschlossen – ob ich gleich oder erst morgen früh bezahlen sollte, entgegnete er, dass ich kostenlos hier nächtigen durfte. Na, das war doch mal eine gute Nachricht! Über die morgige Etappe bin ich mir noch nicht schlüssig. Entweder fahre ich von hier aus direkt über die Grenze nach Deutschland rein – nach Meppen an der Ems, was viel Schnellstraße bedeuten würde, oder ich radele einen Umweg über Emmen nach Ter Apel und erreiche Deutschland am Samstag.

15. Juni 2022, Etappe von Polsmaten nach Hasselt

Ich hatte eigentlich gehofft, dass ich erst einmal einige Tage ohne Campingplatz auskommen konnte, um mein Restbudget zu schonen, doch leider konnte ich auf diesem hier nichts aufladen. Die Waschräume mit Steckdosen lagen von meinem Platz zu weit entfernt, als dass ich Laptop und Smartphone unbeaufsichtigt dort hätte lassen können. Der nächste halbwegs günstige Zeltplatz lag in Hasselt am Jachthafen und kostete 11 Euro, inklusive Strom. Wie in den vergangenen Tagen auch, navigierte ich teils mit Komoot, wo ich keinen ausgeschilderten Radweg hatte, teils mit den Hinweisschildern. Der erste Teil der Strecke verlief recht schön weiter entlang des Sees bis Elburg, von da ab wieder parallel zur Schnellstraße. In Oldebroek gönnte ich mir ein zweites Frühstück.

Roombroodje – ein mit Buttercreme gefülltes Hefeteiggebäck, ähnlich wie Bienenstich – und zur Abwechslung richtig guten Kaffee. Das Ganze für nur 4 Euro, eine Summe, die ich oft genug nur für den Kaffee allein gezahlt habe! Von Oldebroek aus radelte ich den Wegweisern nach über Wezep bis nach Zwolle. 38 Kilometer waren geschafft, 9 lagen noch vor mir, die ich aber zügig zurücklegte. Der teils kräftige Gegenwind hatte sich endlich gelegt und bremste mich nicht mehr aus. Ansonsten herrschte heute mit 22 Grad und Sonne pur bestes Radelwetter. Um dreiviertel vier erreichte ich den Jachthafen, dem ein kleiner Campingplatz angeschlossen war. Minicamping ist hier das richtige Wort, denn es war wirklich nur eine kleine – aber sehr gepflegte Wiese – inmitten von Ferienhäusern. Außer mir waren noch deutsche Camper da und später trafen noch drei Damen ein, die ebenfalls eine Radwandertour machten. Die Etappe für morgen steht noch nicht fest. Entweder fahre ich bis Groningen weiter oder radele über Meppel und Emmen über die Grenze nach Deutschland rein. So oder so sind das mit meinem Reisetempo noch 2 Tagesetappen. Das Wetter soll vorerst schön bleiben, aber je näher ich der Küste komme, desto kühler wird es.

14. Juni 2022, Etappe von Nijkerk nach Polsmaten

Der plötzliche Temperaturabfall in der Nacht – um 05:00 hatte es gerade mal 6 Grad! – war für meine Gelenke eine echte Freude. Kurzum: ich schlief schlecht und viel zu kurz, war heute Morgen dementsprechend unkonzentriert und benötigte länger als gedacht zum Packen. Ich brach erst um 11:00 auf, was aber kein großes Problem darstellte, da ich heute nur etwa 38 Kilometer zu bewältigen hatte.

Der anvisierte Campingplatz lag am Jachthafen in Polsmaten am Veluwemeer. Der Radweg führte durch das Gewerbegebiet von Nijkerk, was mir die Möglichkeit gab, bei einem Lidl noch schnell die Vorräte aufzustocken. Anschließend radelte ich weiter ans Veluwemeer, ein langgestreckter großer See und dort entlang. Der Radweg verlief zwischen dem See und der Autobahn bis hinein nach Harderwijk vorbei an Putten und Ermelo. Im Hochsommer steppt hier sicherlich der Bär, aber jetzt waren nur wenige Radfahrer und Passanten unterwegs. Zwischendurch gönnte ich mir eine Pause an einem der Picknickplätze am See mit herrlichem Blick auf das Wasser. Unglaublich viele Schwäne tummelten sich hier.

Danach ging es durch Harderwijk durch und weiter nach Nunspeed. Ich verpasste eine Abzweigung und radelte deswegen einen Umweg zum Campingplatz, den ich um 16:45 erreichte. Der Platz war größer, als es die Fotos auf der Webseite vermuten ließen. Vorwiegend standen hier Campingcars aus Deutschland. Die Grenze ist ja nicht mehr weit weg. Über Apeldoorn kann man direkt ins Ruhrgebiet fahren oder, wie ich es geplant habe, über Groningen nach Ostfriesland hinein. Je nachdem, wie viele Kilometer ich morgen zurücklege, müsste ich Donnerstag oder Freitag die Grenze überqueren. Da wechsele ich wieder auf den Eurovelo 12.

13. Juni 2022, Etappe von Amsterdam nach Nijkerk

Besonders gemütlich war es auf dem Zeltplatz nicht gewesen, daher trank ich heute Morgen nur rasch einen Kaffee, packte zusammen und brach schon um 08:30 auf. Mein Ziel heute war ein kleiner und günstiger Campingplatz bei Nijkerk. Komoot hatte mir Gesamtstrecke von 48 Kilometern ausgerechnet, aber ich addierte im Voraus noch einige dazu, da ich, soweit möglich, auf den ausgeschilderten Radwegen fahren wollte. Einige Umwege dürften mit drin sein.

Bis Muiden führte der Radweg schön durch eine grüne Landschaft, nur gelegentlich touchierte er mal die Autobahn oder Schnellstraße. In Muiden wollte ich eine Frühstückspause gönnen, fand auch ein ruhiges, kaum besuchtes Café am Hafen, doch kaum hatte ich meinen Kaffee getrunken, drang Zigarettenqualm in meine Nase. Der Wirt höchstpersönlich stand hinter dem Tresen und paffte eine Zigarette. Eine von der stinkenden Sorte. Ich hatte mich in den Innenraum gesetzt, weil die Terrasse so früh am Morgen noch nicht geöffnet war. Eigentlich hatte ich hier etwa eine Stunde eingeplant, denn es gab Steckdosen an den Tischen und ich wollte meinen Laptop komplett aufladen. Das war auf dem Campingplatz nicht möglich gewesen. Meine ohnehin kaputte Lunge verpesten lassen, wollte ich aber auch nicht, daher packte ich seufzend wieder alles ein, zahlte und machte mich auf den Weg.

Bis Naarden wechselte der Radweg von grüner Natur zurück an die Schnellstraße. Hinter Muiden tauchte in meinem Blickfeld plötzlich ein waschechtes Schloss auf! Leider zu weit, um ein gutes Foto davon zu bekommen. Es handelt sich bei dem Gebäude um ein restauriertes Wasserschloss. In Naarden suchte ich einen Supermarkt auf, ergänzte meine Vorräte und legte am nächsten Picknickplatz eine Pause ein, um mein Frühstück nachzuholen. Nur ohne Kaffee. Die nächsten Orte au meiner Route waren Bussum und Laren. Von da aus radelte ich über Eemnes in Richtung Fähre. Auf dem Deich traf ich zwei deutsche Rentnerinnen an. Eine von ihnen hatte Probleme mit dem Fahrrad. Es war umgekippt und dabei hatte sich das vordere Schutzblech so verbogen, dass es am Reifen entlangschliff. Werkzeug hatte keine von ihnen dabei. Nun, da konnte ich helfen und das Problem war schnell behoben. Außerdem waren beide Damen verzweifelt, dass sie, seit sie in den Niederlanden unterwegs waren, kein Internet oder Mobilfunk empfingen. Sie hatten schlicht vergessen, Roaming einzuschalten, wussten auch gar nicht, wie und wo sie das an ihren Handys einstellen konnten. Auch da konnte ich behilflich sein und fuhr anschließend weiter.

Die Fähre überquerte bei Eemdijk die Eem. Die Überfahrt kostete 1 Euro. Von da aus radelte ich noch durch einen Ort mit dem herrlichen Namen Bunschoten- Spakenburg und weiter Richtung Nijkerk, wo sich der Campingplatz befand. Mit 8 Euro war er günstig, lag sehr schön und war ruhig. Insgesamt bin ich heute 53 Kilometer geradelt. Die morgige Etappe wird länger und führt nach Dronten.